Neue Krisen, neue Schulden! Diese Gleichung gilt auch weiterhin!

Bernd Heim
By Bernd Heim / 6. Dezember 2018

Die westlichen Notenbanken führen einen Kampf um Zeit. Inzwischen hat sich ihnen auch die chinesische Zentralbank angeschlossen. Der Kampf wurde bislang zumindest nicht verloren. Ob er auch als gewonnen zu bezeichnen ist, hängt davon ab, was man als das wesentliche Ziel der Geldpolitik definiert.

Geht es nur um den Zeitgewinn, dann war der Kampf in der Tat erfolgreich. In den Jahren nach 2009 konnte die Finanz- und Wirtschaftskrise in ihren negativen Auswirkungen begrenzt werden. Das System wankte, aber es brach nicht vollständig zusammen.     

Entscheidend stabilisiert wurde es jedoch auch nicht. Es gab ein paar notdürftige Reparaturen, aber die eigentlich dringend erforderliche Grundüberholung des Systems unterblieb. Verantwortlich für diese Versäumnisse waren nicht die Notenbanken, sondern die Politik. Sie nahm die geschenkte Zeit dankbar an, unterließ aber die notwendigen Strukturreformen, weil sie unangenehm zu werden drohten.

Im Grunde war es ein zynisches Spiel. Je mehr Zeit beispielsweise die Europäische Zentralbank den Regierungen der Euro-Zone mit ihrer Niedrigzinspolitik erkaufte, desto schwächer wurden deren Reformbemühungen. Ein sinkender Zins erkaufte dabei nicht nur zusätzliche Zeit, sondern unterhöhlte auch den vorhandenen Willen Probleme anzugehen und Fehler zu korrigieren.

Ausweglos verrannt

Eine Sackgasse bleibt eine Sackgasse, auch wenn man sie mit hoher Geschwindigkeit durchfährt. Diese Erfahrung ist der nächste Lernschritt, den unsere Gesellschaft auf dem Weg in ein neues Finanzsystem zu machen hat.

Extrem hohe Schulden sind nicht die Lösung, sondern die Ursache des Problems. Es wird wohl noch eine Zeit lang dauern, bis sich diese Erkenntnis allgemein durchsetzt. Bis dahin wird weiterhin der zum Scheitern verurteilte Versuch unternommen, einen Brand mit Benzin statt mit Wasser zu löschen.

Die Zinsentwicklung weist uns dabei bei den Weg. Zunächst wurden die Zinsen „nur“ niedriger. Zwischenzeitlich lagen sie bei null, und weil auch das nicht reichen will, sollen negative Zinsen das Problem endgültig lösen.

Dass sie es tatsächlich tun werden, ist kaum zu erwarten, denn sie stabilisieren nur Geschäftsmodelle, die nicht tragfähig sind. Eine Produktion, für die es keinen echten Abnehmer gibt, wird auch mit extrem hohen Krediten nicht leicht verkäuflich.

Schuldenturm und Vermögensblase

Den schon jetzt mit normalen Mitteln nicht mehr beherrschbaren Schulden steht eine Vermögensblase gegenüber, die exakt in dem Moment platzen wird, in dem der Schuldenturm kraftlos in sich zusammenfallen wird. Wann das geschieht, ist schwer zu sagen. Dass es geschieht, ist aber so unvermeidlich wie das Amen in der Kirche.

Was noch bleibt, ist die Zeit des Übergangs von einem System, das sich selbst im Grunde schon überlebt hat, hin zu einem neuen System, von dem man noch nicht einmal eine klare Vorstellung hat, wie es denn aussehen könnte.

Übergangszeiten waren niemals einfache Zeiten und sie werden es auch in Zukunft nicht sein. Gewohntes hinter sich zu lassen fällt uns Menschen immer schwer, weil Routinen, die sich über Jahre eingespielt haben, nur schwer aufzubrechen sind.

In der Phase des Übergangs werden viele schon spüren, dass etwas Neues auf sie zukommen wird. Doch aus Ignoranz oder reiner Gewohnheit werden sie das tun, was sie schon immer getan haben. Gilt dieser Zusammenhang auch für die persönliche Geldanlage, ist zu erwarten, dass sich frühere Entwicklungen in leicht veränderter Form wiederholen werden.

Der Blick zurück ist der Blick auf blindwütige Spekulationen und falsche Grundannahmen

Die Krisen der Vergangenheit wurden beginnend mit den späten 1990er Jahren in einer Flut von neu geschaffenem Geld ertränkt. Geändert hat sich an diesem Verhalten im Grunde nur eines: Mit jeder neuen Krise steigerte sich der Geldeinsatz.

Wir dürfen deshalb davon ausgehen, dass auch zukünftige Krisen in einer ähnlichen Art und Weise angegangen und mit noch höheren Schulden bekämpft werden. Das bedeutet zwangsläufig, dass die durch das neu geschaffene Geld ausgelösten Exzesse sich ebenfalls ausweiten werden.

Es werden nicht nur neue Blasen kommen, sondern die, die kommen, werden die vorangegangenen klar in den Schatten stellen. Während die Blase sich entwickelt, mag bei vielen die Illusion von Reichtum entstehen und dieser Effekt ist von den Notenbanken mit Sicherheit gewünscht.

Am Ende wird es jedoch wie bei jeder geplatzten Spekulationsblase sein: Nur die echten Werte werden überleben. Alles andere wird wie ein Kartenhaus in sich zusammenstürzen. Sich als Anleger an diesen Blasen zu beteiligen, kann sehr lukrativ sein. Stellen Sie jedoch sicher, dass Sie vorrangig die echten Werte erwerben und nicht nur dem schönen Schein hinterherlaufen.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

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About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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