Das Versinken im Schuldensumpf ist unausweichlich

Bernd Heim
By Bernd Heim / 26. November 2018

Billiges Geld soll die Welt retten und die Wirtschaft ankurbeln. Das tut es aber nicht mehr, denn die Wirkung der Geldspritzen lässt nach, je höher die Schuldenstände ansteigen. In den 1960er Jahren bewirkte ein US-Dollar neue Schulden noch rund 80 Cent mehr Bruttoinlandsprodukt.

Dreißig Jahre später hatte sich die Wirkung bereits mehr als halbiert. Nur noch 30 Cent BIP-Wachstum waren von jedem neu aufgenommenen Dollar in den 1990er Jahren zu erwarten. Das war deutlich weniger als in den 1960er Jahren, aber immer noch viel mehr als in der nachfolgenden Dekade.      

Bis zum Jahr 2000 hatten sich die Schuldenstände so weit erhöht, dass mit jedem Dollar neu aufgenommenem Kredit nur noch 10 Cent Wirtschaftswachstum erzeugt werden konnten.

Zu erwarten, dass die abnehmende Wirkung der verabreichten Medizin ‚Schulden‘ inzwischen durchbrochen wurde, wäre illusorisch. Es wird zwar weiterhin Geld aus dem Nichts geschaffen, doch gemessen an dem schon vorhandenen Geld ist es so „wenig“, dass seine Wirkung kaum noch zu spüren ist.

Schneeballsysteme sind nicht von Dauer

Um 58 Billionen US-Dollar erhöhten sich die weltweiten Schulden allein in den Jahren 2007 bis 2014. Gebracht hat auch diese massive Ausweitung der Geldmenge nicht viel. Wäre es anders, hätte die US-Notenbank schon wesentlich früher mit der Anhebung der Zinsen beginnen können.

Allein schon die Tatsache, dass man sich mit diesem Schritt so unendlich viel Zeit gelassen hat, zeigt deutlich, dass es um die Weltwirtschaft im Allgemeinen und die amerikanische Wirtschaft im Besonderen nicht allzu gut bestellt sein kann.

Das Zögern der FED ist verständlich, entwickelt sich aber nun immer mehr zu einem Bumerang, denn einmal verlorene Zeit ist nur schwer wieder aufzuholen und die Möglichkeiten der Zentralbanken, auf eine erneute Krise zu reagieren, sind begrenzt.

Das klassische Instrument der Zinssenkung funktioniert nur, wenn der Zinssatz sich auf einem Niveau befindet, von dem aus eine Absenkung stattfinden kann. Das ist gegenwärtig nicht der Fall.

Negative Zinsen sind nicht wirklich eine Lösung

Leicht negativ waren die Zinssätze für Staatsanleihen mit guter Bonität bereits zeitweilig. Sie könnten es wieder werden, doch das allein reicht nicht. In einer neuen Krise müssten die Zinsen nicht nur ein wenig, sondern massiv abgesenkt werden.

Gedanklich kann man die Zinsen immer weiter absenken. Eine natürliche Grenze gibt es für unser Gehirn nicht. Es gibt sie wohl aber in der realen Welt. Hier stellt die mögliche Flucht der Anleger in das Bargeld eine wirksame Begrenzung dar.

Natürlich kann man das Bargeld verbieten und auch andere Fluchtwege gezielt verschließen. Nur eines wird man anschließend nicht mehr können: Den Menschen einreden, dass alles noch in bester Ordnung sei und sie sich keine Sorgen zu machen brauchen.

Die Abschaffung des Bargelds wäre ein Offenbarungseid. Nicht jeder wird ihn als solchen verstehen. Aber das ist auch gar nicht nötig. Es reicht, wenn genügend Bürger die Zeichen der Zeit erkennen und umdisponieren.

Steter Tropfen höhlt den Stein

Die Bewegung wird am Anfang eher klein und unauffällig sein, aber mit der Zeit an Stärke und Reichweite gewinnen. Investitionen werden unterlassen oder zumindest aufgeschoben und Anlagen, die die Anleger als kritisch betrachten, nach und nach abgestoßen.

Der immer mehr um sich greifende Vertrauensschwund wird die Wirtschaft zunehmend lähmen. Es entsteht ein deflationärer Kreislauf, der zu immer drastischeren Maßnahmen führt, die selbst wieder einen erneuten Vertrauensverlust nach sich ziehen. Am Ende ist auch das einst scharfe Mittel der negativen Zinsen zu einem stumpfen Messer verkommen.

Helfen würde allein die ehrliche Anerkennung der Tatsache, dass sich die Welt im Schuldenlabyrinth verrannt hat und aus eigener Kraft nicht mehr herausfindet. Wer diese unangenehme Wahrheit ausspricht, hat gute Chancen gelyncht zu werden oder als Politiker zumindest nicht wiedergewählt zu werden.

Aus diesem Grund hat niemand den Mut, das Problem offen und ehrlich anzugehen. Es löst sich aber auch nicht von selbst und Abwarten und den Dingen ihren Lauf zu lassen, ist auch keine Lösung. Mit etwas Glück mogeln wir uns noch etwas länger durch die Probleme unserer Zeit. Aber zu glauben, dass sie uns niemals einholen, könnte fatal werden.

Wann das hohe Kartenhaus aus immer neuen Schulden zusammenfallen wird, ist schwer zu prognostizieren. Aber dass es eines Tages über uns zusammenbrechen wird, ist offensichtlich und die Tage des Zusammenbruchs versprechen alles andere als angenehm zu werden.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

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About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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