Der Rentenmarkt ist in einer Blase

Die größten Gefahren drohen derzeit von den Anleihen, denn der Zins spiegelt das hohe Risiko, das ein Investor heute mit der Zeichnung einer Anleihe eingeht, nicht mehr angemessen wider. Erschreckend groß ist nicht nur das Volumen der Anleihen, die bereits eine negative Rendite aufweisen.

Auch die europäischen Hochzinsanleihen beinhalten ein Risiko, das den meisten Anlegern nicht bewusst ist. Nominal sind ihre Renditen noch vergleichsweise hoch. Das gleiche gilt allerdings auch für das Ausfallrisiko. Im Augenblick läuft die Wirtschaft rund und es geraten nur wenige Unternehmen in eine Schieflage. Das wird in der nächsten Rezession definitiv anders sein.      

Da Ihre Anlagestrategie nicht nur auf Schönwetterperioden ausgerichtet sein sollte, ist es wichtig, dass Ihr Depot nur solche Anleihen enthält, die auch im nächsten Abschwung nicht ausfallgefährdet sind. Für diese Anleihen gibt es aber kaum noch attraktive Zinssätze. Weil die fortgesetzte Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank die Anleger zunehmend ins Risiko treibt, ist jetzt schon absehbar, dass viele Anleihenkäufer in der nächsten Krise schwere Verluste erleiden werden.

Überlegen Sie sich deshalb gut, ob Sie vor dem Hintergrund der fortgesetzten Niedrigzinspolitik der EZB überhaupt Anleihen in Ihrem Depot haben wollen und wenn ja, welche. Zinsen gibt es so gut wie keine mehr und wenn doch, dann zu einem Risiko, das durch den Zinssatz nicht mehr adäquat aufgewogen wird.

Sind denn wenigstens die Aktien noch ein Sektor, in den man investieren kann?

Die Antwort auf diese Frage ist ein klassisches Jein. Blind in Aktien investieren kann man eigentlich nur in absoluten Boomphasen wie Ende der 1990er Jahre während der New Economy-Blase oder im Vorfeld der Finanzkrise. In diesen Zeiten pflegt die Flut alle Boote anzuheben, die guten wie die schlechten. Dann steigen alle Aktien unabhängig davon, ob das Geschäftsmodell solide ist und die Firma Gewinn macht.

In allen anderen Zeiten haben wir Anleger die schwierige Aufgabe die Spreu vom Weizen zu trennen. Das ist nicht immer leicht, aber unumgänglich. Zwei grundsätzlich verschiedene Kriterien stehen Ihnen dabei zur Verfügung: die Charttechnik und die fundamentale Analyse.

Die Charttechnik analysiert den Kursverlauf der Aktie und versucht aus den sich im Chart darstellenden Mustern Prognosen für die Zukunft zu erstellen. Für viele ist das Kaffeesatzleserei für andere Anleger das einzige Kriterium nach dem investiert wird. Weder die eine noch die andere Sichtweise wird der Charttechnik wirklich gerecht.

Weil an der Börse immer mit Wahrscheinlichkeiten gehandelt wird und weil gewisse Muster in den Charts immer wieder auftauchen, sind Aussagen wie der Kurs wird mit hoher Wahrscheinlichkeit an diesem Widerstand oder dieser Unterstützung abprallen und zumindest kurzfristig in die Gegenrichtung laufen, durchaus berechtigt.

Wichtige Hilfsmittel für die eigene Aktienauswahl

Eine absolute Sicherheit gewinnt man auf diese Weise nicht, wohl aber eine gute Einschätzung über die möglichen weiteren Kursverläufe. Diese kann man nicht nur als kurzfristig orientierter Trader, sondern auch als langfristig agierender Anleger für sich nutzen. Man bekommt dadurch nicht nur eine fundiertere Meinung dazu, ob man eine Aktie kaufen soll, sondern erkennt auch in den Charts, wann und wo man kaufen und ggf. wieder verkaufen soll.

Die Chattechnik wird damit auch für den langfristigen Investor zu einem wichtigen Hilfsmittel. Ein unverzichtbares Mittel ist sie nicht. Aber wer auf sie verzichtet, gibt viele wertvolle Hinweise und Informationen leichtfertig aus der Hand. Weil dies nicht klug ist, sollten auch Sie als Anleger die Charttechnik nutzen und zum Beispiel zur besseren Bestimmung des Einstiegszeitpunkts heranziehen.

Eine der großen Schwächen der Charttechnik ist, dass sie bestehende Trends fortschreibt. Solange sich in einem Chart keine Hinweise auf einen bevorstehenden Trendbruch ergeben, besteht dazu auch keine unmittelbare Notwendigkeit. Wenn sich die Anleger jedoch in eine Aktie verlieben und bestehende Gefahren ignorieren, wird leicht ein Trend fortgeschrieben, der auf der Basis der Gewinne der Firma schon längst nicht mehr berechtigt ist.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

PS. Auch wenn die Informationen auf 7vor8.de für Sie kostenlos sind: In jedem Artikel stecken eine gründliche Recherche und eine Menge Aufwand. Deshalb meine Bitte an Sie: Teilen Sie diese Kolumne mit Ihren Freunden und Bekannten, wenn Sie möchten, dass auch andere die Möglichkeit haben von diesen wertvollen Informationen zu profitieren.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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