Gold und Silber werden nicht ewig so billig bleiben

Viele Edelmetallanleger werden heute mit Wehmut an die goldenen 00er-Jahre zurückdenken. Damals stiegen die Preise für Gold und Silber durchgängig. Mal taten sie es konträr zu den Aktien wie in den Jahren 2001 bis 2003, mal taten sie es parallel zu den Aktien wie ab 2004. Während der Finanzkrise musste auch der Goldpreis Rückschläge verkraften, doch sie waren weitaus schneller wieder ausgeglichen als die Rückschläge bei anderen Wertanlagen.

Mit dem Hoch der Jahre 2011 beim Silber und 2012 beim Gold endeten die goldenen Jahre ziemlich abrupt. Seit dieser Zeit befinden sich die Edelmetalle in einer Korrektur, die trotz politischer und wirtschaftlicher Krisen einfach nicht enden will. Gleichzeitig stürmen die Aktien wie auch die Immobilien beständig neuen Preishochs entgegen.

Auf den ersten Blick hat es den Anschein, als sei der Sinn von Edelmetallkäufen über Nacht abhandengekommen. Die durch das viele Geld aus dem Nichts der westlichen Notenbanken erzeugte Inflation zeigt sich nicht in der Realwirtschaft und auch nicht beim Gold. Sie ist aber deutlich spürbar auf dem Immobilienmarkt und an den internationalen Aktienbörsen.

Man kann aus dieser Beobachtung schließen, dass es die befürchtete Inflation gar nicht gibt, weil sie sich an der Supermarktkasse und beim Gold noch nicht zeigt. Diese Interpretation ist den Zentralbanken gewiss die angenehmste, denn sie suggeriert, dass ihre Politik des leichten Geldes ohne nennenswerte negative Folgen bleibt, während Wirtschaft und Konjunktur fleißig gefördert werden.

Werte setzen Arbeit voraus

Doch ein Blick auf das Geschehen bei Aktien und Immobilien wird uns sehr schnell wieder desillusionieren. Hier zeigt sich sehr klar eine massive Inflation. Sie wird in der Öffentlichkeit nur nicht als solche bezeichnet. Am Aktienmarkt spricht man von einer Hausse und bei den Immobilen verharmlosend von Preissteigerungen. Doch in beiden Fällen ist allein das viele aus dem Nichts geschaffene Geld der Notenbanken der Preistreiber.

Nur beim Gold gibt es diesen Preistreiber seltsamerweise nicht. Dabei gilt für das Gold, was auch für die Aktien und Immobilien gilt: Man kann sie nicht über Nacht künstlich vermehren. Häuser müssen erst geplant und gebaut werden, Firmen erst gegründet und ihre Produkte erfolgreich am Markt platziert werden. Beides ist möglich, aber beides kostet Zeit und es ist in jedem Fall mit Arbeit verbunden.

Diese Arbeit muss erbracht werden. Eine geniale Geschäftsidee macht noch nicht reich. Es ist erst ihre erfolgreiche Umsetzung, die Geld in die Kassen spült. Im Gold ist diese Arbeit ebenfalls enthalten und sie wurde bereits vor langer Zeit erbracht, konkret in dem Moment, in dem das Gold als Erz gefördert, gereinigt und zu einem Barren gegossen oder zu einer Münze geprägt wurde. Gold und Silber verlieren diese Arbeit erst in dem Augenblick wieder, in dem sie zu feinem Staub zermahlen und wahllos über die Erde verstreut werden.

Auf diese Idee wird jedoch kaum jemand kommen, denn dazu sind die Edelmetalle immer noch viel zu wertvoll. Ob der starke Anstieg der Aktienkurse und der Immobilienpreise in den vergangenen Jahren gerechtfertigt war, darüber lässt sich trefflich streiten, denn gerade die Kurse der Aktien bewerten nicht die in der Vergangenheit erbrachten Leistungen, sondern die noch für die Zukunft gegebenen Aussichten.

Die Lücke zwischen dem Goldpreis und den Schulden wird größer

Für die Vergangenheit ist allein die Dividende zuständig. Der an der Börse ermittelte Kurs ist eine Wette darauf, dass auch in Zukunft derartige oder sogar noch bessere Leistungen von diesem Unternehmen erbracht werden können. Doch wie sicher und vor allem wie vernünftig ist es, eine solche Wette einzugehen, wenn inzwischen sogar die Dividenden, also die Vergütung für das erfolgreiche Agieren in der Vergangenheit von vielen Unternehmen mit neuen Schulden finanziert werden?

Neue Schulden lassen die Aktienkurse steigen und die Dividendeneinnahmen der Anleger sprudeln, nur den Preis des Goldes beeinflussen sie nicht mehr. An dieser Stelle baut sich eine Bewertungslücke auf, die eines Tages geschlossen werden muss. Wann dies geschieht, ist schwer zu sagen, denn die finanzielle Verblendung der Bevölkerung wird nun schon so lange betrieben, dass es für die meisten Zeitgenossen immer schwerer wird, den Betrug zu durchschauen.

Sie erleben diesen dauerhaften Betrug als Normalität und bemerken nicht, dass sich ihre finanzielle Lage beständig verschlechtert, obwohl sie offiziell, in Papiergeld ausgedrückt, immer reicher werden. Es ist ein trügerischer Reichtum, der leicht in Wut und blinde Aggression umschlagen kann, wenn der Trugschluss eines Tages offensichtlich wird.

Spätestens an diesem Punkt wird der Augenblick gekommen sein, in dem alle nur noch nach echten, bleibenden Werten streben. Weil Gold und Silber zu diesen echten Werten zählen, wird auch ihre Nachfrage sprunghaft steigen und die Preise werden schnell durch die Decke gehen.

Auf diesen Moment sollten Sie sich vorbereiten und Sie sollten, wenn Sie ebenfalls mit dem Gedanken, spielen, Teile Ihres Vermögens und Ihrer Ersparnisse in dauerhafte Werte zu tauschen, nicht erst dann mit dem Kauf von Gold und Silber beginnen, wenn es alle anderen auch tun. Viel vorteilhafter ist es, vor der breiten Masse aktiv zu werden und zu kaufen, wenn die anderen noch unschlüssig und uninteressiert an der Seitenlinie stehen.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

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About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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