Der Garantiezins: Eine Garantie, die garantiert keine mehr ist

Bernd Heim
By Bernd Heim / 14. September 2018

Wenn die Deutschen an die Worte ’sparen‘ und ‚Kapitalanlagen‘ denken, fallen ihnen meist nur zwei „Königswege“ ein: die kapitalbildende Lebensversicherung und das klassische Sparbuch.

Progressive Anleger entdeckten auch das Tagesgeld für sich und wer etwas mehr Geld zum Anlegen hat, dem kommen vielleicht auch noch die Immobilien in den Sinn. Bei der demographischen Schwindsucht unserer Bevölkerung sicher eine hervorragende Anlage, deren Unsicherheiten im Zweifelsfall die in diesen Tagen zu Tausenden zu uns kommenden armen Flüchtlinge aus Afrika schon irgendwie richten werden.      

Auch das Gold erfreute sich in den Jahren unmittelbar nach der Finanzkrise einer kurzfristigen Beliebtheit. Viel geblieben ist von ihr nicht, wenn man einmal davon absieht, dass die gekauften Goldmünzen und Silberbarren wenigstens nicht gleich wieder auf dem Tief verkauft wurden.

So bleibt der deutsche Durchschnittsanleger mangels Mut und Alternativen dem Bewährten treu. An dieser Einseitigkeit ändern auch die seit Jahren rückläufigen Zinsen nicht viel. Lebensversicherungen waren beliebt und sind es auch noch heute, wenn auch die neuen Abschlusszahlen nicht mehr ganz die altbekannten Höhen heranreichen.

Von der Politik in die Zange genommen

Die Lebensversicherungsgesellschaften können einem schon leidtun, denn sie sind quasi dazu verdammt, ihre Kunden zu verprellen. Die Notenbanken schleusten die Zinsen auf bislang unbekannt tiefe Niveaus und sie erwecken gerade nicht den Anschein, als würden sie mittel- bis langfristig am Zinsniveau wesentlich etwas ändern können oder wollen.

Auch die Politik hat die Lebensversicherer in ihrem Sinne vereinnahmt. Weil der Kapitalmarkt so furchtbar gefährlich ist und der arme Kunde bekanntlich vor jeder Gefahr, auch vor der vermeintlichen, geschützt werden muss, dürfen die Versicherer das Geld ihrer Kunden fast nur noch in Staatsanleihen investieren, denn diese sind angeblich sicher, auch die griechischen.

Es liegt auf der Hand, dass dieses verlogene Spiel für den Kunden auf Dauer nicht gut gehen kann. Aber der Kunde interessiert in der Wirtschaft, wenn es hart auf hart kommt, ebenso wenig wie der Steuerzahler in der Politik.

Der lange Weg hinab ins Zinstal

Noch vor sechs Jahren, im Jahr 2012, lag der Garantiezins bei 4,0 Prozent. Vor dem Hintergrund der schon damals rückläufigen Zinsen mussten die Lebensversicherungen fast wie Felsen in der Brandung erscheinen.

Aber selbst diese harten Felsen wurden schnell weich gespült, denn auch die Manager einer Lebensversicherung können die Gesetze des Kapitalmarkts nicht aushebeln und hohe Renditen erwirtschaften, wenn sie die Politik in niedrig verzinste Staatsanleihen zwingt.

Die Folge war eine permanente Absenkung des Garantiezinses. Für die Kunden war der Weg bislang schon schmerzhaft genug und es gibt Anzeichen, dass er lange noch nicht zu Ende ist. Das natürliche Ziel ist wie immer die Nulllinie, auch wenn das nur Wenige so deutlich aussprechen und erst recht keiner wahrhaben will.

Die niedrigen Zinsen fordern ihre Opfer

Stellen Sie sich nur einmal einen Augenblick lang vor, Löhne und Gehälter würden zum Jahreswechsel auch um 50 Prozent gekürzt, um die laufenden Kosten der Staaten bzw. der Unternehmen bezahlen zu können. Ein Aufschrei ginge sicher durchs Land.

Aber bei den Lebensversicherungen machen nicht nur derartige Gedankenspiele die Runde, wenn von Management und Politik mal wieder die Reduzierung des Garantiezinses nachdenken und dabei gleich über eine Senkung um 50 Prozent reden. Die entsprechenden Reduzierungen wurden in der Vergangenheit für die betroffenen Kunden schon bittere Realität.

Dass solche Szenarien auch weiterhin drohen, darf niemanden wundern, solange die Rendite der Kapitalanlagen deutlich schneller sinkt als die durchschnittlichen Zahlungsverpflichtungen der Versicherer gegenüber ihren Kunden. Für alle Gesellschaften wird es dadurch immer schwerer, den Garantiezins zu erwirtschaften.

Das wird sich auch in 2018 und selbstverständlich auch in 2019 nicht ändern. Obwohl der Name eigentlich etwas anderes verheißt, wird der Garantiezins in den nächsten Jahren alles andere als sicher sein.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

PS.: Die Informationen auf 7vor8.de sind für Sie kostenlos. Trotzdem: Jeder Artikel basiert auf einer gründlichen Recherche und verursacht eine Menge Aufwand. Deshalb meine Bitte an Sie: Teilen Sie diese Kolumne mit Ihren Freunden und Bekannten, wenn Sie möchten, dass auch Ihr persönliches Umfeld von diesen wertvollen Informationen profitiert.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

Leave a comment: