Wer Gold wählt, wählt die Sicherheit nicht den Ertrag

Investitionen werden um der Erträge willen getätigt. Man kauft eine Anleihe, weil man die Zinsen vereinnahmen möchte, man erwirbt eine Aktie in der Hoffnung eine Dividende einzustreichen und man kauft eine Immobilie um entweder selbst darin zu wohnen oder von einem Mieter monatlich die Miete überwiesen zu bekommen.

In jedem Fall ist der für die Zukunft erwartete Ertrag ein wichtiges Kriterium im Vorfeld der Kauf- bzw. Investitionsentscheidung. Gibt es zusätzlich noch eine Rendite in Form von Kursgewinnen bzw. Preissteigerungen zu vereinnahmen, freut sich der Investor gleich doppelt.      

Die Edelmetalle Gold und Silber haben keinen Forderungscharakter. Das ist gut, denn es stellt sie außerhalb unseres vom Zusammenbruch gefährdeten Finanzsystems. Aber das ist für den Goldanleger in einer gewissen Weise auch schlecht, denn stabile monatlich oder jährlich wiederkehrende Einnahmen aus seinem Investment hat er nicht zu erwarten.

Inzwischen sind die laufenden Erträge bei den anderen Kapitalanlagen sehr stark zurückgegangen. Zinsen auf sichere Staatsanleihen gibt es fast keine mehr, und wenn doch noch Zinsen gezahlt werden, so spiegeln sie in vielen Fällen das mit der Anleihe verbundene Risiko nicht angemessen wider.

Bei Anleihen wählen die Anleger inzwischen den Verlust

Der fehlende laufende Ertrag, der jahrelang immer gegen eine Investition in das Gold gesprochen hat, verliert vor diesem Hintergrund zunehmend seinen Schrecken. Gold und Silber bringen keine Zinsen, hochwertige Staatsanleihen aber auch nicht. Was spricht bei dieser Ausgangslage also noch gegen das Gold?

Nichts sollte man meinen, doch die Anleger geben noch immer den Staatsanleihen, gerade auch solchen mit negativer Verzinsung den Vorzug. Verkehrte Welt? Ein wenig bestimmt. Eine garantierte negative Rendite wird einer Kapitalanlage vorgezogen, deren größter Nachteil es ist, dass man heute den zukünftigen Verkaufspreis noch nicht kennt.

Er könnte niedriger sein als der Einstandspreis. Wenn es schlecht läuft, sogar deutlich niedriger. Das ist die Gefahr, vor der die Anleger sich fürchten und die sie auf jeden Fall vermeiden wollen. Auch wenn der Preis, den sie dafür bezahlen in einer garantiert negativen Rendite liegt.

Man kann über so viel Angst verwundert den Kopf schütteln. Man kann diese Angst aber auch als das erkennen, was sie wirklich ist: der entscheidende Grund, warum Investoren nicht mehr langfristig investieren.

Planungsunsicherheit als Anlagekriterium

Die an sich immer unbestimmte und damit nur begrenzt planbare Zukunft erscheint den Investoren heute als noch unberechenbarer als sie ohnehin schon ist und diese Unsicherheit wird um jeden Preis vermieden, auch wenn er negative Zinsen oder negative Realrendite heißt.

Auch der Anlagehorizont wird immer kürzer. Die Anleger verstehen sich immer mehr als Spekulanten und immer weniger als Risikokapitalgeber. Niemand hat mehr die Zeit, seine Investition kontinuierlich Früchte tragen zu sehen. Der schnelle Gewinn ist und bleibt das Ziel und mit dem schnellen Gewinn eng verbunden ist der rasche Ausstieg.

Ein Anleger, der dieser Maxime folgt, hat gar nicht die Zeit, geduldig auf das organische Wachstum einer Geschäftsidee oder eines Rohstoffpreises zu warten. Diese Geduld ist aber zwingend erforderlich, wenn man mit physischen Edelmetallen als Anleger Erfolge verzeichnen will.

Der Preis für Gold und Silber explodiert nicht über Nacht, und wenn er es vor dem Hintergrund einer aktuellen Krise doch einmal tut, ist die Preisbewegung meist nicht von Dauer. Gold und Silber entwickeln sich aber langfristig parallel zur Geldmenge. Steigt diese, steigen auch meist die Preise für die beiden Edelmetalle. Das tun die Zinsen seit geraumer Zeit nicht mehr. Sie werden gezielt gedrückt, obwohl das Risiko für die Kredite von Tag zu Tag zunimmt.

Als Goldanleger muss man sich zunächst einmal zur Gelassenheit erziehen

Man wird als Goldanleger nicht schnell reich, schon gar nicht über Nacht. Aber man verliert auch nicht alles auf einen Schlag, weil das Gold keine Forderung ist. Es ist einfach da und es hatte zu jeder Zeit seinen Wert. Dieser schwankt zwar, aber er ging nie verloren und er wurde auch nie in der Geschichte des gelben Metalls negativ.

Dieser unschätzbare Vorteil ist der „Ertrag“ des Goldes. Er fällt zwar nicht größer aus, wenn andere Anlageformen auch keinen Ertrag mehr bringen. Doch er fällt gerade in diesen Zeiten besonders schwer ins Gewicht.

Gold bringt keine Zinsen und sein Preis schwankt, aber es kann nicht ausfallen und die Gefahr vollkommen wertlos zu werden, ist auch so gut wie nicht gegeben. Gleiches können Staatsanleihen, auch solche mit garantiert negativer Verzinsung nicht von sich behaupten. Sie sind und bleiben eine Forderung, die jederzeit ausfallen kann.

Wer in Gold und Silber investiert, bekommt keine Zinsen. Das ist wahr. Aber er erhält als „Gegenleistung“ eine Sicherheit und Beweglichkeit, die keine andere Anlageform einem Investor bieten kann. Immobilien sind wie der Name schon sagt nicht beweglich und Aktien nicht überall auf der Welt verkaufbar. Aber ein Tauschgeschäft auf der Basis von echtem Gold kann jeder jederzeit mit jedem einfädeln.

Dieser Vorteil ist schlecht in einen konkreten Geldwert umzurechnen, denn jeder Goldanleger bewertet ihn ein wenig anders. Doch er ist vorhanden und er ist gerade in so unsicheren Zeiten wie der heutigen einer der wichtigsten Gründe, warum wir Anleger Gold und Silber besitzen sollten.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

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About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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