Wie viel Manipulation verträgt der Goldpreis?

Gold ist kein Rohstoff, sondern eine Währung. Von den Währungen dieser Welt wissen wir aber nur zu gut, dass die sie herausgebenden Notenbanken nicht gewillt sind, sie dem freien Spiel von Angebot und Nachfrage zu überlassen. Fällt eine Währung zu tief oder wird ihr Außenwert als zu hoch empfunden, wird interveniert.

Es werden Stützungskäufe vorgenommen oder es wird so viel neues Geld aus dem Nichts heraus geschaffen, dass der Außenwert zwangsläufig sinken muss. Mario Draghi hat es auf diese Art geschafft, den Wechselkurs des Euros zum US-Dollar von ein 1,60 auf ein nahezu paritätisches Niveau zu drücken.

Es ist nun aber nicht so, dass die Notenbanken jeden nur denkbaren Devisenkurs darstellen könnten. Sie intervenieren auch nicht jeden Tag. An den meisten Tagen verhalten sie sich vollkommen still. Worauf sie aber immer achten, ist, dass die Währungspaare innerhalb der von ihnen tolerierten und für akzeptabel befundenen Bandbreite schwanken.

Dieser Befund gilt selbstverständlich auch für den Goldpreis. Auch er soll in einer gewissen Bandbreite gehalten werden. Die einzigen Unterschiede zu den anderen Fiat-Money-Währungen sind, dass das Gold nicht beliebig vermehrt werden kann, und dass sich für seinen optimalen Preis nicht nur eine Notenbank zuständig erachtet, sondern alle meinen mitreden zu müssen.

Die Grenzen der Steuerung

Ob man diese Form der Kontrolle nun Steuerung oder Manipulation nennt, ist im Grunde nicht weiter von Bedeutung. Für uns Anleger ist wichtig zu wissen, dass der Goldpreis nicht vollkommen frei ist und kein anderes finanzielles Asset an den Märkten so klar im Fokus von Regierungen und Notenbanken steht wie der Goldpreis.

Eine ebenso interessante wie wichtige Frage ist, wie weit diese Feinsteuerung gehen kann. Ist es den Notenbanken tatsächlich möglich, jeden erdenklichen Goldpreis über kurz oder lang darzustellen oder sind auch ihren Einwirkungsmöglichkeiten Grenzen gesetzt?

Theoretisch müssten die Möglichkeiten nahezu unbegrenzt sein, denn einer weltweiten Goldförderung von über 180.000 Tonnen seit der Antike steht eine jährliche Nachfrage von nicht einmal 4.000 Tonnen gegenüber. Selbst in den Jahren mit einer starken oder besonders starken Nachfrage müsste es also möglich sein, den Goldpreis durch den massiven Verkauf des gesamten seit der Antike geförderten Goldes nicht nur in den Keller zu schicken, sondern ihn auch noch unter das Fundament zu drücken.

Das Fundament wären in diesem Fall die Produktionskosten der Minen. Würde das Gold nicht gehortet, sondern wie andere Rohstoffe nur konstant verbraucht, wären die Produktionskosten der Minen die natürliche Untergrenze für einen jeden Preisverfall. Weil aber in den Tresoren der Welt viel mehr Gold liegt als pro Jahr von den Anlegern nachgefragt wird, könnte der Markt theoretisch mit diesem Gold geflutet und der Preis bis an die Nulllinie gedrückt werden.

Die Produktionskosten als Richtwert

Faktisch geschehen ist das bislang jedoch noch nie, denn die Notenbanken besitzen zwar viel Gold, doch längst nicht alles. Ausverkaufspreise, die langfristig unter den Produktionskosten der Minen liegen, würden sofort finanzkräftige Marktteilnehmer auf den Plan rufen, die dieses Gold aufkaufen, weil sie wissen, dass es unter seinen aktuellen Produktionskosten gehandelt wird.

