Das neue Dogma: Vertraue auf die Notenbanken, nicht auf das Gold!

Steigende Preise für Gold und Silber im Vorfeld einer Krise oder nach deren Ausbruch waren in der Vergangenheit ein klarer Vertrauensbeweis. Die Anleger kauften die Edelmetalle, weil sie aus Erfahrung wussten, dass diese auch in Krisenzeiten einen hohen Schutz boten.

Seit 2011/2012 wird diese Schutzfunktion zunehmend von den Edelmetallen auf die Notenbanken übertragen. Von ihnen erwarten die Anleger die Rettung der Welt, naja zumindest die Rettung ihrer eigenen finanziellen Welt. Will heißen, kommt es irgendwo auf der Welt zu einer Krise, stehen die Zentralbanken angeblich bereit, mit ihrem Geld die Liquidität der Märkte hochzuhalten.      

Die Liquidität der Märkte ist an dieser Stelle gleichbedeutend mit den Preisen der gehandelten Güter, denn diese pflegten in der Vergangenheit in Krisenzeiten gerade deshalb rasant zu sinken, weil plötzlich die Käufer auszusterben drohten. Und wenn keiner ein Gut mehr kaufen will, rauscht sein Preis zwangsläufig in den Keller.

Vor dieser realistischen Gefahr fürchten sich die Anleger heute nicht mehr, denn sie gehen davon aus, auch im Fall einer Krise ihre Aktien und Anleihen notfalls direkt an die Notenbank verkaufen und damit zu Geld machen zu können. Weil diese Gewissheit heute zu einem allgemeinen Glaubenssatz geworden ist, sorgt sich an den Märkten niemand mehr um den zukünftigen Wert seiner Anlagen.

Risikovorsorge ist etwas für ewig Gestrige

Es wird so getan, als sei dieser Wert immer gegeben, weil im Notfall die Zentralbank bereitsteht und am Markt selbst unverkäufliche Assets aufkaufen wird. Bei so viel Uneigennutz und Solidarität der Notenbanken kommen einem schon fast die Tränen, so rührend ist die Vorstellung.

Sie ist aber nicht nur rührend und herzzerreißend, sondern auch im höchsten Maße naiv, denn selbst wenn sie es wollten, könnten die Notenbanken gar nicht all das viele Geld aus dem Nichts erzeugen, das notwendig wäre, um sämtliche Schuldner der Welt aus ihrer finanziellen Zwangsjacke freizukaufen.

Die Notenbanken können gewiss viel tun und sie haben es auch in der Vergangenheit bereits getan und dabei gezeigt, wie viel sie tun können. Aber allmächtig sind auch sie nicht. Auch ihre Mittel sind begrenzt. Sie enden an der Stelle, wo die Zeichen enden, die offizielle Stellen in einer Krise senden können.

Werden sie trotzdem überhört oder ignoriert, nimmt die Katastrophe ihren Lauf, ohne dass die Notenbanken den Lauf der Entwicklung noch aufhalten können. Mehr als ein Zeichen setzen können die Notenbanken nicht. Bislang war es ein mächtiges Zeichen, dass sollte man ohne Frage anerkennen.

Die nächste Krise wird eine Überraschung sein

Aber jede Symbolpolitik hat ihrer natürlichen Grenzen. Werde diese überschritten, werden die einst mächtigen Waffen stumpf. Keiner weiß im Vorfeld, ob dies geschehen wird und wann. Der Markt ist auf diesem Moment derzeit alles andere als vorbereitet. Wäre es anders, lägen die Preise für Gold und Silber und natürlich auch die Volatilität des Marktes deutlich höher.

Der Sommerregen, der uns unvorbereitet trifft, ist eine größere Überraschung als der, auf den wir mit einem Schirm in der Hand vorbereitet sind. An den Kapitalmärkten ist es nicht anders. Die nächste Krise, auch die nächste größere Finanzkrise, wird gewiss kommen. Keiner weiß, wann sie kommt. Doch sie wird kommen.

Daher es wäre nicht schlecht, wenn Sie als Anleger dann einen Schirm in der Hand hätten, am besten einen aus Gold und Silber, weil man mit diesen Finanzschirmen in der Vergangenheit schon so manches Unwetter gut überstanden hat.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

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About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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