Mut zum Risiko! Über Nacht reich werden ist möglich!

Reich zu werden, das ist für viel Menschen ein Ziel, dem sie ihr Leben lang folgen. Es bestimmt ihr Denken und fast jeden ihrer Tage. Die Einen arbeiten bis zum Umfallen und kommen ihrem Ziel doch nicht immer so nah, wie sie es sich wünschen. Die Anderen sehen dies, sind abgeschreckt und suchen nach der ultimativen Abkürzung. Aber das Ziel, steinreich zu werden, haben sie auch – am besten über Nacht.

Weil alles so schnell gehen muss und Zeit wieder mal Geld ist, das man in diesem Fall nicht hat, um es für schöne Dinge unbeschwert auszugeben, geraten bei der Suche nach dem vermeintlich schnelleren Weg zu Glück und Reichtum zwangsläufig die Wege besonders schnell in den Blick, die uns den Zugang zum Erträumten über Nacht zu versprechen scheinen.      

Besonders beliebt sind in diesem Zusammenhang Lotterien und Spekulationsblasen an der Börse. Einmal die richtigen Zahlen ankreuzen und dann als Lotto-Milionär nach Thailand oder in die Karibik auswandern und sich dort ganzjährig die Sonne auf den Bauch scheinen lassen, während hierzulande alle Welt wie gehabt morgens noch im Stau steht und sich im November über das nasskalte Wetter ärgert.

So schwer kann es doch gar nicht sein. Es geht doch nur um sechs lausige Zahlen und wenn andere es schaffen, diese richtig zu tippen, dann wird man doch auch selbst irgendwann einmal Glück haben dürfen. Die Bilder der Glücklichen sind bekannt. Immer wieder, wenn ein Spieler den Jackpot abräumt und einen besonders großen Gewinn einsackt, sind die Zeitungen voll von den entsprechenden Berichten.

Am Samstag werde ich der neue Lotto-König!

Ganz nebenbei: Die Journalisten kämen gar nicht auf die Idee, dieses Stories zu schreiben, wenn sie nicht genau wüssten, wie begeistert sie gelesen werden. Ähnlich ist es mit den abgedruckten Horoskopen. Wenn diese aus Versehen fehlen, ist die Zahl der Leserbriefe gleich besonders hoch.

Aber zurück zum Thema: Man setzt uns aus gutem Grund immer wieder nur die Geschichten vor, die dem Lottospieltrieb förderlich sind. Die anderen werden uns – auch nicht ohne Grund – nach Möglichkeit verschwiegen. Wir lesen oder hören dann von den Spielern, die es geschafft haben. Entweder, weil sie ein System hatten, das seine Funktionsweise wieder einmal eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat, oder weil sie pures Glück hatten und nur durch einen Fehler, die Zahlen angekreuzt haben, die am Ende zu ihrem großen Gewinn geführt haben.

Nicht gezeigt bekommen wir die Gesichter der Enttäuschten. Woche für Woche ist ihre Zahl um ein Vielfaches höher als die der strahlenden Gewinner und so mancher Gewinner bekommt gerade einmal etwas mehr als seinen Einsatz zurück. Die Verlierer wenden sich interessanterweise in den meisten Fällen nicht vom Spiel ab, sondern probieren es in der nächsten Woche erneut, denn irgendwann muss es ja mal klappen mit dem großen Gewinn.

Ganz tragisch sind die Fälle, bei denen der Gewinn tatsächlich kommt, aber bei einem notorischen Konsumenten landet. Diese Gewinner haben es nie gelernt, Geld richtig zu investieren. Aber wie man Geld mit beiden Händen ausgibt, dieses Fach beherrschen sie aus dem Effeff. Was folgt, lässt sich in vielen Fällen an den Fingern einer Hand abzählen: Der Gewinn, mag er auch noch so groß sein, ist schnell wieder verloren.

Auch an der Börse kann man kinderleicht über Nacht reich werden

Am Ende steht mancher dieser unglücklichen Zeitgenossen ärmer dar als vor seinem Gewinn. Nicht einmal mehr die „Freunde“ sind am Ende des Geldes geblieben. Diese unangenehme Erfahrung macht auch so mancher Börsennovize, den eine glückliche Fügung in das Zentrum einer manischen Spekulation gestellt hat. Ende der 1990er Jahre war die halbe Welt von dem Virus befallen und und Aktien, die irgendetwas mit dem damals den meisten Menschen noch unbekannten Internet zu tun hatten und maßlos Geld verbrannten, standen hoch im Kurs.

Solche Spekulationen kommen und sie gehen auch wieder. Viele Anleger werden dann über Nacht reich. Ende der 1990er Jahre war es die sogenannte New Economy, die rund um den Globus die Investoren verwirrte. Rund 70 Jahre zuvor, kurz vor dem Beginn der Weltwirtschaftskrise, hatten die damals neuen Radio- und Automobilwerte einer ganzen Anlegergeneration regelrecht den Verstand geraubt. Ein Jahrhundert zuvor um 1870 waren die Anleger vernarrt in die Eisenbahnaktien, um 1830 kauften sie sich massiv in die Kanalbaugesellschaften ein und in den 1630er Jahren wurde in den Niederlanden ein Seemann fast gelyncht, weil er eine der damals sündhaft teuren Tulpenzwiebeln mit einer gewöhnlichen Speisezwiebel verwechselt und gegessen hatte.

