Kein Ausweg aus dem Schuldenchaos

Der bereits 1973 verstorbene österreichische Ökonom Ludwig von Mises hat unsere aktuelle Misere einmal sehr treffend auf den Punkt gebracht, als er sagte: „Es ist unmöglich, den letztendlichen Zusammenbruch eines Booms, der durch Kreditexpansion erzeugt wurde, zu vermeiden. Wir haben nur die Wahl, ob die Krise früher auftritt, wenn wir freiwillig die Kreditexpansion beenden, oder aber später, indem das bestehende Währungssystem zusammenbricht.“

Leider haben die westlichen Regierungen und Notenbanken nicht die geringste Absicht, dieser Einsicht zu folgen. Im Gegenteil: Seit Jahren betreiben sie mit großem Nachdruck ein wirtschaftliches Realexperiment, das darauf abzielt, mit unbegrenzt aus dem Nichts geschaffenem neuen Geld die Wahrheit dieser Aussage zu widerlegen bzw. den Eintritt ihrer Konsequenzen auf den Sankt Nimmerleinstag zu verschieben.

Der kreditfinanzierte Boom wird nicht freiwillig beendet, um den Schaden in Grenzen zu halten, sondern aggressiv ausgeweitet. Vordergründig geschieht dies mit Erfolg, denn die Wirtschaft boomt noch und die Inflation ist moderat. Dabei wird versucht, den Eindruck zu erwecken, als könne dieses System unbegrenzt fortgesetzt werden, weil die Schulden immer noch beherrschbar seien und eines Tages mit einer höheren Wirtschaftsleistung zurückgezahlt werden.

Wenn jedoch die privaten wie öffentlichen Schulden konstant deutlich schneller steigen als die Wirtschaftsleistung, kann dieses System auf Dauer nicht funktionieren. An seinem Ende muss die Insolvenz stehen, die private wie die staatliche. Der Punkt ist spätestens immer dann erreicht, wenn die Einnahmen nur noch dazu ausreichen, die aufgehäuften Schulden zu bedienen und für weitere Ausgabe kein Geld mehr zur Verfügung steht.

Auf den Höhenflug folgt der spektakuläre Absturz

Da unser Geld selbst kein Vermögen darstellt, sondern nur einen Anspruch darauf, können Preisblasen nicht ewig Bestand haben. Sie müssen eines Tages kraftlos in sich zusammenfallen, weil die Vermögenswerte dieser Welt immer begrenzt und damit nicht in kurzer Zeit beliebig vermehrbar sind.

Aus diesem Grund wird auch der aktuelle Höhenflug der weltweiten Finanzmärkte keinen dauerhaften Bestand haben und früher oder später in einem spektakulären Absturz enden. Dabei wird jede Menge Porzellan zerschlagen werden. Vermögenswerte lösen sich in Luft auf, zahlreiche Jobs gehen verloren und Träume, Hoffnungen, aber auch politische Karrieren und ganze Volkswirtschaften werden gleichermaßen zerstört.

Man kann nicht erwarten, dass der Bereinigungsprozess ein angenehmer sein wird. Aber er ist notwendig und damit letztlich unvermeidlich. Zu klären gilt es nur noch den Zeitpunkt und die Fallhöhe, von der das Drama seinen Ausgang nimmt. Die Aktionen der Politik und die Geldpolitik der Notenbanken sorgen aktuell dafür, dass die Fallhöhe immer weiter ansteigt.

In einer zukünftigen Krise an den Finanzmärkten könnten die Notenbanken analog zu ihrem Verhalten in den Jahren während und nach der Finanzkrise wieder geneigt sein, die Krise mit Unmengen an frisch erzeugtem Papiergeld zu ersticken. Ob der Trick erneut funktionieren wird, muss sich zeigen. Aber egal, ob er funktioniert oder nicht, der Sprengsatz zu einer vollständigen Zerstörung unserer Währungen ist gelegt, denn unser Geld basiert nicht auf echten Werten, sondern allein auf Vertrauen.

