Hin und her macht die Taschen leer

Wer sowohl tradet als auch langfristig investiert, benötigt unter Umständen zwei verschiedene Broker zur optimalen Abwicklung seiner Börsenaktivitäten. Das hat den Vorteil, dass man die Kostenvorteile der einzelnen Anbieter optimal für sich nutzen kann und dadurch bares Geld spart.

Hinzu kommt, dass Schieflagen in einem Depot nicht sogleich auf das andere Depot durchschlagen. Da im Zweifelsfall Geld von einer Depotbank zur anderen transferiert werden muss, gibt es eine zusätzliche Hemmschwelle, die dazu beitragen kann, dass man sich selbst und seinem ursprünglichen Plan treu bleibt und nicht den Fehler macht, Schieflagen, die im Tradingdepot entstanden sind, durch hektische Verkäufe von gut gelaufenen langfristigen Investments schnell zu kompensieren.

Studien zeigen, dass aus verschiedenen Gründen die langfristig geführten Depots meist wesentlich besser abschneiden als die Tradingdepots. Ein Grund für dieses bemerkenswerte Ergebnis sind die Kosten für den Kauf und Verkauf der Wertpapiere. Auch wenn diese niedrig sind: Es sind und bleiben Kosten, die Ihre Rendite schmälern. Diesen Kostennachteil müssen Sie durch eine bessere Performance erst einmal wieder ausgleichen. Das ist zwar nicht unmöglich, aber in jedem Fall eine Herausforderung für den Anleger.

Hinzu kommt, dass das Markttiming der Anleger in den meisten Fällen nicht gut genug ist. Viele Anleger schaffen es, in einer Korrektur rechtzeitig, das heißt auf einem vergleichsweise hohen Niveau, auszusteigen und ihre aufgelaufenen Gewinne zu sichern. Anschließend gelingt es aber nur wenigen Anlegern, den richtigen Zeitpunkt für den Wiedereinstieg zu finden.

Achten Sie auf eine Menüführung, mit der Sie leicht zurechtkommen

Auch auf den technischen und graphischen Aufbau des Internetauftritts Ihres Brokers sollten Sie großen Wert legen. Dabei geht es nicht darum, ob Sie diesen als schön und ästhetisch empfinden. Über Geschmack kann man bekanntlich lange streiten. Doch das bringt an dieser Stelle herzlich wenig.

Achten sollten Sie jedoch auf die Funktionalität der Seite und die Frage, wie gut oder schlecht Sie mit den einzelnen Funktionen zurechtkommen. Sind diese übersichtlich und leicht lesbar angeordnet? Oder verheddern Sie sich immer wieder in den Fallstricken der Menüführung?

Da wir alle ein wenig anders ticken, wird auch nicht jeder Anleger mit jedem Internetauftritt und jeder Ordermaske gleich gut zurechtkommen. Sie müssen aber allein schon aus Gründen des Selbstschutzes darauf Wert legen, dass die Handhabung des Kontos für Sie so einfach ist, dass Sie sie im Schlaf beherrschen.

Denken Sie dabei nicht nur an die normalen Käufe und Verkäufe, sondern vor allem an mögliche Extremsituationen wie politische Börsen und Crashs. Wenn eine Aktie beispielsweise nach einer Unternehmensmeldung dramatisch an Wert verliert und Sie das Wertpapier ganz schnell verkaufen wollen, dann zählt unter Umständen jede Sekunde, weil Sie einen schlechteren Ausführungskurs bekommen, je länger Sie bei der Aufgabe Ihrer Verkaufsorder mit der Ordermaske „kämpfen“.

Die Funktionalität ist wichtiger als der Preis

Stellen Sie deshalb sicher, dass Sie mit einem Broker zusammenarbeiten, dessen Ordermaske und Internetauftritt Sie nicht nur im Schlaf beherrschen, sondern auch in der größten Hektik und Panik immer noch souverän und sicher bedienen können.

Der mögliche Schaden, der dadurch entsteht, dass man eine Position in großer Hektik anstatt zu verkaufen noch ein zweites Mal kauft, weil man an der Unübersichtlichkeit der Maske scheitert und den Kauf- und den Verkaufsbutton miteinander verwechselt, ist in der Regel viel größer als das, was man an Ordergebühren sparen kann, wenn man sich allein für das billigste aber unübersichtlichste Angebot entscheidet.

Zahlen Sie deshalb lieber etwas höhere Ordergebühren bei einem Broker dessen Ordermasken Sie verstehen und souverän beherrschen. Sparen Sie Sie Gebühren und Orderprovisionen wo es nur geht. Aber sparen Sie nicht an der falschen Stelle, denn diese „Ersparnis“ könnte Sie am Ende, wenn es schlecht läuft, besonders teuer zu stehen kommen.

Kauf an der Heimatbörse oder zu höheren Kursen in Deutschland

Wer als Anleger nicht nur allgemein an Dividenden, sondern insbesondere an hohen Dividendenrenditen interessiert ist, der kommt um den Kauf ausländischer Wertpapiere nicht herum. Einige dieser Aktien werden in Deutschland gar nicht gehandelt. Man muss sie an ihren Heimatbörsen kaufen.

Ihr Broker sollte Ihnen dazu aber auch die entsprechende Möglichkeit bieten. Der Handel im Ausland sollte deshalb nicht nur in London, Paris, New York und Tokio möglich sein. Auch „exotischere“ Handelsplätze wie Moskau, Kiew, Bangkok, Jakarta, Singapur, Buenos Aires und Toronto sollten im Programm sein.

Natürlich ist es in der Regel etwas teurer Aktien an ihren Heimatbörsen im Ausland zu kaufen, weil neben den Gebühren Ihres eigenen Brokers auch fremde Entgelte zu entrichten sind. Aber unter dem Strich kann sich der Kauf der Wertpapiere im Ausland dennoch rechnen, weil der Handel dort liquider ist und/oder die Kurse besser sind.

Notieren ausländische Aktien auch an deutschen Börsen, wird die Liquidität meist von einem Marketmaker zur Verfügung gestellt. Dieser ist ebenfalls kein Wohlfahrtsinstitut und benötigt selbst in der Regel einen Spread von einem Prozent, um auf seine Kosten zu kommen. Aus diesem Grund sind die Kurse in Deutschland oftmals deutlich unattraktiver als die an den Heimatbörsen gestellten Kurse.

Kleinvieh macht auch Mist

Kostet Sie hingegen eine Order im Ausland an der liquiden Heimatbörse nur 0,5 Prozent mehr als eine inländische Order, ist der Kauf im Ausland trotz der vermeintlich höheren Kosten dort immer noch preiswerter als ein Kauf in Deutschland, wenn in Frankfurt, Stuttgart oder bei Tradegate Kurse gestellt werden, die um ein Prozent oder mehr vom Heimatmarkt abweichen.

Wie wichtig oder unwichtig dieser Aspekt für Sie ist, hängt wiederum von Ihrer persönlichen Anlagestrategie ab. Aus diesem Grund sind Sie gut beraten, wenn Sie alle zuvor genannten Kriterien in Ruhe bedenken und in die Auswahl des für Sie optimal passenden Brokers mit einfließen lassen.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

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About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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