Erst die Arbeit, dann das Vergnügen contra jetzt haben, später zahlen

Die älteren Generationen sind noch mit dem Gedanken vertraut, dass man die Mark oder den Euro nur einmal ausgeben kann. Das hatte zur Folge, dass bevor das Geld ausgegeben wurde, immer eine sorgfältige Abwägung vorgenommen wurde, welche der vielen Wünsche wichtiger sind und welche hinter ihnen zurückstehen müssen.

Je jünger die Menschen sind, desto vertrauter sind sie mit dem Gedanken des jetzt haben, später bezahlen. Es ist ein verführerischer Gedanke und ein sehr gefährlicher dazu. Psychologisch dreht er das Motiv der Belohnung um. Statt erst die Arbeit, dann das Vergnügen, folgt jetzt die Arbeit erst, nachdem das Vergnügen bereits erlebt wurde.      

Motivierend ist dies in den seltensten Fällen. Die Vorfreude wird immer kürzer und der Druck, noch für etwas arbeiten zu müssen, von dem man möglicherweise gar nichts mehr haben wird, weil es schon längst Geschichte ist, wie der finanzierte Urlaub, kann sehr leicht sehr unangenehm werden.

Es ist nicht nur die Gefahr, wenn man nicht aufpasst, am Ende in der Schuldenfalle zu landen, die diesen Lebensentwurf zu einer permanenten Gratwanderung macht. Viel schwerer wirkt, dass ein Entrinnen aus den fremden Hamsterrädern immer schwerer und am Ende ganz unmöglich wird, wenn man beständig noch Altlasten aus seinem Konsumentendasein aufzuarbeiten hat. Ein wirklich angenehmes Leben und Genießen ist dies in den meisten Fällen nicht.

Der Trick besteht darin, den Kreislauf am Anfang zu durchbrechen

Die Freiheit beginnt da, wo wir Menschen gelernt haben, nein zu sagen und uns aus gutem Grund den an uns herangetragenen Wünschen und Aufrufen zu verweigern. Der Investor hat diese Freiheit und sie ist ein Grund, warum er langfristig etwas erreichen wird, das dem ewigen Konsumenten immer verwehrt sein wird.

Der Investor weiß um die Bedeutung des Anfangs und er weiß um die Macht der vielen kleinen Schritte. Da jeder Euro nur einmal ausgegeben werden kann, entscheidet er sich gleich zu Beginn für die Investition und zwar für die echte. Überschüssiges Geld wird nicht ausgegeben, um es sich heute gut gehen zu lassen, sondern es wird investiert, um in Zukunft eine gute Rendite zu bringen.

Diese Rendite ist es, die dem Investor in einigen Jahren ein Leben ermöglichen wird, von dem der reine Konsument nur träumen kann. Der Schlüssel zum Verständnis dieser Aussage liegt im Zinseszinseffekt. Bringt das Geld, auf dessen sofortigen Konsum man einmal verzichtet hat, einen regelmäßigen Ertrag, steht man wieder vor der Entscheidung, diesen sofort zu konsumieren oder ihn zu reinvestieren.

Nicht jeder ist immer in der Lage, all seine Überschüsse zu investieren. Doch je früher und je häufiger dieser Schritt vollzogen werden kann, umso schneller baut sich ein Kapitalstock auf, der es uns am Ende möglich macht, uns Stück für Stück langsam aus den uns umgebenden Hamsterrädern zurückzuziehen.

Wenn ich reich bin und Geld habe, dann werde ich dieses investieren

Mit linearen Entwicklungen kommen die meisten Menschen gut zurecht. Sie haben aber oftmals große Schwierigkeiten, sich exponentielle Prozesse vorzustellen. Viele denken auch dann noch linear und unterschätzen völlig die Dynamik, die eine solche Veränderung nehmen kann.

Am Anfang ist der Unterschied noch gering. Man muss schon sehr genau hinsehen, um ihn überhaupt zu erkennen. Doch mit jedem Jahr wächst der Abstand. Die Zeit ist dabei ein mächtiger Verbündeter für den Investor. Er lässt sie ebenso wie sein Geld für sich arbeiten, während der reine Konsument immer nur im hier und jetzt lebt und vor lauter Ablenkung gar nicht mitbekommt wie er vom einen Hamsterrad ins nächste verschoben wird.

Von diesen Menschen hört man Sätze wie diesen: Wenn ich reich bin und Geld habe, dann werde ich dieses investieren. Viele, die solche Äußerungen von sich geben, werden nie Geld übrig haben. Sie werden folglich auch nie investieren und nie reich werden. Unabhängig werden sie im Übrigen auch nicht werden.

Jeder Mensch definiert Reichtum anders und zum Glück beschränken immer mehr Menschen die Bedeutung dieses Begriffs nicht nur auf das Materielle oder gar Finanzielle. Aber egal, ob materieller Reichtum oder finanzielle Unabhängigkeit gemeint sind oder aber die psychologische Unabhängigkeit angestrebt wird, beides bewahrt uns davor, zu oft den Hamster in fremden Laufrädern abzugeben.

Der reine Konsument weiß nicht um diesen Zusammenhang und verliert sich am Ende in ihm. Ganz anders der Investor. Er weiß zwar, dass er nicht mit jedem Investment den ganz großen Wurf landen wird. Manches wird sicher auch schiefgehen. Aber er weiß, dass wenn er sein Geld frühzeitig investiert, es lange für sich arbeiten lässt und eine breite Streuung seiner Anlagen anstrebt, er am Ende nur an Unabhängigkeit und Souveränität gewinnen kann.

Im Gegensatz zu vielen Zeitgenossen weiß er nicht nur um den Zauber, der jedem Anfang innewohnt, sondern auch um die Bedeutung. Aus diesem Grund hat er auch keine Bedenken klein anzufangen und in Ruhe einen Schritt nach dem anderen zu gehen. Klein anzufangen ist für ihn weder Problem noch Schande. Aber unterwegs stehen zu bleiben und das langfristige Ziel aus den Augen zu verlieren, ist eine Katastrophe, die er unter allen Umständen vermeiden will.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

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About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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