Der Kampf um das Geldmonopol geht weiter

Bernd Heim
By Bernd Heim / 30. Oktober 2018

Je nachdem auf welcher Seite Sie im laufenden Bargeldkrieg stehen, werden Sie die nachfolgenden Informationen entweder mit Freude oder mit Bestürzung zur Kenntnis nehmen. Doch an der Bargeldfront ist es wie in jedem anderen Krieg auch. Es wird erbittert gekämpft und neben Siegen sind auch Rückschläge zu vermelden.

Rückschläge gibt es aus Indien zu berichten. Dort wurden im November 2016 von der Regierung völlig überraschend die Banknoten mit den beiden höchsten Wertstufen aus dem Verkehr gezogen. Mit den Folgen kämpft das Land noch immer. Weil gerade in den ländlichen Regionen niemand mehr Geld hat, um etwas zu bezahlen, unterbleiben die Käufe und die Wirtschaft steuert auf eine Rezession, vielleicht sogar eine größere Krise zu. Die Regierung erbittet sich von ihrem Volk derzeit noch Zeit. Doch die arbeitet inzwischen massiv gegen sie.      

Die Siegesmeldungen stammen in diesen Tagen aus Deutschland. Mit der Sparda-Bank Hannover macht ein weiteres Institut seine Schalter für Münzen dicht. Die rund 220.000 Privatkunden der Bank können ihr Münzgeld nur noch in zwei von 25 Filialen einzahlen.

Die Begründung ist wieder einmal aufschlussreich. Die Münzen würden für die Kunden der Bank eine immer geringere Rolle spielen, erklärte eine Sprecherin der Bank vor einigen Tagen. Von der im Jahr 2016 eingezahlten Summe entfalle nur ein einziges Prozent auf die Münzen.

Die Dreiklassengesellschaft des Geldes

Den wahren Grund für den radikalen Kurswechsel erfährt man jedoch nur, wenn man die Hintergründe kennt. Sie führen in den Beginn des Jahrs 2015 zurück. Damals trat eine neue EU-Verordnung in Kraft, die die Banken dazu verpflichtet, die eingezahlten Münzen mit neuen Geräten auf ihre Echtheit zu prüfen. Diese Prüfung verursacht den Banken viel Arbeit und damit hohe Kosten. Letztere werden von vielen Instituten bereits an die Kunden weitergegeben.

Die neuen Gebühren für die Einzahlung von Bargeld lassen eine Art Dreiklassengeld entstehen. Neben das elektronische Giralgeld treten die Banknoten, die zumindest noch geduldet und noch nicht mit zu hohen Kosten belastet werden. Am unteren Ende dieser Dreiklassengesellschaft des Geldes steht das Münzgeld.

Sein Gebrauch ist für die Kunden am teuersten und damit am unattraktivsten. Eigentlich eine Ironie der Geschichte, denn unser Geld entstand nicht nur ursprünglich als Münzgeld, sondern auch heute noch ist für den Benutzer des Geldes im Münzgeld immer noch die höchste Werthaltigkeit gegeben.

Elektronisches Geld kann man ohne Kosten aus dem Nichts erzeugen. Bei den Banknoten fallen immerhin noch die Druckkosten an, auch wenn das bedruckte Papier für den Geldbenutzer selbst keinen echten Wert darstellt, falls die Geldfunktion der Scheine wie in Indien plötzlich wegfallen sollte. Der größte Aufwand entsteht bei der Herstellung der Münzen und hier gilt, je kleiner der Wert, desto teurer ist die Prägung relativ zum aufgeprägten Wert.

Die erzieherischen Maßnahmen sind angelaufen

Auch für den Geldbenutzer stellt die Münze immer noch einen vergleichsweise hohen Wert dar. Er erhält zumindest noch etwas Metall, auch wenn kein echtes Gold und Silber mehr in die Euromünzen eingearbeitet wird, sondern nur noch das Nordische Gold, eine goldfarbene Nickellegierung.

Wenn die Menschen das Bargeld nicht von sich aus abgeben wollen, dann muss man sie halt dazu zwingen oder über die Gebührenstruktur drängen. Genau dieser Weg wird in Europa gerade mit Nachdruck beschritten. Getarnt wird diese erzieherische Maßnahme mit dem Hinweis, dass man ja eigentlich das Geld durch die zusätzliche Echtheitsprüfung nur sicherer machen will. Und wer kann dagegen schon ernsthaft etwas einwenden wollen?

Dass die Banknoten zwar wesentlich häufiger gefälscht werden als die Münzen, weil auch für die Fälscher hier Aufwand und Ertrag in einem relativ ungünstigen Verhältnis stehen, ist eine andere Wahrheit, die in diesem Zusammenhang aber wesentlich seltener zur Sprache kommt.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

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About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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