Die Vorteile einer etwas defensiveren Aufstellung liegen auf der Hand

Als die Finanzkrise 2008 da war, griffen die Notenbanken beherzt ein. Sie brachten die Zinsen in schnellen Schritten auf historische Tiefs und öffneten die Geldschleusen. Damals war in der Bevölkerung die allgemeine Zustimmung groß. Jeder spürte, dass etwas getan werden müsse und nur die Wenigsten wussten was.

Heute hat sich die Lage geändert. Präsent ist die Krise nur noch unterschwellig. In den Medien ist sie so gut wie gar nicht präsent, und weil in den Köpfen die Lage als normal und gut empfunden wird, nimmt der Ruf nach fortgesetzten Stimulierungen konstant ab, während der Unmut der Sparer über die niedrigen Zinsen beständig steigt.       

Die Summen, um die es geht, kann sich ohnehin kaum noch jemand angemessen vorstellen. Allein die weltweit wichtigsten Notenbanken, also die Federal Reserve Bank in den USA, die Europäische Zentralbank, die Peoples Bank of China, die Bank of Japan und auch die kleineren Notenbanken der Schweiz (SNB) und Großbritanniens (Bank of England) haben die gigantische Summe von 21 Billionen Dollar in das Finanzsystem gepumpt.

Vernachlässigt man einmal das viele Geld aus dem Nichts, das von den kleineren Notenbanken, etwa denen der Schwellenländer, zusätzlich ins System gepumpt wurde, und geht man von einer Weltbevölkerung von sieben Milliarden Menschen aus, so wurde durch die Geldschwemme pro Kopf eine Summe von 3.000 Dollar geschaffen, der nicht die geringste wirtschaftliche Leistung gegenübersteht.

Eine Reaktion auf die veränderte Stimmung?

Es ist aber nicht jeder um 3.000 Dollar „reicher“ geworden, es hat auch nicht jeder 3.000 Dollar oder einen Teil dieser Summe bekommen, um damit seine privaten Wünsche und Bedürfnisse zu befriedigen, sondern das neu geschaffene Geld ist zu einem sehr großen Teil bei denen gelandet, die auch schon vor 2008 sehr viel Geld besessen haben.

Nun wird die Kehrseite der Medaille zunehmend deutlich: Die Schere zwischen Arm und Reich wird größer, und während die Reichen immer reicher werden, stagnieren die Löhne und Gehälter der unteren Einkommensschichten. Gerade ihre Kaufkraft wird aber gebraucht, will man über einen „Reichtums-Effekt“ eine zusätzliche Nachfrage zur Belebung der Konjunktur schaffen.

Auf ihrer Jagd nach Rendite waren die Investoren zu keiner Zeit besonders zimperlich, aber in den letzten Jahren haben viele Anleger Entscheidungen getroffen, die sie unter normalen Umständen niemals getroffen hätten. Sie sind Risiken eingegangen, die definitiv nicht ihre Kragenweite sind und Staaten, Unternehmen und Privatanleger haben sich in einem Ausmaß verschuldet, das seinesgleichen sucht.

Nun sind die Schuldner zu Geiseln ihrer Verschuldung geworden. Die Verschuldung selbst ist wiederum eine Geisel der Zinsen. Das System ist ausgesprochen labil und nur eine kleine Unachtsamkeit kann das Kartenhaus jederzeit zum Einsturz bringen. Derweil steht im Hintergrund ein „Reichtum“, dessen Fassade schön anzusehen, aber dessen inneres Mauerwerk von gewissen Instabilitäten gekennzeichnet ist.

Die Verbindung zur realen Wirtschaft wurde gelöst

Wenn Aktienkurse früher fielen, litten die betroffenen Aktionäre. Heute leiden die Staaten, denn die Schweizer Notenbank ist Großaktionär von Apple und Amazon und die japanische Notenbank besitzt den Großteil aller japanischen ETFs. Können die Kurse der Aktien vor diesem Hintergrund noch frei schwanken oder müssen sie mit Blick auf die Staatsraison mit allen Mitteln künstlich oben gehalten werden?

Auf den Straßen wachsen Zorn und Gewalt nicht nur in zerstörten Gesellschaften wie der von Venezuela und in den Parlamenten wächst die Zahl der Abgeordneten, denen Protestwähler zu ihrem Mandat verholfen haben. Es ist eigentlich nur noch eine Frage der Zeit, bis sich Wut und Gewalt auch gegen die Notenbanken richten. Donald Trump hat Janet Yellen 2016 im Wahlkampf scharf angegriffen. Ins Amt gewählt, hat er nicht gezögert ihr eine zweite Amtszeit zu verwehren.

Janet Yellen war die erste prominente Notenbankchefin, die öffentlichkeitswirksam „zum Abschuss freigegeben“ wurde. Sie dürfte nicht die Letzte bleiben und zukünftig könnten die Notenbanker allgemein noch öfter als Prügelknaben der Politik zur Ablenkung von eigenen strukturellen Versäumnissen herhalten müssen.

Aus Sicht eines Notenbankers macht es vor diesem Hintergrund – auch mit Blick auf das persönliche Schicksal und die eigene Reputation Sinn, die geldpolitischen Zügel auch unabhängig von der Inflation weiter anzuziehen. Das bedeutet die Zinsen anzuheben und die Notenbankbilanz zu verkleinern, was faktisch auf eine zusätzliche Anhebung des Zinsniveaus hinauslaufen wird.

Keine beruhigenden Aussichten, wenn man Aktien im Depot hat, die als ambitioniert gepreist anzusehen sind. Von daher ist der eine oder andere Investor sicher gut beraten, wenn er wie ein guter Trainer von seinen Wechseloptionen Gebrauch macht, seine Defensive durch den Aufbau von Cash und Gold stärkt und erst dann wieder zur Offensive bläst, wenn sich der heraufziehende Sturm wieder gelegt hat.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

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About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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