Der Mensch wird langsam überflüssig

Bernd Heim
By Bernd Heim / 13. August 2018

Über Jahrhunderte waren uns Menschen technische Entwicklungen sehr willkommen, denn sie erleichterten das Leben. In der Regel bestand diese Erleichterung darin, dass uns Maschinen und Technik Arbeit abnahmen und dieser Effekt war bislang immer gewünscht. In einzelnen Branchen fielen mitunter sehr viele Arbeitsplätze weg und es kam auch immer wieder zu sozialen Unruhen, doch unter dem Strich wurde die Entwicklung zumeist positiv gesehen.

Heute arbeiten in der Landwirtschaft nur noch vergleichsweise wenige Menschen. Das war vor hundert oder zweihundert Jahren noch vollkommen anders. Damals war die Landwirtschaft landesweit der größte Arbeitgeber. Zu dieser Zeit wurden an häuslichen Webstühlen in Heimarbeit auch noch Textilien gefertigt. Mit der industriellen Revolution war es um diese Form des Gelderwerbs jedoch schnell geschehen.      

Im Einzelfall kam es gewiss zu großen Härten, doch es gelang, für die entfallenen Arbeitsplätze an anderer Stelle neue zu schaffen. Solange dies auf gesellschaftlicher Ebene gelingt, ist der technische Fortschritt eine Bereicherung und kein Problem.

Schwierig wird es, wenn aus Maschinen und Computern, die helfen, solche werden, die uns vollkommen verdrängen. An einem solchen Punkt stehen wir möglicherweise. Er wird nicht nur unsere Arbeitswelt verändern, sondern auf alle Bereiche unseres Lebens ausstrahlen.

Die neue Technik ist mehr als nur selbstfahrende Autos

Erste Anzeichen sind bereits zu erkennen. Viel diskutiert wird in diesen Tagen über die selbstfahrenden Autos und Lastwagen. Es gibt sie bereits auf unseren Straßen, doch zumeist wird nur getestet. Die Tests sind schon weit fortgeschritten und es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis der Mensch hinter dem Lenkrad ein Auslaufmodell in unserem Straßenverkehr wird.

Ein paar Jahre wird die Entwicklung wohl noch in Anspruch nehmen, aber aufhalten lässt sie sich nicht mehr. Ab einem gewissen Zeitpunkt wird auch die Dynamik zunehmen. Ähnlich war es bei der Computertechnologie. In den 1970er Jahren waren Computer noch teuer und sperrig. Ende der 1980er Jahre wurden die ersten Desktops klein und auch für den Privatmann bezahlbar. Danach ging alles recht schnell.

Die Fahrzeugtechnik könnte heute an jenem Punkt sein, an dem die Computer in den 1970er Jahren standen: kurz vor der Marktreife und kurz vor der allgemeinen Einführung. Wobei zu bedenken ist, dass ein Zeitraum von zehn Jahren in diesem Zusammenhang ein eher kleiner und überschaubarer Zeitraum ist.

So schnell wie das Internet und die Smartphones unser Leben verändert haben, so werden es auch die neuen Technologien tun. Vorteile bieten sie genug, vor allem für jene, die sie einsetzen wollen. Fernfahrer benötigen Ruhepausen und haben einen gesetzlichen Anspruch auf Urlaub. Außerdem kosten sie Geld. Dieses kann man sich leicht sparen, wenn ein autonom fahrendes Fahrzeug in Zukunft ähnlich viel kostet wie eines mit konventioneller Lenkung.

Der Kostendruck killt die Arbeitsplätze

Kosten, die gespart werden können, werden über kurz oder lang auch gespart. Aus diesem Grund ist zu erwarten, dass die Entwicklung ab einem gewissen Punkt sehr schnell verlaufen und viele Bereiche erfassen wird. 121.000 Busfahrer, über 600.000 Fernfahrer und noch einmal 120.000 Taxifahrer haben also allen Grund langfristig um ihre Arbeitsplätze zu fürchten.

Nicht vergessen sollte man auch die Lokführer der Bahn, die zudem in den letzten Jahren durch ihre häufigen Streiks sehr gewichtige Argumente für den beschleunigten Einsatz selbstfahrender Schienenfahrzeuge beigesteuert haben. Sie sind aber nicht die Einzigen, deren Arbeitsplätze hochgradig gefährdet sind.

Buchhalter, die Mitarbeiter von Callcentern und einfache Büroangestellte sind ebenfalls betroffen. Auch hier gibt es inzwischen Software, die schon so weit ist, dass sie einen Teil der anfallenden Arbeiten übernehmen kann.

Nimmt man all diese Bereiche zusammen, ergibt sich ein Heer von zusätzlichen Arbeitslosen. Sie sind nicht nur eine Belastung für die Arbeitslosenstatistik, die um vier bis fünf Prozent steigen würden, kämen all diese Entwicklungen über Nacht.

Nicht nur Arbeitsplätze sind in Gefahr

Nicht unerheblich ist auch der gesellschaftliche Aspekt dieser gigantischen Freistellung von Arbeitskräften. Welchen Sinn geben diese Menschen ihrem Leben, wenn es für sie nichts mehr zu tun gibt und sie sich als nicht mehr benötigt und überflüssig empfinden? Führt dies zu mehr Drogen, Alkohol und Fernsehkonsum oder steht am Ende gar ein Frust, der sich in sinnloser Gewalt entlädt?

Erschreckend sind nicht nur die Aussichten und Konsequenzen, die sich aus einer solchen Entwicklung langfristig ergeben. Mindestens ebenso erschreckend ist, dass Politik und Gesellschaft noch keine Antworten auf diese Herausforderungen haben. Mehr noch: Man hat sich größtenteils noch nicht einmal diesen Fragen gestellt.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

PS.: Bitte teilen Sie diesen Artikel mit Ihren Freunden, damit auch diese die Möglichkeit haben, sich mit der heute besprochenen Problematik intensiv auseinanderzusetzen.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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