Wer nicht vorsorgt, für den wird das Alter eine Belastung werden

Wenn es in diesen Tagen in Ihrem Umfeld irgendwo Nachwuchs gab, dann haben diese neugeborenen Kinder gute Chancen alt zu werden, zumindest deutlich älter als all jene, die in früheren Jahren geboren wurden. Handelt es sich bei dem Neugeborenen um ein Mädchen, so wird dieses voraussichtlich 93 Jahre alt werden.

Das ist deutlich älter als es die derzeit benutzte amtliche Sterbetafel erwarten lässt. Diese kalkuliert noch mit einem durchschnittlich zehn Jahre früher eintretenden Tod. Auch für einen neugeborenen Jungen gibt es gute Nachrichten. Ihm wird immerhin ein Alter von 90 Jahren prognostiziert. Die alte Annahme, dass Männer im Schnitt fünf Jahre früher sterben als Frauen gilt somit auch nicht mehr.      

Die neuen statistischen Berechnungen attestieren den Deutschen ein längeres Leben. So erfreulich das ist, so gefährlich ist diese Erkenntnis für all jene, die gezwungen sind mit der aktuellen Sterbetafel zu rechnen, denn ihre in der Vergangenheit auf der Basis der alten Sterbetafeln durchgeführten Berechnungen sind falsch. Sie zeichnen ein Bild, das viel zu optimistisch ist.

Betroffen sind nicht nur gesetzliche Rentenversicherung und die von Bund, Länder und Gemeinden in Zukunft zu zahlenden Beamtenpensionen. Auch die Lebensversicherer werden ihre Kalkulationen gründlich überarbeiten müssen. Sie werden derzeit gleich von zwei Seiten in die Zange genommen: Die Zinsen sind ausgesprochen niedrig und die Deutschen werden immer älter.

Das politische Berlin bewegt sich bereits

Wenn die Deutschen immer älter werden, muss ihre Rente länger gezahlt werden. Das reißt Löcher in die Rentenkasse, von denen die Politik noch nicht so genau weiß, wie sie sie schließen will. Grundsätzlich stehen zwei Wege zur Verfügung: die Leistungen an die Rentner beschneiden oder die Beiträge der Arbeitnehmer zu erhöhen.

Vermutlich wird es auf eine Kombination aus beiden Elementen hinauslaufen. Eine Kürzung der Renten wäre zwar denkbar ist aber ein politischer Selbstmord, den kaum eine Regierung oder Partei vollziehen wird. Will man bei den Rentnern sparen, bleiben also nur noch die beiden Möglichkeiten die Renten später beginnen zu lassen und/oder sie in Zukunft langsamer als die Einkommen steigen zu lassen.

Auch hier ist eine Kombination aus beiden Elementen aus politischer Sicht wieder sehr reizvoll, denn sie verschiebt einen Teil der Schmerzen in die Zukunft, also auf einen Tag, der hinter dem nächsten Wahltag liegen wird.

In Ansätzen hat die Diskussion um die zu bewerkstelligenden Einsparungen bereits begonnen. In der Diskussion um das Renteneintrittsalter hat noch der frühere Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble angeregt, das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung zu koppeln. Ein an sich verständlicher Vorschlag, der gerade in Zeiten des beginnenden Wahlkampfs natürlich sogleich Widerspruch hervorrufen musste.

Warten oder selbst aktiv werden?

Die Kritiker des Finanzministers aus der SPD haben zwar recht, wenn sie darauf verweisen, dass viele Berufe aus körperlichen Gründen gar nicht bis ins hohe Alter ausgeübt werden können. Aber auf der anderen Seite ist auch klar, dass unser Rentensystem immer mehr ältere Menschen nicht verkraften kann.

Über kurz oder lang werden die Beiträge erhöht und wird das Rentenniveau gesenkt werden müssen. Wer angesichts der demographischen Ausgangslage etwas anderes erwartet, dürfte von der Zukunft bitter enttäuscht werden. Dass im Jahr 2017 keine Lösung gefunden werden konnte, war mit Blick auf den Wahlkalender nicht anders zu erwarten. Keine Partei wollte sich im Vorfeld der Bundestagswahl mit Sparmaßnahmen beim Wähler unbeliebt machen.

Politisch sind Wahljahre somit eine für die Rente verlorene Zeit. Sie gilt es, nicht zu vertrödeln, denn ob das Renteneintrittsalter jetzt bereits angehoben wird oder erst in einigen Jahren, dürfte für die Meisten unerheblich sein, weil ihr eigener Rentenbeginn noch in der Zukunft liegt.

Wer neben der gesetzlichen Rente auch privat für das Alter vorsorgt, der kann der politischen Rentendiskussion etwas gelassener entgegensehen. Handeln muss er aber dennoch, und zwar möglichst frühzeitig. Er muss die Zeit für sich arbeiten lassen und darf sie auf keinen Fall verschenken.

Wer früher startet, ist schneller am Ziel

Eine kleine Modellrechnung zeigt warum. Ein heute 40-Jähriger, der monatlich 334 Euro spart und auf seine Ersparnisse im Schnitt eine Jahresrendite 4,0 Prozent erzielt, verfügt mit 65 Jahren über ein Kapital von 170.000 Euro. Mit festverzinslichen Anlagen ist eine jährliche Rendite von vier Prozent pro Jahr zwar derzeit illusorisch, mit Aktien bzw. Aktienfonds jedoch immer noch möglich.

Es kommt also nicht nur darauf an, dass man überhaupt mit dem Sparen beginnt. Auch die gewählte Sparform will sehr gut überlegt sein. Stehen mit 65 Jahren die eben erwähnten 170.000 Euro zur Verfügung, könnte man sich damit immerhin fast 9,5 Jahre lang eine „private Rente“ von 1.500 Euro auszahlen. Eine längere Wartezeit bis zum Eintritt ins offizielle Rentenalter könnte damit überbrückt werden.

Ob diese Anstrengungen ausreichen werden, ist eine andere Frage, denn es muss ja nicht nur mit einem späteren Rentenbeginn, sondern auch mit einer niedrigeren monatlichen Rente gerechnet werden. Der Sparaufwand könnte somit durchaus noch höher ausfallen. Das unterstreicht noch einmal, wie wichtig es ist, rechtzeitig zu beginnen und eine renditestarke, stabile Sparform zu wählen.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

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About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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