Warum das frisch geschöpfte Geld uns eines Tages Magenschmerzen bereiten wird

Bernd Heim
By Bernd Heim / 12. Februar 2019

Frisch schmecken Lebensmittel bekanntlich am besten. Ihre Haltbarkeit ist allerdings begrenzt. Als Konserve in Weißblech verpackt vertauschen beide Aspekte ihre Rollen. Über den Geschmack kann man sich anschließend trefflich streiten, aber darüber, dass die Haltbarkeit deutlich verlängert wurde, sollte Einigkeit bestehen.

Trotzdem ist jede Konservendose aus gutem Grund mit einem Ablaufdatum versehen. Wer es übersieht oder absichtlich verstreichen lässt, läuft Gefahr Magen und Darm in ernsthafte Probleme zu stürzen.     

Was für unsere Lebensmittel gilt, gilt auch im übertragenen Sinn für unser Geld, besonders für das frisch geschöpfte Geld aus dem Nichts der Notenbanken. Es rostet zwar nicht und es schimmelt auch nicht, doch es bringt Spätfolgen mit sich, die sich mit zunehmendem Abstand von seiner Erzeugung immer deutlicher zeigen.

Wir sollten uns in diesem Zusammenhang immer wieder vergegenwärtigen: Es gibt kein Handeln ohne vorgelagerte Entscheidung und jede Entscheidung hat ihre Konsequenzen. Auch nicht zu handeln, ist eine Entscheidung. Auch sich nicht zu entscheiden, ist eine Entscheidung und egal, ob wir etwas tun oder bewusst nichts tun, unser Handeln wird nicht ohne Folgen bleiben.

Jetzt müssen Erfolge her, sonst wird es eng

Das gilt selbstverständlich auch für die Aktionen der Notenbanken. Sie haben sich in den letzten Jahren mit besonders entschiedenen Aktionen positioniert. Damit ist die Entscheidung da. Was nun noch fehlt, sind die mit der Zeit folgenden Konsequenzen.

Die Befürworter der aktuellen Notenbankpolitik hoffen auf eine schnelle Belebung der Wirtschaft. Ihre Kritiker fürchten neue Spekulationsblasen. Wer recht hat, wissen wir mit letzter Sicherheit erst in einigen Jahren.

Es gibt allerdings bereits gewisse Erfahrungswerte, denn vollkommen neu ist die Politik der Notenbanken nicht. Im Westen wird seit 2008 kräftig neues Geld in das System gepresst und Japan blickt schon auf eine über 20-jährige „Erfolgsgeschichte“ zurück, die in der Rückschau eher wie eine Aneinanderreihung von Misserfolgen anmutet.

Man sei damals nicht weit genug gegangen, behaupten die Verteidiger des Systems und fordern einen verstärkten Einsatz des Medikaments ‚billiges Notenbankgeld‘. Wenn sich anschließend jedoch nicht rasch spürbare Erfolge einstellen, wächst das ohnehin vorhandene Misstrauen.

Vertrauensverlust als erste Konsequenz

Uns Deutschen wird nachgesagt, dass wir nicht unbedingt an Gott, wohl aber an die Bundesbank glauben. Gleiches für Mario Draghi und die Europäische Zentralbank zu behaupten, verbietet sich, denn in ihrer Masse stehen die Deutschen dem Treiben in der neuen Frankfurter EZB-Zentrale sehr reserviert gegenüber.

Erste Reaktionen sind bereits spürbar, obwohl Deutschland nicht unbedingt als das Land bekannt ist, in dem sich gesellschaftliche Entwicklungen und Umwälzungen besonders schnell vollziehen.

Seit Deutschlands Sparer bemerkt haben, dass sie auf ihren Sparbüchern keine Zinsen mehr erhalten, hat die Suche nach Auswegen begonnen. Eine Folge dieser Suche sind die stark gestiegenen Immobilienpreise in den Großstädten.

Man kann sie geschickt dadurch verharmlosen, indem man die gefallenen Preise für Häuser und Wohnungen auf dem Land gegenrechnet und behauptet, dass sich unter dem Strich nicht viel getan habe. Das ist nicht ganz falsch, ist aber auch nicht die volle Wahrheit.

Wehe, wenn es eine echte Flucht in die Sachwerte gibt

Wenn man so will, ist der gespaltene deutsche Immobilienmarkt von heute ein vorweggenommenes Abbild der Zukunft. Wir müssen uns nur das, was in Deutschland in Städten und ländlichen Gebieten gerade gleichzeitig geschieht, nacheinander vorstellen.

Dabei steht die Entwicklung in den Städten für jene Flucht in die Sachwerte, die noch gar nicht richtig angetreten wurde, weil die Fluchtparole noch längst nicht den Weg in alle Köpfe gefunden hat. Kommt diese Entwicklung aber irgendwann, weil das Vertrauen in das eigene Geld und die Politik der Notenbanken endgültig erschüttert wurde, sind rasant steigende Vermögenspreise nur noch eine Frage der Zeit.

Jede spekulationsgetriebene Blase wird aber früher oder später kraftlos in sich zusammenfallen. Das war bei der niederländischen Tulpenmanie im 17. Jahrhundert nicht anders als vor 20 Jahren, als mit dem Börsengang der Telekom das Zeitalter des Neuen Marktes begann.

Am Ende des Booms bestimmt nur noch die echte Nachfrage den Preis. Damit sind wir bei den zurückgehenden Immobilienpreisen in den ländlichen Regionen angekommen. Hier treffen wenige Käufer auf vergleichsweise viele Verkäufer. Die Konsequenz sind Preise, die nur noch den Weg nach unten zu kennen scheinen.

An dieser Stelle schließt sich der Kreis zum Verfallsdatum der Lebensmittel. Wenn auch die künstlich aufgepumpten Vermögenswerte kraftlos in sich zusammenfallen, ist das frische Geld aus dem Nichts, das diesen Boom einst initiiert hat, längst verfault. Spätestens dann ist es an der Zeit, es durch ein Neues zu ersetzen. Auf diesen Tag sollten Sie sich vorbereiten, auch wenn er noch einige Jahre in der Zukunft zu liegen scheint.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

PS.: Bitte teilen Sie diesen Artikel mit Ihren Freunden, damit auch diese die Möglichkeit haben, sich mit der heute besprochenen Problematik intensiv auseinanderzusetzen.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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