An Ende wird auch noch der Sinn ökonomisiert werden

Bernd Heim
By Bernd Heim / 1. Oktober 2018

Das Bargeldverbot rettet vielleicht die Konsumgesellschaft, aber ist der Konsum wirklich das Lebensziel des Menschen?

Die einen wollen das Bargeld abschaffen, weil sie am bargeldlosen Zahlungsverkehr selbst kräftig verdienen, die anderen, weil sie sich mehr Kontrolle über die Menschen und ihre Aktivitäten erhoffen, und eine dritte Gruppe setzt auf Kreditkarten und die Bezahlung per Handy, weil sie hofft, dass das Geld dann lockerer in der Tasche sitzt.      

Berechtigt sind diese Hoffnungen in jedem Fall, wenn auch nur unter der Perspektive des Betrachtenden. Die entscheidende Frage ist jedoch eine andere. Was nützt diese Neuerung dem Menschen? Nützt sie ihm wirklich oder instrumentalisiert sie ihn nur wieder ein weiteres Mal?

Das Problem der Befürworter des Bargeldverbots ist, dass sie alle das Verbot nicht etwa deshalb anstreben, weil sie den Menschen etwas Gutes tun wollen, sondern vielmehr offen oder verdeckt danach streben, Menschen zu instrumentalisieren.

Wenn der Eigennutzen nicht so offensichtlich wäre

Nie zuvor waren die Menschen so reich und wohlhabend. Über Jahrhunderte hinweg blieben Besitz und Reichtum weitgehend konstant. Es gab zwar Naturkatastrophen, Epidemien und Kriege. Aber so schnell reich und wohlhabend wie in den letzten 100 Jahren wurde die Menschheit noch nie.

Nun haben wir nicht nur das, was wir zum Leben brauchen, sondern darüber hinaus noch jede Menge teure Spielzeuge wie Fernseher, Computer, Autos, Smartphones und extravagante Kleidung, von denen wir uns einreden, dass wir ohne sie nicht mehr existieren könnten. Dabei weiß jeder, es gab eine Zeit, da lebten die Menschen noch ohne sie und das war nicht unbedingt die frühe Steinzeit.

Reicher sind die Menschen in der Tat. Aber sind sie deswegen auch glücklicher? In China trennte sich vor Jahren ein damals 14 oder 15-jähriger Junge von einer seiner Nieren, um ein iPhone 4 zu bekommen. Dumm nur, dass dieses heute bereits völlig überholt ist und Mutter Natur ihm nur zwei Nieren auf die Reise durchs Leben mitgegeben hat.

Ist das die Form von Konsumjunkie, die wir wollen? Immer das neuste Produkt haben wollen, nicht lange auf es warten können und es kaufen, ohne auch nur einen Moment zu lange an die Folgen des eigenen Tuns zu denken?

Erziehung zur Gedankenlosigkeit

Das Bargeldverbot geht ein Stück weit in die gleiche Richtung, denn es erzieht zu einem gedankenloseren Umgang mit Geld. Vom Bezahlen mit Bargeld wissen wir, dass sein Verlust bzw. seine Benutzung beim Kauf jene Regionen des Gehirns anregt, in der auch unser Schmerzempfinden angesiedelt ist.

Geldausgeben bereitet uns also gewisse Schmerzen. Doch wir sollen schmerzfreier werden, um die Wirtschaft runder laufen zu lassen. Womit schon einmal klar ist, dass nicht die Wirtschaft für uns Menschen da ist, sondern umgekehrt wir zu funktionieren haben, damit Wirtschaft und Konjunktur richtig rund laufen.

Willkommen als Sklave des Systems und Sie und ich, wir wissen nur zu gut, dass man Sklaven zu zwingen pflegt, wenn diese nicht von sich aus tun, was andere wollen.

Oder mit anderen Worten: Das Geld, das Sie haben, es ist kein gutes Geld, solange es noch bei Ihnen bleibt. Nur wenn Sie es mit beiden Händen ausgeben, konsumieren, bis sich die Balken biegen, und das Geld schließlich bei einem Anderen ankommt, erst dann ist es zu einem guten Geld geworden, weil es die Wirtschaft in Schwung gehalten hat.

Anschließend wachsen an den Rändern der Städte zwar die Müllhalden und in Ihnen selbst die innere Leere, aber diesen kleinen Preis werden wir für Fortschritt und Systemgläubigkeit doch wohl bezahlen wollen – oder etwa nicht?

Die Konsumgesellschaft nutzt nur den großen Konzernen

Wer immer nur wegwirft und neu kauft, statt zu reparieren, der spielt unfreiwillig den großen weltweit agierenden Konzernen in die Karten. Der kleine Handwerker vor Ort, der reparieren könnte, bleibt arbeitslos, weil das neue in China, Indien oder auf dem Mond gefertigte Ersatzprodukt erstens „besser“ ist und zweitens billiger ist.

Und glauben Sie mir: Eines Tages wird auch auf dem Mond gefertigt werden, wenn man dort befreit von störenden Umwelt- und Arbeitsschutzbestimmungen preiswerter produzieren kann als an irdischen Standorten. Wenn die Verlagerung von Arbeit schon an Landesgrenzen nicht haltmacht, warum sollte ein profitgeleitetes Unternehmen die Grenze der Erde als seine natürliche Begrenzung ansehen, wenn es eine bezahlbare Alternative gibt?

Rein vordergründig geht es immer wieder um das Bargeld und die Frage, ob wir es weiterhin benutzen wollen oder besser auf elektronische Alternativen ausweichen sollten. Die Frage hat sich die Menschheit im Prinzip vor 200 Jahren bei der Einführung des Papiergeldes schon einmal gestellt. Schon damals wurde sehr stark mit dem praktischen Nutzen argumentiert und der war zweifellos vorhanden.

Doch auch schon damals zeigte sich sehr schnell, dass die neue Technik leicht zu missbrauchen war. So leicht, dass der Missbrauch der Einführung schon nach wenigen Jahren direkt auf dem Fuße folgte.

Ob sich die Geschichte mit leichten Veränderungen wiederholt, wird die spannende Frage der kommenden Jahre sein. Man sollte die Geschichte zumindest kennen, um zu wissen, was auf einen zukommen könnte. Ansonsten ist man wohl eher wie jener Junge aus China und steht am Ende nur mit einem veralteten Produkt und nur noch einer Niere da.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

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About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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