Arbeiten die Rentner in Zukunft bis zum Tod?

„Die Rente ist sicher.“ Kein anderer Ausspruch verbindet sich mehr mit dem früheren Arbeits- und Sozialminister, Norbert Blüm, als dieser eine Satz. Gebetsmühlenartig wiederholt fand er seinen Weg in die Köpfe der Menschen, prägte sich ein und wirkt deshalb noch heute nach.

Gelogen hat Norbert Blüm nicht, die ganze Wahrheit ausgesprochen aber auch nicht. Dass es eine wie auch immer geartete Rente geben wird, das kann auch in Zukunft als gesichert angenommen werden. Höchst unsicher ist jedoch ihre Höhe und heute noch viel schwerer einzuschätzen, ist die Frage, was man sich für dieses Geld noch wird kaufen können.      

Vermutlich nicht viel oder zumindest nicht genug, um Monat für Monat über die Runden zu kommen. Zwar geht noch immer ein großer Teil der Deutschen davon aus, dass auch zukünftig die gesetzliche Rente die Basis für die eigene Versorgung im Alter bildet. Doch die Skepsis, ob diese Rente im Alter ausreichen wird, wächst.

Die Unsicherheit ist groß

Schon im Jahr 2015 deutete eine Umfrage des Instituts für Altersvorsorge darauf hin, dass mehr als jeder Vierte damit rechnet, sich im Ruhestand etwas dazu verdienen zu müssen. Rund 27 Prozent der Befragten gehen davon aus, auch noch nach ihrem Rentenbeginn weiter arbeiten zu müssen.

Nur etwas mehr als die Hälfte der Deutschen (54 Prozent) ging damals noch davon aus, auch im Alter für die notwendigen Ausgaben über ausreichende Mittel aus der gesetzlichen Rentenversicherung zu verfügen. Entsprechend schwach ausgeprägt war seinerzeit die Bereitschaft, zusätzlich eine eigene Vorsorge aufzubauen. Viel besser geworden sind die Zahlen seitdem nicht.

Dabei gehen nur neun Prozent der zukünftigen Rentner, also nicht einmal jeder zehnte, davon aus, dass die gesetzliche Rente reichen wird. Beide Angaben widersprechen einander ein gutes Stück weit und dokumentieren damit die aktuell herrschende Unsicherheit in dieser Frage. Dazu passt, dass weitere neun Prozent überhaupt keine angemessene Vorstellung von ihrer finanziellen Situation im Ruhestand haben.

Immobilien als wichtigste Stütze der privaten Vorsorge

Mehr als ein Drittel der Deutschen geht davon aus, mit einer Mischung aus gesetzlicher Rente und eigenen Ersparnissen im Alter finanziell zurechtzukommen. Bei den vorhandenen Vermögenswerten stehen die Immobilien dabei an erster Stelle. Sie bilden das Rückgrat der eigenen Vorsorge.

Diese Annahme könnte sich gerade in ländlichen Gebieten als zu optimistisch herausstellen, denn der demographische Wandel wird auch an Häusern und Immobilien nicht spurlos vorübergehen. Schon heute verzeichnen viele ländlich geprägte Regionen mit schwacher Infrastruktur und einem begrenzten Angebot an Arbeit und Freizeitaktivitäten einen dramatischen Bevölkerungsschwund.

Gefragt sind in erster Linie die großen Ballungszentren. Hier ist das Leben auf der anderen Seite aber auch meist deutlich teurer. Der höhere Wert einer Immobilie wird durch die höheren Lebenshaltungskosten damit zum Teil wieder ausgeglichen.

Risikofaktor Scheidung

Eine große Bedeutung spielen auch die Einkünfte des Partners. Nahezu jeder Dritte kalkuliert mit ihnen, während jeder Vierte glaubt, sich auch im Alter durch eigene Arbeit – und sei es eine selbstständige Tätigkeit – etwas hinzuverdienen zu müssen.

Das Vertrauen auf die Einkünfte des Partners ist verständlich, beinhaltet jedoch eine große Gefahr, denn die Zahl der Ehen und Partnerschaften, die am Ende scheitern, wächst beständig. Geschiedene sind deshalb besonders schlecht dran.

Auch die Verwitweten sehen sich mit ernsthaften Problemen konfrontiert. In beiden Gruppen gehen rund 35 Prozent der Befragten davon aus, dass sie im Rentenalter arbeiten werden, um die eigene Kasse aufzubessern.

Relativ gering ist der Anteil der zukünftigen Rentner, die zur Abfederung eigener Schieflagen auf eine Erbschaft oder die Unterstützung ihrer Kinder setzen. Nur sieben Prozent der Deutschen hoffen, dass ihnen eine Erbschaft hilft, sich im Alter ihren Lebensunterhalt ausreichend zu finanzieren, und nur drei Prozent möchten die Hilfe ihrer Kinder in Anspruch nehmen.

Wird Mario Draghi zum Totengräber zukünftiger Rentner?

An dieser Stelle schließt sich ein Kreis, der für viele leicht zu einem Teufelskreis werden kann. Mit ihrer Politik des leichten Geldes begünstigen die Notenbanken seit nunmehr über zehn Jahren den aktuellen Konsum und die Schuldner von heute.

Benachteiligt werden die Sparer. Zinsen für ihre Guthaben erhalten sie nicht mehr. Gleichzeitig soll aber Inflation erzeugt werden, um den Druck von den Schuldnern zu nehmen.

Die Zeche für diese reichlich kurzsichtige Politik werden jene zahlen, die heute sparen und im Alter trotzdem nicht genug haben werden, weil die Sozialsysteme durch Geburtenrückgang und Einwanderung von zu vielen zu gering qualifizierten Menschen überdehnt und das Geld durch Inflation und Kaufkraftverlust entwertet worden ist.

Keine wirklich beruhigenden Aussichten, wenn Sie mich fragen.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

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About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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