Geld und Gold: Der Anspruch allein reicht nicht

Die Preise der Vermögensgüter werden in Geldwerten ausgedrückt. Aus diesem Grund halten viele auch das Geld selbst für einen Vermögenswert. Doch das ist es nicht. Geld ist selbst kein Vermögen. Es begründet nur einen Anspruch auf die Vermögenswerte dieser Welt. Das ist ein kleiner, aber sehr entscheidender Unterschied.

Wäre das Geld selbst ein Vermögenswert, so hätte es einen Wert aus sich heraus. Dieser Wert könnte schwanken, aber er wäre immer vorhanden. Eine Immobilie, ein Unternehmen, ein Kunstwerk hat diesen inneren Wert, der nie ganz verloren geht. Das Geld hat ihn nur dann, wenn seine Ausdrucksform selbst werthaltig ist.

Doch in diesen Fällen ist es nicht das Geld, das den inneren Wert ausmacht, sondern sein Trägermaterial, beispielsweise das Gold oder Silber der Münze. Beim Papiergeld wird die Diskrepanz zwischen dem aufgedruckten geldwerten Anspruch und dem tatsächlichen inneren Wert des bedruckten Papiers besonders leicht deutlich.

Beim elektronischen Geld sagt uns im Grunde bereits die Werbung, dass wir nicht mit den Zahlenkolonnen auf unseren Konten oder unseren Kreditkarten bezahlen, sondern mit unserem guten Namen, der nichts anderes ist, als das Vertrauen der Allgemeinheit darauf, dass wir auch morgen noch über eine gewisse wirtschaftliche Stärke und Leistungsfähigkeit verfügen.

Der feine Unterschied zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Es gibt heute bereits beide Formen von Geld. Geld, dessen Trägermaterial viel weniger wert ist als das im Geld enthaltene Versprechen und Geld, das viel mehr wert ist als es auf den ersten Blick erscheint. Im ersten Fall handelt es sich um alle Formen von Papiergeld und elektronischen „Wertspeichern“, wie Konten, EC- und Kreditkarten.

Den zweiten Fall halten Sie dann in Ihren Händen, wenn Sie beispielsweise eine deutsche Goldmünze der Weltkulturerbeserie betrachten. Sie hat offiziell den Wert von 100 Euro. Das Gold, aus dem sie geprägt ist, ist aber auch an Tagen mit schwachen Goldpreisen sehr viel mehr wert als diese aufgeprägten 100 Euro.

Einen Anspruch kann man sehr leicht schaffen. Er kann berechtigt sein und auf einer vorausgehenden Leistung beruhen, wie beispielsweise unsere Arbeitseinkommen. Er kann aber auch einfach nur behauptet werden, ohne dass zuvor irgendeine noch so kleine Leistung erbracht wurde.

Dieser Fall ist immer dann gegeben, wenn in unserem Fiat Money-System von den Zentralbanken und Geschäftsbanken Geld aus dem Nichts heraus erschaffen wird. Mehr als 12 Billionen US-Dollar wurde auf diese Art seit 2009 weltweit geschaffen. Diese 12 Billionen US-Dollar stellen keine neuen Ansprüche auf neu geschaffenes Vermögen dar, sondern sie sind zusätzliche Ansprüche zu den bereits bestehenden Ansprüchen auf das nur geringfügig vermehrte Vermögen dieser Welt.

Ansprüche müssen entwertet werden, wenn sie nicht berechtigt sind

Allein dieses Wissen um die beständig wachsende Kluft zwischen den seit Jahren künstlich aufgeblähten Vermögensansprüchen und den nur mühsam vermehrten echten Vermögensgütern macht es unvermeidlich, dass diese Ansprüche niemals erfüllt werden können.

Was nicht erfüllt werden kann, muss aufgegeben werden. Im Fall des Geldes bedeutet dies, dass die Ansprüche auf Teilhabe an den Vermögensgütern aufgegeben werden müssen. Das kann dadurch geschehen, dass dieser Anspruch per Gesetz als nicht mehr legitim eingestuft wird. In diesem Fall wird das Geld einfach für ungültig erklärt und durch ein anderes ersetzt, ohne dass der Tausch des alten Geldes in das neue möglich ist.

Falls das Geld und die in ihm enthaltenen Ansprüche auf Teilhabe an Gesamtvermögen dieser Welt nicht für ungültig erklärt wird, kann man es auch dadurch entwerten, dass der verbriefte Anteil immer kleiner wird. Das geschieht durch Inflation. Sie lässt die Preise solange ansteigen, bis wieder ein Gleichgewicht zwischen den ausgegebenen Vermögensansprüchen (Geld) und den realen Wert besteht.

An dieser Stelle tritt der fatale Trugschluss der aktuellen Geldpolitik der Notenbanken deutlich zutage. Man kann Wohlstand nur über echte Leistung schaffen. Ihn über die Druckerpresse herbeizaubern kann man nicht. Da die Geldschwemme bereits real ist, steht uns als finaler Akt nur noch das unangenehme Ende dieses Systems bevor.

Was für das Geld gilt, gilt an den heutigen Finanzmärkten auch für das Gold

Wenn die Ansprüche schwinden, weil sie sich faktisch in die heiße Luft auflösen, aus der sie einst geschaffen wurden, zählt nur noch Besitz des realen Vermögens. Um ihn geht es schon heute, denn unbemerkt von der bereiten Masse hat längst ein Wettlauf um die wahren Vermögenswerte dieser Welt begonnen.

Sie sind endlich. Deshalb macht es Sinn, sich frühzeitig so viele von ihnen zu sichern wie nur möglich. Die extreme Konzentration der Vermögenswerte in den Händen einiger weniger sehr reicher Personen und Familien, die wir seit einigen Jahren wieder beobachten können, spiegelt diese Entwicklung wider.

An dieser Stelle geraten auch Gold und Silber schnell in den Fokus vieler Anleger. Doch auch bei den Edelmetallen gilt, was für das Geld entscheidend ist: Am Ende zählt allein der echte, reale Vermögenswert und nicht der Anspruch auf einen solchen.

An den modernen Börsen werden im Futurehandel die Ansprüche auf Gold und Silber Tag für Tag tausendfach umgeschlagen. Entscheidend wird am Ende jedoch sein, dass man die echte Goldmünze und den echten Silberbarren in seinen Händen hält und nicht nur ein Stück Papier, das jemanden zur Lieferung verpflichtet, der selbst gar kein eigenes physisches Gold und Silber zur Auslieferung besitzt.

Er kann uns im Zweifelsfall, wenn er liefern muss, aber nicht liefern kann, mit Geld auszahlen, möglicherweise sogar mit sehr viel Geld. Aber dieses Geld stellt wiederum nur einen Anspruch dar, der unter Umständen nicht viel wert ist. Wer als Anleger dieser Gefahr entgehen will, der baut kontinuierlich echten Besitz und echte Werte auf und verzichtet darauf, Ansprüche zu erwerben.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

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About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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