Die Schere zwischen Arm und Reich ist viel zu groß

Bernd Heim
By Bernd Heim / 16. August 2018

„Der Teufel scheißt immer auf den gleichen Haufen“, weiß der Volksmund. „Wer hat, dem wird gegeben werden und wer nicht hat, dem wird man auch noch das nehmen, was er hat“, warnt die Bibel im Neuen Testament. Die reale Umsetzung dieses „Programms“ erleben wir auch dieser Tage. Es ist die offiziell nicht gewollte und doch von den Verantwortlichen nicht verhinderte Umverteilung der Reichtümer dieser Welt von unten nach oben.

Maßgeblich verantwortlich für diese Entwicklung sind die Notenbanken. Ihre erklärten Ziele sind die Erzeugung eines starken Wirtschaftswachstums, einer bestimmten Inflationsrate und allgemein steigender Einkommen. Um diese Ziele zu erreichen, nahm man seit 2008 weltweit zwölf Billionen US-Dollar in die Hand und erhöhte die eigenen Bilanzen entsprechend. Der Erfolg ist eher mäßig. Ungeachtet des hohen Aufwands wächst die Wirtschaft nur langsam und die Hinweise darauf, dass sich dieses ohnehin geringe Wachstum weiter verlangsamt, mehren sich.      

Ungeachtet ihrer verhältnismäßig bescheidenden Ergebnisse wird die Arbeit der Federal Reserve Bank, der EZB, der Bank of Japan, oder der Bank of England von den meisten Zeitgenossen immer noch sehr positiv bewertet. Allerdings wächst gleichzeitig der Unmut. Er manifestiert sich bereits in vielen Bereichen, richtet sich im Moment aber immer noch primär gegen die Politik und noch nicht gegen die verantwortlichen Notenbanker. Doch der Grundstein zu einem massiven Vertrauensverlust ist längst gelegt.

Er wird in dem Augenblick an Dynamik gewinnen, in dem der Allgemeinheit klar wird, dass das viele Geld der Notenbanken bestehende Einkommens- und Vermögensgefälle nicht egalisiert, sondern sogar noch verstärkt, indem es permanent das Kursniveau der verschiedenen finanziellen Assets anhebt. Diese Entwicklung kommt nicht der breiten Masse, sondern in erster Linie jenen zugute, die bereits vorab einen großen Teil dieser Vermögensgegenstände besessen haben, also dem obersten 1-Prozent der der Gesellschaft.

Die Reichen werden immer reicher

Wenn die Preise von Aktien, Anleihen, Immobilien und Gold, um nur einmal die vier wichtigsten Märkte zu nennen, auch ohne fundamentale Hintergründe einfach nur deshalb steigen, weil immer mehr Geld in Umlauf kommt, dann nützen die hohen Preise primär jenen, die schon am Beginn der Geldschwemme besonders viel besitzen.

Der Rest sieht diesen Zug abfahren, ohne selbst mit von der Partie zu sein. Die Notenbanken rechtfertigen ihre Politik damit, dass sie erklären, den übrigen 99-Prozent ginge es ohne ihre Eingriffe nur noch schlechter. Das mag so sein. Überprüfen lässt sich das Argument aber nicht, da wir die gegenteilige Entwicklung, also neun Jahre ohne exzessive Geldschwemme, nicht erleben durften.

Doch der Zusammenhang ist vergleichsweise einfach: Wenn man eine Gesellschaft so ausrichtet, dass die Faktoren Geld und leichter Zugang zum Geld die entscheidenden sind, dann jene am besten aufgestellt, die bereits über Geld verfügen bzw. in unserem Finanzsystem in der Informationskette besonders weit vorne platziert sind. Etwas anders zu erwarten, wäre naiv.

Dabei gilt, dass je stärker die Dominanz des Faktors Finanzen in einer Gesellschaft ist, auch die Konzentration der Vermögen in den Händen der bereits Besitzenden sein wird. Schon in der Antike wusste man, dass das Ungleichgewicht zwischen Reich und Arm die älteste und verhängnisvollste Krankheit aller Staaten ist. Aus ihr ergaben sich nicht nur soziale Konflikte bis hin zum Bürgerkrieg. Auch gegenüber anderen Gesellschaften gerieten jene Staaten zunehmend ins Hintertreffen, weil der Fortschritt und die Motivation, sich für das Gemeinwesen einzusetzen, langsam abhandenkamen.

Rückzugsgefechte und Glaubwürdigkeitsprobleme

Die Kritik an den Notenbanken wird zunehmend lauter und schärfer. Man merkt dies auch daran, dass sich die Zentralbanken selbst immer öfter genötigt sehen, sich für ihre eigene Politik zu rechtfertigen. Damit hat unweigerlich der zweite Akt des Dramas begonnen.

Die erste Phase war davon gekennzeichnet, dass man das Problem, das man leicht hätte sehen können, bewusst ignoriert und geleugnet hat. In der nun folgenden zweiten Phase wird sich dieses Versäumnis rächen. Zunächst langsam, dann immer schneller wird das Vertrauen in die Weitsicht und die Politik der Notenbanken sinken.

Es wird sich in einer zunehmenden Ablehnung des Notenbankgeldes und in einer Flucht vor den hohen Kunstpreisen manifestieren. Erfasst diese Flucht weite Teile der Bevölkerung, werden Anleihen, Immobilien und Aktien verkauft, solange man noch vergleichsweise viel Geld dafür einlösen kann. Die Konsequenz sind fallende Preise.

Auf der Hand liegt, dass die Notenbanken alles in ihrer Macht stehende tun werden, um diesen Moment so lange wie möglich hinauszuzögern. Ihn ganz verhindern werden sie wohl nicht können. Aber bis zum bitteren Ende werden wir wohl damit leben müssen, dass Fluchtwege verschlossen und Alternativen zum Papiergeld, wie Gold und Silber oder die modernen Kryptowährungen, in regelmäßigen Abständen preislich oder verbal massiv diskreditiert werden.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

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About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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