Knapp, knapper, Gold?

Es ist selten, es ist wertvoll und es gibt nicht viel davon. Fragen Sie die Menschen in Ihrer Umgebung danach, warum das Gold so wertvoll ist, werden Sie meist Antworten wie diese hören.

Fügt man das gesamte seit der Antike geförderte Gold zusammen, ergibt sich ein Würfel von rund 20 Meter Kantenlänge. Den könnte man, wenn das schwere Gewicht nicht wäre, bequem unter so mancher Brücke hindurchschieben.

All diese Bilder suggerieren, dass das Gold unheimlich knapp ist und wenn Sie dann auch noch in den Medien lesen, dass die Minenproduktion rückläufig ist, kann leicht der Gedanke aufkommen, dass es schon bald kein Gold mehr zu kaufen gibt und der Preis des gelben Metalls zwangsläufig in den Himmel steigen muss.

In der Rohstoffbranche spricht man analog zum Peak Oil vom Peak Gold und meint damit, dass die Förderung einer Gaußschen Glockenkurve nahe kommt. Nach einem zögerlichen Beginn steigt die Förderung steil an, erreicht ihr Maximum und fällt anschließend ebenso steil wieder ab.

Wie normal ist die Normalverteilung?

Für eine einzelne Mine bzw. für eine einzelne Ölquelle lässt sich ein derartiger Verlauf der Produktion in der Tat recht oft beobachten. Wenn man dann auch noch bedenkt, dass im Bergbau leicht zehn Jahre vergehen, bis aus dem ersten Bohrloch eine produzierende Mine geworden ist, wird verständlich, warum viele Experten einen Höhepunkt der Goldproduktion immer auch kritisch sehen.

Das einfach zu fördernde Gold ist längst abgebaut. Seit Jahren werden die Grade niedriger, sodass sich in einer Tonne Gestein immer weniger Gold findet. Außerdem sind die leicht zugänglichen Goldadern inzwischen erschlossen und die Minen der Zukunft liegen in Gebieten, die immer weiter von der bestehenden Infrastruktur entfernt sind.

Beide Effekte erhöhen die Kosten. Es muss heute deutlich mehr Gestein verarbeitet werden, um eine Unze Gold zu gewinnen als noch vor 30 oder 40 Jahren und es müssen gleichzeitig immer längere Straßen gebaut und Stromleitungen gelegt werden, bis eine Bergbauregion als erschlossen betrachtet werden kann.

Den großen Bergbaukonzernen gelingt es schon lange nicht mehr, ihre erschöpften Minen durch neue Ressourcen zu ersetzen. Es wäre vor diesem Hintergrund absolut nicht verwunderlich, wenn das Goldangebot aus den Minen in den kommenden zehn Jahren deutlich zurückgeht.

Wie knapp kann ein Gut werden, das eigentlich niemand braucht?

Also jetzt noch einmal schnell Gold kaufen, weil die Produktion schon morgen zum Erliegen kommt? Wer so agiert, schiebt eine Panik, die nicht berechtigt ist, denn Gold gibt es mehr als genug. Selbst wenn alle Minen der Welt morgen ihre Förderung einstellen und keine einzige neue Mine jemals mehr in Produktion gehen sollte, wird der Welt das Gold nicht ausgehen.

Das liegt daran, dass das Gold im Gegensatz zu anderen Rohstoffen nicht wirklich verbraucht wird. Das Eisenerz verschwindet im Stahl und wird über die Jahre zum Schrott, das Öl verschwindet im Tank und entweicht anschließend durch den Auspuff oder Schornstein, aber das Gold wird gewonnen, um verwahrt zu werden.

Das ist ein großer Unterschied. Gold wird nicht verbraucht, sondern gehortet und jeder Besitzer achtet darauf, dass kein Gramm unbemerkt verschwindet. Neu ist dieser Umgang mit dem gelben Metall nicht. Die Menschheit hat es mit dem Gold im Grunde schon immer so gehandhabt.

Früher galt diese Beobachtung auch für das Silber. Aber seit im 19. Jahrhundert die Fotographie und die Elektrotechnik in unser modernes Leben Einzug hielten, wird das Silber nicht nur als wertvolles Edelmetall gehortet, sondern in zunehmenden Mengen verbraucht.

Entscheidend ist die Verkaufsneigung der Goldbesitzer

Der Förderhöhepunkt bei den Goldminen mag in der Tat kommen. Ein Grund zur Beunruhigung ist er nicht, es sei denn, Sie sind zwischenzeitlich zum Vorstand einer Goldmine befördert worden. Er wird auch, anders als viele Goldjünger Ihnen zu erzählen versuchen, keinen wesentlichen Einfluss auf den Goldpreis haben.

Gefördert werden pro Jahr rund 2.600 Tonnen Gold. Fallen die zukünftig weg, stehen immer noch jene 180.000 Tonnen Gold zur Verfügung, die seit der Antike gefördert wurden. Gemessen an der insgesamt zur Verfügung stehenden Goldmenge ist jährliche Förderung der Minen verschwindend klein.

Sie wird deshalb auch keinen nennenswerten Einfluss auf den Goldpreis haben, egal, wie groß oder klein sie auch sein mag. Viel entscheidender für den zukünftigen Goldpreis wird sein, wie die heutigen Besitzer der 180.000 Tonnen Gold morgen zu ihrem Investment stehen werden.

Wollen sie alle gleichzeitig verkaufen, wird der Goldpreis dramatisch einbrechen. Will keiner auch nur ein einziges Gramm abgeben, wird das Gold bei gleich hoher Nachfrage kräftig im Preis steigen. Dass eines dieser beiden Extreme Realität wird, ist nicht zu erwarten. Die Wahrheit wird vermutlich irgendwo in der Mitte liegen.

Die Angst vor dem Peak Gold ist unbegründet

Für den zukünftigen Preis des Goldes ist die Einstellung der Anleger zum Gold deshalb viel entscheidender als die Höhe der jährlichen Neuproduktion. Sind die Goldbesitzer überwiegend gewillt, ihr Gold zu behalten oder beabsichtigen sogar noch weiteres hinzuzukaufen, wird der Preis steigen. Überwiegt die Einstellung, dass es sinnvoller sei, sich von seinem Gold zu trennen, wird der Goldpreis schnell unter Druck geraten.

Die künstlich erzeugte Aufregung um den Peak Gold können Sie als Goldanleger, der in die Edelmetalle in physischer Form investiert ist, an dieser Stelle getrost ignorieren. Entscheidend ist allein, ob all jene, die wie Sie Goldbarren oder -münzen besitzen weitere zukaufen wollen oder nicht.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

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About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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