Chinas Rentenmarkt steht vor einem neuen Entwicklungsschub

Der chinesische Kapitalmarkt ist seinen Kinderschuhen entwachsen. Er wird damit auch für Anleger aus dem Ausland immer interessanter. In den letzten Monaten trübte zwar der Streit zwischen China und den USA um Handelsbilanzen und Zölle das Bild, doch langfristig bietet der Kapitalmarkt im Reich der Mitte neben großen Problemen auch ein enormes Potential.

Zwar sind die extrem hohen Wachstumsraten von zehn Prozent und mehr auch in China inzwischen Geschichte, doch noch immer wächst das Land mit Wachstumsraten zwischen fünf und sechs Prozent und damit weit stärker als die entwickelten Volkswirtschaften im Westen.      

Für den chinesischen Kapitalmarkt bleibt das hohe Wachstum in China selbst wie auch in den anderen asiatischen Staaten eine wichtige Stütze, denn es gibt den Anlegern die Gewissheit, dass die Anleihen auch bedient und bei Fälligkeit auch zurückgezahlt werden können.

Erst wenn die Verschuldung auf Dauer deutlich schneller steigt als die wirtschaftliche Gesamtleistung des Landes, erwächst dem Bondmarkt ein Problem, weil die Anleger in diesem Fall damit rechnen müssen, dass viele Unternehmen und ggf. auch der chinesische Staat ihre aufgenommenen Schulden nicht mehr bedienen können und die Zahl der Kreditausfälle deutlich ansteigt.

Der Strukturwandel schreitet voran

Gleichzeitig hat die Regierung in Beijing dem Land einen gravierenden Strukturwandel verordnet. China will nicht länger die Werkbank der Welt sein, sondern sich zu einem technologisch an der Spitze stehenden Land entwickeln. Hier konnte das Land in den letzten Jahren große Fortschritte erzielen und spektakuläre Erfolge verzeichnen, wie beispielsweise die Landung einer Sonder auf der Rückseite des Mondes beweist.

Der noch junge chinesische Kapitalmarkt durchlebt gerade seinen ersten Kreditzyklus und muss mit einer ersten Ausfallwelle fertig werden. Die Regierung in Beijing lässt aber erkennen, dass sie gewillt ist, das Land mit mit einer lockeren Geld- und Fiskalpolitik durch die Stürme der Zeit zu führen.

Die Geldmenge soll erhöht und die Liquiditätsversorgung verbessert werden. Dabei muss die Regierung jedoch darauf achten, dass das Kreditwachstum nicht aus dem Ruder läuft, denn die absolute Verschuldung ist ohnehin schon recht hoch und auch die relative Höhe der Schulden zum Bruttoinlandsprodukt nahmt zur Vorsicht.

Seit 2014 fließt immer mehr Geld aus dem Ausland in den chinesischen Kapitalmarkt. So flossen im Jahr 2018 rund 100 Milliarden US-Dollar in den chinesischen Onshore-Markt. Im ersten Moment mag sich das Volumen nicht sonderlich spektakulär anhören. Ein anderes Verhältnis zu dieser Zahl ergibt sich jedoch, wenn man bedenkt, dass diese Summe dem gesamten Volumen entspricht, mit dem ausländische Investoren in brasilianische Staatsanleihen investiert sind.

Bloomberg als Treiber

Ein weiterer Grund, den chinesischen Rentenmarkt nicht unbeachtet zu lassen ist die bevorstehende Aufnahme chinesischer Staatsanleihen in wichtige internationale Indizes. Eine wichtige Veränderung wird in wenigen Tagen vollzogen werden, wenn im April chinesische Anleihen in den Bloomberg-Barclays-Global-Aggregate-Index aufgenommen werden.

Dieser Index stellt eine wichtige Benchmark für Anleihen dar und findet unter den Akteuren am Rentenmarkt entsprechend Beachtung. Rentenexperten rechnen deshalb damit, dass dieser Schritt die Kapitalzuflüsse in chinesische Bonds weiter anfachen wird.

Bloomberg gilt hier als der Trendsetter, dem weitere Indexanbieter folgen werden, sodass für den Markt weitere 300 bis 400 Milliarden US-Dollar als Mittelzuflüsse zu erwarten sind.

Für die kommenden Jahre ist deshalb zu erwarten, dass nicht nur Rohstoffe im großen Umfang in die Volksrepublik geliefert werden. Auch das internationale Kapital dürfte auf seiner Suche nach mehr Rendite immer öfter im Reich der Mitte Halt machen.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

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About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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