Wer als Anleger unterkapitalisiert an die Börse geht, kann leicht eine böse Überraschung erleben

Bernd Heim
By Bernd Heim / 15. Oktober 2018

Anleger, die neu an die Börse kommen, versuchen in einem ersten Schritt zumeist die Grundlagen der fundamentalen Analyse zu verstehen und etwas über die Charttechnik zu lernen. Dabei wird eine andere ganz wichtige Frage zumeist nicht gestellt. Es ist die Frage, ob man überhaupt genügend Geld zum Investieren oder Traden zur Verfügung hat.

Es ist zwar verständlich, dass diese Frage oftmals nicht gestellt wird, weil die Höhe des zur Verfügung stehenden Kapitals jene Stellschraube ist, die man kurzfristig am wenigsten verändern kann. Trotzdem ist der Start mit einem zu geringen Kapitalstock ein Fehler, der sich langfristig sehr entscheidend auf den Erfolg der eigenen Anlageentscheidungen auswirken kann.      

Egal ob blutiger Anfänger, alter Hase oder Vollbluttrader, die Frage nach der perfekten Depot- und Positionsgröße sollte sich jeder Anleger immer wieder stellen. Aber was ist die passende Depot- bzw. Positionsgröße? Hier kann selbstverständlich nicht ein für alle Anleger gleichermaßen passender Euro- oder US-Dollar-Betrag genannt werden.

Es lassen sich aber einige Anhaltspunkte benennen, die, wenn man sie als Anleger konsequent berücksichtigt, mit dazu beitragen, dass Fehlentscheidungen vermieden werden können. Dabei sollte berücksichtigt werden, dass gerade an der Börse mehr als im Alltagsleben der Erfolg sehr oft darin besteht, kostspielige Fehler gar nicht erst zu machen, sondern die mit ihnen verbundenen Aktionen besser zu unterlassen.

Ein leicht unterschätztes Thema

Viele Anleger starten ihre Börsenkarriere mit Konten, die zu gering kapitalisiert sind. Der Grund kann einmal darin liegen, dass gar nicht mehr Kapital zur Verfügung steht. Ein anderer psychologisch auch sehr gut nachvollziehbarer Grund ist, dass man gerade als Anfänger damit rechnen muss, Fehler zu machen, und weil man sich vor diesen fürchtet, wird das eingesetzte Risikokapital am Anfang zu klein bemessen.

Respekt vor der Börse zu haben und auch die eigenen Fähigkeiten gerade am Beginn nicht überschätzen zu wollen, ist gewiss eine gute Eigenschaft. Wer diese Demut nicht hat, dem wird sie an der Börse früher oder später gelehrt. Vorsicht ist also durchaus angebracht, Übervorsicht aber nicht. Es kommt also wieder einmal auf das Maß an. Ein zu viel ist genauso schädlich wie ein zu wenig.

Einen weiteren Punkt, den man gerade zu Beginn seiner Anleger- oder Traderkarriere nach Möglichkeit ignorieren sollte, sind die vollmundigen Versprechungen der Werbung. Sie suggeriert oft, man könne schon mit 250 Euro auf dem CFD-Konto den DAX erfolgreich handeln und in kurzer Zeit ein Vermögen machen.

Bevor Sie sich also mit der durchaus berechtigten Frage nach der richtigen Aktie, dem zu wählenden Instrument und den Ein- und Ausstiegskursen beschäftigen, gilt es zunächst die Frage zu klären, wie viel Geld im Fall der Fälle verloren werden darf, sollte das Investment im Verlust enden.

Die Mindestgröße nicht unterschreiten

Natürlich kann ein Anleger seine Börsenaktivitäten auch mit einem sehr kleinen Konto starten. Sinnvoll ist dies jedoch nicht. Ist das Konto zu klein bemessen kann keine sinnvolle Risikostreuung betrieben werden. Ob man will oder nicht: Das geringe zur Verfügung stehende Kapital zwingt geradezu dazu, immer all in zu gehen.

Eine lange Verweildauer im Markt ist unter diesen Voraussetzungen nicht zu erwarten, denn auch dem erfahrenen Trader oder Anleger wird es nicht gelingen, mit jedem Wurf einen Treffer zu landen. Misserfolge gehören zum Geschäft und wenn die bei einem zu klein bemessenen Konto zu früh erfolgen, ist man schnell wieder aus dem Geschäft.

Das gilt besonders dann, wenn Aktien, Indizes und Rohstoffe auf einem CFD-Konto mit einem hohen Hebel gehandelt werden sollen. Deshalb sollte das Konto so groß bemessen sein, dass die gewählte Strategie reibungsfrei umgesetzt werden kann. Will heißen: Wer Aktien direkt handelt, muss über so viel Kapital verfügen, dass mehrere Positionen in das Depot gekauft werden können.

Die einzelnen Positionen sollten zudem so groß gewählt sein, dass das Verhältnis von Kaufsumme und Gebühren ein akzeptables ist, Wer für den An- und Verkauf der Papiere bereits mehr als zehn Prozent seines eingesetzten Kapitals benötigt, ist entweder bei einem viel zu teuren Broker oder mit einer viel zu kleinen Positionsgröße unterwegs.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

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About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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