Gold und Silber: Die langfristige Attraktivität ist weiterhin gegeben

Es wird schon seit einiger Zeit vorsichtig darüber diskutiert, ob die große Hausse bei den Aktien und Vermögenspreisen, die wir seit der Finanzkrise erleben, in ihren letzten Zügen liegt und langsam an ihr Ende kommen wird. Die Zinsen in den USA und China steigen, wenn auch nur sehr behutsam, und vorsichtig beginnen die Notenbanker damit, ihre aufgeblähten Bilanzen zu normalisieren.

All das erweckt den Anschein von Normalität und es wird viel Wert darauf gelegt, dass wir an diese Normalität auch wirklich glauben. Der Grund dafür ist recht einfach. Unser Geld basiert auf Vertrauen. Das gilt für das alte Geld aus Gold und Silber ebenso wie für unser modernes Papiergeld oder die Kryptowährungen der Zukunft.      

Egal, welches Geld ihm angeboten wird, der Verkäufer wird seine Ware nur dann gegen dieses Geld tauschen, wenn er davon ausgehen kann, für dieses Geld selbst wieder Waren einkaufen zu können. Fehlt dieses absolut grundsätzliche Vertrauen, unterbleiben sofort viele Transaktionen und Geschäfte.

An dieser Stelle wird das Dilemma der Notenbanken deutlich. Wenn sich herausstellt, dass die Normalität, an die wir glauben sollen, gar keine ist oder die Normalität zwar faktisch gegeben ist, aber aus irgendwelchen Gründen von der Bevölkerung nicht als eine solche geglaubt wird, kommt das Geldsystem sofort unter massiven Stress.

Primärziel: Stressvermeidung

Stress im Finanzsystem, das zeigt bereits ein flüchtiger Blick auf die Jahre 2007/2008, ist Gift für die Weltwirtschaft. Niemand will dieses Gift verabreichen, niemand dafür verantwortlich sein, dass es sich auch ohne unser aktives Zutun wieder verbreitet. Aus diesem Grund wird frühzeitig gegengesteuert, in erster Linie mit psychologischen Mitteln, denn diese kosten nicht viel Geld, wirken aber, wenn sie richtig eingesetzt werden, wahre Wunder.

Aktuell wird ein neuer Narrativ vorbereitet. Aus dem bisherigen Mantra ‚die Krise ist noch wirksam, wird aber von den Notenbanken mit niedrigen Zinsen erfolgreich bekämpft‘ soll der neue Glaubenssatz ‚die Krise ist überwunden und die Welt geht langsam wieder zum Normalzustand über‘ werden.

Auf den ersten Blick hat es wirklich den Anschein, als würden wir geldpolitisch zur Normalität zurückkehren. Auf den zweiten Blick ist das Bild jedoch ein ganz anderes. Die Zinsen steigen zwar, aber sie steigen sehr langsam und von normalen Zinsniveaus trennen uns immer noch Welten. Auch die aufgeblähten Bilanzen der Notenbanken sollen zurückgeführt werden. Dies ist aber ebenfalls in einem sehr überschaubaren Tempo geplant.

Die vorsichtige Vorgehensweise offenbart vor allem eines: Viel darf sich im System nicht ändern, ansonsten sind größere Verwerfungen vorprogrammiert. Steigende Zinsen sind für jeden Schuldner Gift und für die meisten der heutigen Kreditnehmer auch nicht lange durchzuhalten. Insofern ist das Steigerungspotential begrenzt. Wird es überreizt, drohen Zahlungsausfälle und damit eine deflationäre Spirale wie am Beginn der Finanzkrise.

Käufer verzweifelt gesucht

Für die Notenbankbilanzen gilt das Gleiche. Man will sie abschmelzen, indem man Anleihen, die auslaufen, nicht mehr durch neue ersetzt. Da jeder Staat seine Schulden im Augenblick nur dadurch bedient, dass er alte Anleihen mit den Einnahmen aus neu begebenen Anleihen bezahlt, müssen diese Anleihen in Zukunft wieder allein von den Anlegern gekauft werden, sollen sich die Notenbanken erfolgreich aus dem Ankauf von Staatstiteln zurückziehen können.

Nicht viel anders ist die Lage bei den Aktien und Immobilien. Auch hier erhält man als Verkäufer immer nur den Wert, den der Käufer zu bezahlen bereit ist. Eine schnelle Normalisierung der Bilanzen setzt am Markt ein hohes Kaufinteresse voraus. Ist dieses nicht oder nicht mehr vorhanden, bricht der Sektor ein und die Vermögenspreise sinken.

Das eigentliche Problem der Notenbanken ist, dass es heute nicht mehr nur um einen einzigen Sektor geht, dessen Preise eventuell stark fallen könnten. Da bis auf die Edelmetalle alle Vermögenspreise durch die Geldflut der letzten Jahre stark angezogen haben, droht bei einem zu starken Anstieg des Zinsniveaus bzw. bei einer zu schnellen Zurückführung der Notenbankenbilanzen nicht nur das Platzen einer Blase, sondern ein simultaner Crash bei allen künstlich aufgewerteten Vermögenspreisen.

An dieser Stelle kommen die Edelmetalle ins Spiel. Nicht, weil sie dann extrem stark nachgefragt und damit im Preis stark ansteigen würden, sondern weil ihr maximales Verlustpotential vergleichsweise gering ist. Auch die Edelmetalle Gold und Silber werden Federn lassen und im Preis nachgeben müssen, wenn es wie im Herbst 2008 wieder zu einer globalen Krise an den Finanzmärkten kommt.

Hohe Fallhöhe contra geringe Fallhöhe

Allerdings ist der Abstand zu den Produktionskosten nicht allzu groß. Er könnte in diesem Fall zu einem Puffer werden und den Preisen langfristig Halt geben. Kurzfristig sind analog zur jüngsten Entwicklung beim Platin auch Gold- und Silberpreise unter den Produktionskosten möglich. Von langer Dauer werden diese Preise vermutlich nicht sein.

Die Edelmetalle Gold und Silber versprechen an dieser Stelle keinen absoluten Schutz vor Preisrückgängen und Verlusten. Aber im Vergleich zu all den anderen überteuerten Anlageformen haben sie unzweifelhaft den Vorteil, dass sie nicht nur das älteste Geld der Menschheit sind, sondern zudem auch noch eine ausgesprochen niedrige Fallhöhe aufweisen.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

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About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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