Kapitalanlage ist einfach! Wirklich?

Mit Geld kann angeblich jeder umgehen. Jeder! Das Wissen darum, was Geld ist, wie es entsteht, wie man am besten mit ihm umgeht und wie man es gewinnbringend vermehrt, ist so selbstverständlich und so weit verbreitet, dass man die Grundlagen nicht einmal in der Schule lernen muss.

Selbst das Autofahren muss um einiges schwieriger sein, denn man muss erst eine Fahrschule besuchen und seine Fähigkeit zur Teilnahme am Straßenverkehr in einer theoretischen und praktischen Prüfung unter Beweis stellen, bevor man berechtigt ist, sich selbst an das Steuer eines Autos zu setzen.      

Ein Konto eröffnen darf hingegen jeder. Wenn die Bank den potentiellen Neukunden trotzdem nicht will, ist die Ursache selten rechtlicher Natur. Meist sind es die schlechten Erfahrungen, die andere Banken mit diesem Kunden gemacht haben, die das Institut vorsichtig werden lassen. Denn wer lässt schon gerne einen Menschen mit einem Kredit, also mit fremden Geld spielen, der in der Vergangenheit bereits den Beweis erbracht hat, dass er auch mit seinem eigenen Geld nicht gut umgehen kann?

Auch im Haifischbecken der Börse kann jeder mitschwimmen. Eine Zugangssperre gibt es nicht, außer der, dass alle, die hier Geschäfte abschließen wollen, volljährig sein müssen. Volljährig wird allerdings auch der Dümmste, wenn er nur lang genug wartet. Womit klar ist, dass auch diese „Zugangsberechtigung“ nur eine halbherzige Kontrolle des allgemeinen Zugangs darstellt.

Da wir in einem freien Land leben, kann der Staat nicht den Zugang zu einem Markt oder einem Geschäftsfeld willkürlich verschließen. Er soll es auch gar nicht. Aber er kann den Zugang auch dann steuern, wenn er ihn nicht scharf regulieren will. So wie der Staat es im Straßenverkehr auch tut. Hier wird der Zugang bei Weitem nicht so stark reguliert wie beispielsweise im Apothekenbereich und dennoch ist sichergestellt, dass nicht jeder unreguliert und ohne Vorkenntnisse alles tun darf.

Der Umgang mit Geld ist viel zu einfach, als dass man ihn in der Schule lernen muss

Im Bereich des Geldes existieren derartige Grenzen und Regeln allerdings so gut wie nicht. Hier ist anscheinend jeder immer noch seines eigenen Glückes Schmied, und ob am Ende bei den zahlreichen Versuchen, das eigene Geld zu vermehren, etwas Positives herauskommt, interessiert den Staat nur im Erfolgsfall.

Denn im Erfolgsfall will er über die Kapitalertragssteuer seinen Anteil am Kuchen und diesen auch besonders schnell, weshalb die Steuer praktischer Weise gleich an der Quelle von den Banken einbehalten wird, zumindest wenn diese ihren Sitz im Inland haben. Wäre ja auch viel zu gefährlich, wenn Sie Ihren Zins- oder Börsengewinn schon ausgegeben hätten, bevor Sie im nächsten Jahr Ihre Steuererklärung abgegeben und die notwendigen Zahlungen ans Finanzamt geleistet haben.

Der Staat hat auch nichts dagegen, wenn seine Bürger ihr Geld in Lotterien oder im Casino einfach nur aufs Spiel setzen, weil sie fälschlicher Weise glauben, dies sei erstens der schnellste und zweitens der einfachste Weg zu Glück und Reichtum. Auch hier gilt wieder: Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied und reguliert wird nur bis wann der Lottoschein abgegeben sein muss und in welcher Kleidung das Casino betreten werden darf.

Man hat zwar in allen Lotterien, selbstverständlich auch den staatlichen, bis auf die vierte Nachkommastelle ausgerechnet wie gering die Gewinnchance des Spielers ist, aber gespielt wird trotzdem. Die einen spielen aus Langeweile, oder weil sie es nicht besser wissen, und die anderen am Ende aus purer Verzweiflung. Vater Staat lässt sie alle gerne spielen, weil er über seine Steuern und die staatlichen Casino- und Lotteriegesellschaften fleißig mitkassiert.

Staatliche Regulierung nur zum eigenen Vorteil

Wenn im Finanzbereich reguliert wird, dann nicht unbedingt zum Wohl des Kunden. Ein Grund für die schwache Performance von Lebensversicherungen in den letzten Jahren waren ihre geringen Aktienquoten. Das Geld der Kunden wurde nur zu einem kleinen Teil am boomenden Aktienmarkt angelegt. Der Löwenanteil wurde in Immobilien und „ausfallsichere“ Staatsanleihen gesteckt – auch in die griechischen.

Ein Teil der Schuld tragen die Versicherungskonzerne selbst. Sie waren gierig, als sie hätten ängstlich werden sollen und sie waren ängstlich, als sie hätten investieren müssen. So hatten sie zur Jahrtausendwende, als der Neue Markt crashte, und sieben Jahre später am Beginn der Finanzkrise recht hohe Aktienquoten, während in den Jahren nach der Krise, als die Aktienmärkte ihre Tiefs markierten und drehten, die Investitionsquoten niedrig waren und es auch weiterhin blieben.

Den Versicherungsgesellschaften jedoch die alleinige Schuld an der Misere zu geben, wäre unfair, denn unsere Politiker hatten ihre Finger mit im Spiel. Sie haben per Gesetz die Versicherungen dazu verdonnert, den größten Teil der Kundengelder in festverzinsliche Anleihen mit hoher Bonität, also Staatsanleihen, zu stecken. Das hat die Staaten auch in Zeiten niedriger Zinsen zu keinem Zeitpunkt vom so dringend benötigten frischen Kapital abgeschnitten.

Die Versorgung des Staates mit frischen Krediten war durch diesen rechtlichen Glücksgriff gesichert, die Altersversorgung der Kunden nicht. Sie wurden mit niedrigen und teilweise sogar negativen Zinsen beglückt, während der Aktienmarkt haussierte und die DAX- und MDAX-Unternehmen Jahr für Jahr immer höhere Summen als Dividenden an ihre Aktionäre ausschütteten. Ein Schelm, wer sich böses bei diesem abgekarteten Spiel denkt.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

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About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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