Endstation Staatsbankrott

Vertrauen jedoch ist schwer aufgebaut und leicht zerstört. Für eine jede Währung bedeutet dies, dass diese von den Menschen nicht mehr eingesetzt wird, wenn das entsprechende Vertrauen in ihre Stabilität fehlt. Dabei ist es egal, ob diese Währung in Form von Bargeld, Kreditkarten, elektronischen Überweisungen, Zigaretten oder Bitcoins daherkommt. Fehlt das Vertrauen, wird sie nicht mehr akzeptiert und der Austausch von Waren und Dienstleistungen wird auf einem anderen Weg stattfinden.

Der Staat kann seine Bürger zwar zwingen, ein bestimmtes Geld einzusetzen, um die Steuern zu zahlen. Aber der Staat kann die Bürger nicht zwingen zu konsumieren und er kann die Produzenten nicht zwingen, ihre Waren zu einem Preis abzugeben, der nicht marktgerecht ist oder sie sich in einer Währung bezahlen zu lassen, welche die Produzenten nicht annehmen wollen.

Derartiges wurde in der Vergangenheit zwar immer wieder mal versucht. Doch die Ergebnisse waren ernüchternd. Ein staatlich fixierter Brotpreis sichert nicht das Überleben der Bevölkerung. Im Gegenteil: Er verschlimmert auf Dauer das Problem, weil die Bäcker nicht mehr auf ihre Kosten kommen und immer weniger Brot backen, bis es am Ende gar keines mehr zu kaufen gibt.

Das Ende einer Währung ist deshalb auch immer der Moment, in dem die angehäuften Schulden des Staates in einem Staatsbankrott entwertet werden müssen. Mit den Schulden verschwinden in diesem Moment auch die Guthaben. Wir steuern seit Jahren mit zunehmender Geschwindigkeit auf diesen Punkt zu, auch wenn man uns einreden will, dass alles in bester Ordnung sei und man das Schuldenproblem im Griff habe.

Geht deshalb die Welt unter?

Das Leben wird sicher weitergehen. Nur werden wir uns von einigen lieb gewonnenen Ansichten und Gewohnheiten verabschieden müssen. Die freiwillige Beendung der Kreditexpansion, wie Ludwig von Mises es genannt hat, ist einer der Lernschritte, die wir zu vollziehen haben. Sie wird Einschränkungen mit sich bringen und die verschwenderische Lebensweise früherer Jahre definitiv beenden. Ob sie die Exzesse der Vergangenheit jemals kompensieren wird, ist zweifelhaft.

Die Politik der niedrigen Zinsen führt nicht in diese Richtung einer Gesundung und eines Endes dieser Exzesse. Im Gegenteil: Sie lässt uns die Leiter der Kreditexpansion immer weiter emporsteigen und entfernt uns dadurch Tag für Tag vom eigentlichen Ziel. Die ewige Expansion der Wirtschaft ist und bleibt ebenso eine Illusion wie die ewige Expansion der Schulden.

Die allgemeine Vernichtung großer Vermögenssummen in kurzer Zeit wird deshalb kommen, ja kommen müssen. Geschieht dies relativ zeitnah, besteht noch die Chance, die Scherben aufzusammeln und einen Neuanfang zu starten. Wird jedoch weiterhin wertvolle Zeit verloren, wird auch die zerstörerische Wirkung eine größere sein. Dabei geht es nicht nur um die finanziellen Verluste. Der gesellschaftliche Schaden kann leicht um einiges höher ausfallen.

Bereiten Sie sich deshalb auf die Krise vor, bevor sie eintritt und treffen Sie ihre Vorkehrungen, solange die Lage noch vergleichsweise ruhig ist. Kümmern Sie sich dabei nicht nur um ihr Geld, sondern auch um ihren Lebensstil. Auch dieser muss so robust und widerstandsfähig sein, dass er der kommenden Krise gewachsen ist.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

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About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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