Die durchschnittlichen Produktionskosten der Minen stellen daher für den Goldpreis eine recht verlässliche Absicherung nach unten dar. In der jüngeren Vergangenheit wurde der Goldpreis von interessierter Seite zwar immer wieder teilweise recht nah an diese Grenze herangeführt, aber dauerhaft unterschritten wurde sie nicht.

Selbst zur Jahrtausendwende, als der Goldpreis sein bislang letztes relevantes Tief erreichte, lag der Goldpreis einige Dollar über und nicht unter den Produktionskosten der Goldminen. Diesen Sachverhalt sollte man stets im Hinterkopf behalten, wenn man einen jener reißerischen Berichte liest, die dem Goldpreis ein Abtauchen in sehr, sehr tiefe Preisregionen vorhersagen.

Für ein paar Tage mag der Goldpreis in der Tat verkehrte Welt spielen und extrem weit zurückfallen. Doch auf Dauer stellen die Produktionskosten eine natürliche untere Grenze für ihn dar, die nicht unterschritten wird.

Eine Manipulation zur Anstiegsverhinderung

Wenn auch die Notenbanken den Goldpreis nicht vollständig unter Kontrolle halten oder ihn gar zerstören können, stellt sich natürlich sofort die Frage, warum überhaupt dieser hohe Aufwand zu seiner Beeinflussung getrieben wird. Die Antwort liegt allein auf der Oberseite.

Die Notenbanken und die anderen Feinde des gelben Metalls können seinen Preis nicht auf null drücken, denn der Wert einer Unze Gold liegt in ihrer Förderung. Diese einmal erbrachte Leistung kann hinterher nicht mehr zurückgenommen werden. Man müsste das Gold zerstäuben und es anschließend wieder wahllos über die Welt verteilen, um den Vorgang seiner Förderung, Reinigung und Konzentration rückgängig zu machen.

Das wird niemand tun, denn selbst für die Notenbanken, die dem gelben Metall in einer gewissen Hassliebe gegenüberstehen, ist das Gold dafür viel zu wertvoll, denn sie benötigen es als Vertrauensabsicherung für ihr Papiergeld. Was die Zentralbanken allerdings erreichen können, ist eine gewisse Kontrolle der Preisausschläge nach oben.

Hier kann mit dem Staatsgold ein steiler Preisanstieg gezielt abgewürgt und unterbunden werden. Den langfristigen Trend wird man so nicht brechen können, aber man kann dem Anstieg einen Teil seiner Dynamik nehmen und das Gold für viele Anleger unattraktiver erscheinen lassen.

In der Ruhe liegt die Kraft

Genau dieses Spiel sehen wir seit 2012 wieder. Das Gold steigt auch dann nicht nachhaltig im Kurs, wenn die Krisen kaum noch zu übersehen sind. Für die Freunde des Goldes ist diese Entwicklung enttäuschend und für die Feinde ein vermeintliches Zeichen dafür, dass das Gold seine geschichtliche Rolle in unserem Finanzsystem ausgespielt hat.

Abgerechnet wird jedoch wie immer zum Schluss. Im Moment jubeln die Besitzer der stark inflationierten Assets. Ihre Anleihen, Aktien und Immobilien steigen beinahe täglich im Wert, während Gold und Silber nicht wirklich von der Stelle zu kommen scheinen.

Als Besitzer der physischen Edelmetalle kann einem Anleger diese Entwicklung jedoch vergleichsweise egal sein. Der reale Wert seiner Anlage, die physische Förderung, wird nicht dadurch zurückgenommen oder weniger wert, dass der Preis nicht künstlich aufgeblasen wird. Er wird aber auch dadurch nicht geringer, dass die inflationären Blasen eines Tages kraftlos in sich zusammenfallen werden.

Er bleibt einfach erhalten und das lässt vor dem Hintergrund der Wirren unserer Zeit und der Unsicherheit, die sie mit sich bringen, vergleichsweise gut und ruhig schlafen.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

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About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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