Viele Probleme, nur wenig Lösungen

Unübersichtliche Problemlagen sind immer auch die große Stunde der „einfachen Lösungen“ und ihrer öffentlichen Propagandisten gewesen. Im ersten Moment klingt die vermeintliche Lösung einfach und praktikabel. Erst beim genaueren Hinsehen zeigen sich nach und nach ihre Fehler und Schwächen.

So verlockend diese einfachen Lösungen sind, bei der Kapitalanlage gibt es sie nicht. Jede Strategie hat ihre Vor- und ihre Nachteile. Als Anleger bekommen Sie immer beide. Wer Ihnen etwas anderes erzählt, täuscht sie, ob unbewusst oder wider besseren Wissens, lassen wir einmal dahingestellt.      

Die Zahl der Probleme ist groß. Sie reichen, wie wir gesehen haben von niedrigen Zinsen über das Ausfallrisiko von Schuldnern und Banken bis hin zum Verbot von Bargeld und der gezielten Enteignung von Vermögen. Der Staat steht dabei im Zweifelsfall nicht auf unserer Seite, denn als einer der größten Schuldner hat er ein natürliches Interesse daran, seine Schulden zu entwerten. Das geht nur um den Preis der gleichzeitigen Entwertung unserer Guthaben.

Auch unsere Altersvorsorge ist in großer Gefahr. Gefährdet wird sie nicht allein durch die niedrigen Zinsen und den fehlenden Zinseszinseffekt. Die Tatsache, dass wir alle immer älter werden und das angesparte Geld deshalb länger reichen muss, haben viele Anleger noch nicht auf ihrer Rechnung.

Was können Sie also tun? Klassische Spareinlagen wie Tagesgeldkonten, Sparpläne und Bankanlagen sind hochgradig gefährdet. Selbst wenn die Bank kommende Krise ohne Probleme überlebt, wird die Kaufkraft Ihrer Sparanlagen beständig niedriger, weil durch die niedrigen Zinsen nach Inflation, Gebühren und Steuern eine negative Rendite verbleibt.

Schaffen Sie sich eine Grundabsicherung in Gold und Silber

Eine Flucht ins Bargeld ist ebenfalls keine Lösung, weil dieses über Nacht verboten oder wie in Indien geschehen kurzfristig aus dem Verkehr gezogen werden kann. Die Edelmetalle, allen voran Gold und Silber, sind wichtig Aus- und Fluchtwege, denn sie haben weder einen Forderungscharakter noch sind sie Bestandteil des von Schwäche gekennzeichneten Banksystems.

Sie sollten daher in jeder Anlagestrategie ihren Platz haben und von jedem Anleger in physischer Form als Barren oder Münzen gehalten werden. Auch wenn manche Goldbugs allein auf das gelbe Metall schwören, ist das Gold dennoch nicht die alleinige ultimative Lösung für all unsere gegenwärtigen Probleme. Spätestens bei einem Goldverbot wird dies auch dem überzeugtesten Goldfan schmerzhaft bewusst werden.

Meine Empfehlung lautet daher: Halten Sie unbedingt eine Grundabsicherung in Gold und Silber vor. Diese sollte rund zehn Prozent Ihres Vermögens entsprechen. Wenn Sie angesichts der drohenden Krisen stark beunruhigt sind und lieber etwas mehr Gold und Silber vorhalten möchten, beispielsweise 15 oder 20 Prozent, weil Sie dann ruhiger schlafen können, so ist das auch in Ordnung. Sie verzichten besser auf etwas mehr Rendite und erhalten sich dafür ihre Gesundheit und Ihren guten Schlaf. Das ist besser als eine besonders hohe Rendite zu erwirtschaften, nervlich aber als Wrack zu enden.

Zu 100 Prozent ins Gold gehen sollten Sie allerdings ebenso wenig wie nur in Aktien oder Immobilien zu investieren. Derartige Einseitigkeiten machen Sie angreifbar. Sie sind der König, wenn der Sektor, in dem Sie investiert sind, boomt. Aber wenn der ausgewählte Sektor Probleme bekommt, gerät Ihr Depot leicht unter Wasser und Ihre Strategie kommt in eine nur schwer zu korrigierende Schieflage.

Vermeiden Sie Extreme

Versuchen Sie aus möglichst vielen Anlageformen Ihren Vorteil zu ziehen, aber verlieben Sie sich nicht in eine einzige. Wie so oft im Leben entscheidet auch hier die Mischung. Das bedeutet, dass neben die Grundabsicherung durch die Edelmetalle als weitere Sachwertkomponente Immobilienbesitz treten sollte.

Ganz ohne Nachteile sind Häuser, Wohnungen und Gewerbeimmobilien jedoch auch nicht, denn sie sind, wie der Name schon sagt, nicht mobil und binden zudem vergleichsweise viel Kapital. Auch in normalen Zeiten sind Immobilien nicht so schnell zu verkaufen wie Anleihen, Aktien, Gold oder Silber. Je nach Objekt und Marktlage kann zwischen dem Entschluss zum Verkauf und dem Erhalt des Geldes leicht ein halbes Jahr liegen.

Eine weitere Achillesferse der Immobilien ist ihre Kreditfinanzierung. Durch den in der Immobilie gebunden Sachwert sind die Kredite selbst zwar vergleichsweise sicher und ausreichend unterlegt. Verändern kann sich während der Kreditlaufzeit jedoch die persönliche Lage des Kreditnehmers.

Positive Ereignisse wie Hochzeiten und die Geburt der Kinder können den finanziellen Spielraum ebenso verändern wie gesundheitliche Rückschläge, Arbeitslosigkeit und andere negative Ereignisse. Wurde die Kreditbelastung am Anfang zu hoch gewählt, ist langfristig auch die Immobilie in Gefahr, denn die finanzierende Bank wird auf ihr Geld nicht verzichten wollen und die Immobilie in die Zwangsversteigerung geben, wenn der Kreditnehmer Zins und Tilgung nicht mehr leisten kann.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

PS.:Egal, ob Sie meinen Gedanken zustimmen oder nicht. Lassen Sie bitte auch andere an diesem wichtigen Meinungsbildungsprozess teilhaben, indem Sie diesen Artikel mit ihren Freunden und Bekannten teilen.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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