Heute sind es die Bitcoins, die den Anlegern den Verstand rauben und Menschen hohe Risiken eingehen lassen, nur weil sie glauben, sie hätten einen deutlich schnelleren Weg zum weit entfernten Ziel gefunden. Ob dem für die Masse wirklich so sein wird, bleibt abzuwarten. Die Charts der Vergangenheit sprechen an dieser Stelle eine sehr eindeutige Sprache.

So steil auf der einen Seite des Berges die Kurse steigen, so schnell fallen sie auch auf der anderen Seite wieder. Viele Ende 2017 auf dem Höhepunkt der Bitcoin-Euphorie in die Kryptowährungen eingestiegenen Anleger mussten in den ersten Monaten des Jahres 2018 diese bittere Erfahrung machen, wobei noch lange nicht sicher ist, dass die Bitcoin-Blase schon endgültig geplatzt ist. Das kann sein. Wir können aber auch ebenso gut erst da stehen, wo der Neue Markt sich im Jahr 1998 befunden hat.

Gold! Gold! Gold!

Niemand weiß wann die Blase platzen wird. Die Kritiker warnen zwar vollkommen zurecht, aber meist schon viel zu früh und die Optimisten sind meist viel zu beschäftigt damit, schnell Geld zu verdienen, als dass sie wirklich die Zeit und die Muße haben, die Zeichen der Zeit beizeiten zu erkennen.

An der Börse ist prinzipiell alles möglich. Gute und an sich solide Unternehmen können über Nacht in große Schwierigkeiten kommen und grottenschlechte Firmen von den Anlegern in einer Manie mit geradezu wahnsinnigen Bewertungen bedacht werden. Alles, was sicher zu sein scheint, ist dass sich die Charts mit den Kursen von links nach rechts entwickeln.

Aber auch für diese Behauptung würde ich meine Hand nicht unbedingt ins Feuer legen wollen. Zu unberechenbar und zu launisch ist das hysterische Wesen Börse. Das gilt ganz besonders für die Zeiten, in denen sich mal wieder ein moderner Goldrausch entlädt und alles mitzureißen scheint, was sich ihm in den Weg stellt. Die Gier kennt dann meist keine Grenzen und die Unvorsichtigkeit selbstverständlich auch nicht.

Es ist dann wie beim Lotto. Einige Wenige finden, das Gold, das alle suchen und werden reich und berühmt. Nicht unbedingt reich und bekannt, aber dafür durchaus sehr wohlhabend werden in jenen Jahren auch die, die zwar selbst nicht nach Gold suchen, wohl aber den Goldsuchern die benötigten Siebe und Schaufeln verkaufen.

Man wird mit diesem Geschäft nicht unbedingt steinreich, schon gar nicht über Nacht. Aber es ist in der Tat eine sehr erträgliche Einkommensquelle. Wer als Anleger sie für sich erschließt, der macht auch dann einen guten Schnitt, wenn kein Gold mehr gefunden wird und der Trupp der Schatzsucher enttäuscht nach einer neuen Hoffnung sucht und weiterzieht.

Mut zum Risiko ja – aber nur ein gut kalkuliertes

Wer das eigene Haus nicht verlässt, der wird den Sonnenschein niemals in seiner vollen Schönheit erleben, selbst wenn er im Glashaus sitzt und wer sich und seine Haut allzu leichtfertig der heißen Mittagssonne aussetzt, der kann schon am Abend über einen ausgewachsenen Sonnenbrand klagen.

Die Kunst besteht auch bei Ihren Anlagegeschäften darin, die Sonne zu genießen, ohne sich einen Sonnenbrand einzufangen. Das tut man am besten, indem man sich nur moderat der Sonneneinstrahlung aussetzt. Ein kalkuliertes Risiko ist eine Gefahr, mit der man umgehen kann, weil man weiß, wann der Bogen überspannt ist und man sich zurückziehen muss.

Auf die Aktienanlage bezogen bedeutet dies: Es ist besser untätig im Schatten zu stehen, wenn die Meute meint, dem Traum vom schnellen Reichtum frönen zu müssen. Wer sich als Anleger von übertriebenen Kursspekulationen bewusst fernhält, der wird am Stammtisch nie von seinen ganz großen Spekulationserfolgen erzählen können. Bei so manchem kurzfristigen Modethema wird er sogar nicht einmal wirklich mitreden können.

Dafür haben diese Anleger, wenn sie beispielsweise ihr Geld recht konservativ in dividendenstarke Aktien investieren, einen Vorteil, der auch am Stammtisch zählt: Sie haben über die Dividende beständig Teil am Erfolg ihrer Unternehmen. Mit diesem Geld können sie sich anschließend zwar keinen Palast und auch keinen Privatjet leisten. Aber den Freuden auch dann noch das eine oder andere Bier spendieren, wenn die Börse gerade den Rückwärtsgang eingelegt hat, das können sie.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

PS.:Egal, ob Sie meinen Gedanken zustimmen oder nicht. Lassen Sie bitte auch andere an diesem wichtigen Meinungsbildungsprozess teilhaben, indem Sie diesen Artikel mit ihren Freunden und Bekannten teilen.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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