Die Auswahl der passenden Depotbank will gut überlegt sein

Bei der Auszahlung von Dividenden lässt sich die eine oder andere Depotbank ihre Dienstleistungen sehr teuer von Ihnen bezahlen. Gerade, wenn Dividenden aus dem Ausland gutgeschrieben werden müssen, können diese Gebühren sehr leicht zu echten Renditekillern werden, denn anders als die meisten deutschen Unternehmen zahlen viele ausländische Gesellschaften ihre Dividenden nicht an einem einzigen Tag aus, sondern verteilt über mehrere Ausschüttungstermine im Jahr.

In der Regel wird die Dividende halbjährlich oder quartalsweise gezahlt. Einzelne Gesellschaften schütten aber auch monatlich ihre Dividenden aus. In diesen Fällen fallen die Kosten der Depotbank nicht nur einmal, sondern gleich zweimal, viermal oder zwölfmal an. Aus zwei Euro Gebühren, werden dann bis zu 24 Euro Gebühren und die können bezogen auf den Auszahlungsbetrag schnell einen großen Anteil der Dividendenrendite schlucken.

Natürlich könnte man als Anleger jetzt dazu übergehen, die Positionsgrößen größer zu machen. Durch diesen Schritt werden die Kosten relativ zum eingesetzten Kapital in der Tat kleiner. Auf der anderen Seite schränkt dieser Schritt unsere Möglichkeiten zur Diversifikation empfindlich ein.

Ein weiterer wichtiger Punkt, der in der Kostenfrage unbedingt zu beachten ist, ist die durchschnittliche Positionsgröße. Er ist gerade bei Depotbanken, die mit gestaffelten Provisionsmodellen arbeiten, unbedingt zu beachten. Man kann es dem Broker nicht verdenken, dass seine Marketingabteilung in der Werbung immer die Positionsgröße herausgreifen wird, für die das Kostenmodell der Bank besonders günstig erscheint.

Lassen Sie sich nicht von der Werbung blenden

Wenn dann auch noch in einer vergleichenden Werbung die Dienstleistung eines Konkurrenten als besonders teuer erscheint, kommt die Werbebotschaft besonders leicht und gut beim Kunden an. Die Frage ist allerdings immer, ob die beworbene Positionsgröße auch die ist, mit der Sie selbst in der Regel operieren.

Wenn Sie selbst üblicherweise mit einer Positionsgröße von 2.500 Euro agieren, haben Sie herzlich wenig davon, wenn Ihre Depotbank bei Ordergrößen von 5.000 Euro in einem Brokervergleich besonders gut abschneidet. Der umgekehrte Fall gilt natürlich genauso: Sie selbst haben nichts davon, wenn Ihr Broker bei 2.000 Euro besonders günstig ist, sie selbst aber nie weniger als 10.000 Euro in eine einzelne Position investieren und die Depotbank gerade hier vergleichsweise teuer ist.

Weil die Gebühren für den Kauf und den Verkauf von Wertpapieren einen der wichtigsten Kostenfaktoren darstellen, sollten Sie vor der Auswahl eines Brokers ein wenig Mathematik betreiben und sich ausrechnen, welche Kosten auf Sie zukommen werden, wenn Sie bei dem Broker mit den geplanten Positionsgrößen handeln werden. Das schützt vor unliebsamen Überraschungen und schärft das eigene Bewusstsein dafür, wie leicht diese Kosten als echte Renditekiller wirken können.

Von den Gebühren, die bei der Auszahlung von inländischen und ausländischen Dividenden möglicherweise auf Sie zukommen können, war schon die Rede. Diese sind natürlich nur für die Anleger von Interesse, die erstens Aktien handeln und diese zweitens auch so lange halten, dass sie am Ausschüttungstag der Dividende Aktionär des Unternehmens sind.

Finden Sie den zu Ihrem Anlagestil optimal passenden Broker

Wer nur Optionsscheine oder Zertifikate handelt, ist von diesen Kosten nicht betroffen. Das führt uns zum nächsten wichtigen Aspekt, der unbedingt stimmen sollte: Der Broker, mit dem Sie zusammenarbeiten, sollte zu Ihnen und Ihrem Anlagestil optimal passen.

Auch hier geht es nicht nur um die Kosten, die sogleich auf den ersten Blick sichtbar werden, denn für einen Anleger, der Aktien einmal kauft und sie danach unangetastet im Depot liegen lässt und einfach nur die Dividende kassiert, kann es sinnvoller sein, mit einem Broker zusammenzuarbeiten, der zwar beim Kauf- und Verkauf der Position ein wenig teurer ist, während der Haltedauer aber keine zusätzlichen Gebühren für die Auszahlung der Dividenden verlangt.

Es gibt Depotbanken, die ihre Angebote optimal auf die langfristig agierenden Investoren ausgerichtet haben. Andere Broker fokussieren sich mit ihren Kostenmodellen allein auf die besonders aktiven Trader, die ihre Depots häufig umschichten und Positionen manchmal nur für Minuten oder einige wenige Stunden halten.

Für Sie als Anleger bedeutet dies, dass Sie sich zunächst einmal die Frage stellen und beantworten sollten, ob Sie als Trader oder doch lieber als ein Investor agieren möchten. Als Trader werden Sie nach einem Broker suchen, der besonders niedrige An- und Verkaufsgebühren hat. Ein langfristiger Investor dürfte sich hingegen bei den Depotbanken wohler fühlen, die ihn während der Haltedauer nicht mit zusätzlichen Gebühren belasten.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

PS.: Bitte teilen Sie diesen Artikel mit Ihren Freunden, damit auch diese die Möglichkeit haben, sich mit der heute besprochenen Problematik intensiv auseinanderzusetzen.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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