Wie frei dürfen die Märkte wirklich sein?

Bernd Heim
By Bernd Heim / 1. November 2018

Freie Märkte sind etwas Schönes, wenn man sie denn hat und wenn man das Handeln an ihnen in vollen Zügen genießen kann. Dieser uns heute beinahe paradiesisch anmutende Zustand ist leider nicht mehr gegeben. Es gibt kaum noch Märkte, die sich wirklich frei entwickeln können.

Die Edelmetallmärkte zählten historisch nie zu den wirklich freien Handelsplätzen, denn schon immer hatten Kaiser, Könige und Fürsten ein massives Interesse daran, Schieflagen in ihren Finanzen durch eine Manipulation der ausgegebenen Gold- oder Silberwährung zu verschleiern.      

An ihre Stelle sind heute die Notenbanken getreten, die eigentlich der Preisstabilität verpflichtet sind, diese aber beständig mit Füßen treten. Oder wie ist es sonst zu erklären, dass die Europäische Zentralbank bei einer Inflation von weniger als einem Prozent die Geldwertstabilität in der Euro-Zone als nicht gegeben ansieht und deshalb unbedingt eine höhere Inflation von zwei und mehr Prozent anstrebt, weil dort endlich die erstrebte Stabilität des Geldes gewährleistet sei.

Mir hat man während meiner Schulzeit noch eingetrichtert, dass eine niedrige Inflation besser sei als eine hohe, weil die Kaufkraft des Geldes beständiger sei und während des Mathematikunterrichts wurde schon in der ersten Klasse viel Wert darauf gelegt, dass eins niedriger als zwei sei. Aber man lernt ja bekanntlich für die Schule und nicht fürs Leben.

Neue Deutungsmuster verkünden alten Unsinn

Die neuen Muster, mit denen man unsere verfahrene aktuelle Situation zu deuten versucht, sind im Grunde nichts anderes als ein permanenter Angriff auf den gesunden Menschenverstand.

Man gibt inzwischen auch vonseiten der Politik und der Zentralbanken zu, dass die Schulden das eigentliche Problem sind und verkündet im gleichen Atemzug, dass man das Problem durch noch mehr Geld, das in unserem Fiat Money System nichts anderes als Kredit ist, lösen will.

Offensichtlich setzt man darauf, dass die Masse der Bürger sich entweder für das Wesen unseres Geldes nicht interessiert oder zufälligerweise übersieht, dass die Worte Kredit und Schuld bzw. Schulden den gleichen Sachverhalt umschreiben.

Außerdem ist Japan von Europa aus gesehen ziemlich weit entfernt, ansonsten wäre sicher schon vielen aufgefallen, dass das viele Geld, dass dort seit über 25 Jahren in den Wirtschaftskreislauf gepumpt wurde, die Krise zumindest nicht gelöst hat.

Wir kennen nicht den Weg, aber wir gehen weiter zügig voran

Wäre es anders, würden uns nicht immer wieder in regelmäßigen Abständen Nachrichten aufschrecken, die besagen, dass die japanische Wirtschaft unerwartet und trotz der gigantischen Geldschwemme der Bank of Japan schon wieder in eine Rezession abgeglitten ist.

Nun soll in Europa gelingen, was in Japan und den USA schon seit Jahren scheitert bzw. nur unzureichende Erfolge bringt. Realistisch ist diese Einschätzung gewiss nicht. Sie ist eher ein Zeichen der Verzweiflung und der Perspektivlosigkeit.

Interessant ist, dass die Europäische Zentralbank mit dem Vorsatz in das Jahr 2017 ging, ihr Anleihekaufprogramm in unveränderter Form fortzuführen, obwohl die US-Notenbank Ende 2016 erneut die Zinsen angehoben hat und weitere Zinsschritte in Aussicht gestellt hat. Und auch 2018 ging die EZB nur sehr zögerlich vom Gas.

Organisationen und Regime, die mit dem Rücken zur Wand stehen, agieren sehr oft in einer ausgesprochen harten und kompromisslosen Weise. Gleiches ist leider auch für die Gegenwart zu konstatieren.

„Vorwärts immer – rückwärts nimmer!“ Dieses alte Erich Honecker Motto gilt auch für die aktuelle Geldpolitik der Notenbanken. Der Weg zurück ist verbaut. Die Zinsen waren zu lange zu niedrig und das Schuldenchaos ist längst nicht mehr beherrschbar.

Bis das bittere Ende kommt, werden die Märkte noch weiter manipuliert

Alles, was man noch machen kann und in diesen Tagen mit Nachdruck betreibt, ist ein Spiel auf Zeit. Es ist ein hässliches, verlogenes Spiel, denn es ist auf Täuschung und Betrug ausgerichtet. Die Manipulation wichtiger Märkte und Parameter, wie Zinsen, Gold, Geldmengenwachstum und Inflationsraten ist dabei ein quasi „unverzichtbares“ Instrumentarium.

Betrogen werden jene, die sich nicht oder nur begrenzt wehren können. Ihnen wird der Ernst der Lage verschwiegen und ihnen werden mögliche Fluchtwege, wie das Bargeld, mit fadenscheinigen Gründen verbaut oder wie beim Gold und Silber in diesen Tagen durch ungewöhnlich niedrige Preise madiggemacht.

Heute geht es primär gegen das Gold, morgen gegen das Bargeld, aber immer geht es um die Ersparnisse der einfachen Bürger. Sie werden daran glauben müssen, wenn eines nahen oder fernen Tages die Schulden verschwinden sollen, denn den viel zu hohen Schulden stehen auf der Gegenseite exakt gleich große Guthaben gegenüber.

Auch sie werden verschwinden müssen, wenn die Schulden eines Tages wieder auf ein vertretbares Maß zurückgeführt werden sollen. Bis es so weit ist, wird noch ein wenig getrickst und manipuliert, denn der deutsche Michel soll nicht zu schnell merken, dass man ja eigentlich nur sein Bestes will, sein Geld.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

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About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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