Treibt das Risiko die Anleger in den Ruin?

Wenn Träume an der harten Wirklichkeit zerplatzen, ist die Desillusion meist nicht weit. Was im allgemeinen Leben so ist, ist an der Börse kaum anders. So war es nicht verwunderlich, dass sich viele Anleger nach der Finanzkrise enttäuscht von der Börse abwenden und ihr für immer den Rücken zukehren. So verständlich diese Reaktion ist, so falsch ist sie auf der anderen Seite.

Erschreckt hat die Finanzkrise eigentlich alle, die privaten Anleger ebenso wie die Institutionellen. Besonders erschrocken zeigten sich die Notenbanken. Sie fürchteten offen gesagt nicht mehr und nicht weniger als den vollständigen Zusammenbruch unseres Finanzsystems.      

Um die Banken zu retten und die Schlagseite des Systems nicht zu offensichtlich werden zu lassen, kaschierten sie seine Schwächen mit Zinsen, die auf ein unnatürlich tiefes Niveau abgesenkt wurden.

Da die Sorge um die Überlebensfähigkeit des Finanzsystems bis heute fortbesteht, sind auch Jahre nach der Finanzkrise die Zinsen noch nicht wieder auf ein normales Maß angestiegen.

Des Einen Freud ist des Anderen Leid

Die Kreditnehmer freut dieser Zustand, aber die Sparer zahlen die Zeche. Ihre Guthaben bringen keine oder nur noch marginale Zinsen, während gleichzeitig die Inflation kontinuierlich an ihrer Kaufkraft nagt.

Auf ihrer verzweifelten Jagd nach höheren Zinsen gehen viele Anleger heute ein immer höheres Risiko ein. Sie zeichnen Anleihen aus Griechenland, der Ukraine oder der Mongolei nur um nach Steuern und Inflation noch eine positive Realrendite zu erwirtschaften. Das Risiko, das sie dabei eingehen, blenden die meisten vollkommen aus.

Nicht viel anders ergeht es jenen Anlegern, die auf die Anleihen von Unternehmen aus Deutschland oder den europäischen Nachbarstaaten ausweichen. Auch diese zapfen den Kapitalmarkt immer öfter an, denn die Kosten für die Aufnahme von Fremdkapital haben sich nicht nur für die hochverschuldeten Staaten, sondern auch für Industrie- und Dienstleistungsunternehmen stark ermäßigt.

Das Risiko trägt wieder einmal der Käufer der Anleihe. Er muss hoffen, dass das Unternehmen am Markt überlebt und auch in Krisenzeiten so hohe Gewinne erwirtschaftet, dass die Zinsen bezahlt und die Anleihe am Ende der Laufzeit vollständig zurückgezahlt werden kann.

Die Anleger blenden die Gefahren vieler Anlageformen bewusst aus

Momentan ist dies noch den meisten Unternehmen möglich, doch in unserem zyklischen Wirtschaftssystem ist eines sicher: Der nächste Abschwung kommt bestimmt. Die Notenbanken versuchen zwar seine Ankunft hinauszuzögern, doch vollständig verhindern können sie eine zukünftige Rezession nicht. Wenn sie kommt, sinken auch die Gewinne der Unternehmen.

Gefährdet sind dann insbesondere die Unternehmen, die hoch verschuldet sind. Ihnen drohen nicht nur die Einnahmen wegzubrechen, sondern auch die Refinanzierung auslaufender Anleihen wird dann schwierig, weil am Kapitalmarkt aufgrund des gestiegenen Risikos wieder höhere Zinsen zu zahlen sind.

Institutionelle wie private Anleger sind deshalb gut beraten, das Ausfallrisiko von Anleihen nicht zu vernachlässigen. Doch genau dies geschieht momentan. Das Ausfallrisiko wird sträflich vernachlässigt wie die niedrigen Zinsen für europäische „Hochzinsanleihen“ zeigen.

Diese sogenannten Junk-Bonds sind im Zweifelsfall das, was ihr wenig schmeichelhafter Name aussagt: Schrott. Will heißen, wenn ein Unternehmen pleite ist, fallen auch Zinszahlungen und Tilgung sofort ins Wasser. Das eingesetzte Kapital ist in diesen Fällen meist unwiederbringlich verloren.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

PS.: Bitte teilen Sie diesen Artikel mit Ihren Freunden, damit auch diese die Möglichkeit haben, sich mit der heute besprochenen Problematik intensiv auseinanderzusetzen.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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