Wie international sind Sie ausgerichtet?

Die seit den 1980er Jahren immer stärker werdende Globalisierung hat unsere Lebens- und Arbeitswelt grundlegend verändert. Wir konsumieren Produkte aus China und fertigen selbst Produkte, die nach Brasilien, Vietnam oder Kanada exportiert werden. Im Supermarkt kaufen wir Obst aus Südafrika und Schnittblumen aus Ecuador. Das alles tun wir mit einer Selbstverständlichkeit, die uns keine weiteren Fragen mehr stellen lässt.

Nur in unseren Aktiendepots ist die Globalisierung irgendwie noch nicht angekommen. Hier sind viele deutsche Anleger immer noch ausschließlich im Inland investiert. Der Schritt über die Grenzen hinweg wird nur sehr selten vollzogen und wenn doch, so kommen die „Exoten“ aus der Schweiz oder Österreich.      

So verständlich diese Auswahl vor dem Hintergrund der Sprachbarriere ist, so gefährlich und einseitig ist sie gleichzeitig, wenn auch die Gefahren von Problemen in einzelnen Branchen, politische Krisen und wirtschaftlichen Rezessionen mit in den Blick genommen werden.

Mit Dieselgate in den Börsenabgrund

Ein Blick auf den DAX zeigt warum. Der deutsche Leitindex zeichnet sich nun schon seit gut zwei Jahren durch eine relative Schwäche gegenüber den amerikanischen Aktien aus. Während die US-Börsen in den Jahren 2017 und 2018 neue Hochs erklommen, kämpfte der deutsche Leitindex mühsam darum, den Anschluss nicht zu verlieren.

Fragt man nach dem Grund für diese Misere, so kommt früher oder später die Dieselaffäre der deutschen Automobilindustrie zur Sprache. Sie beschäftigt die Anleger seit dem Herbst 2015 und hat dazu geführt, dass die deutschen Autobauer derzeit mit ausgesprochen niedrigen Kurs-Gewinn-Verhältnissen bewertet werden.

Eine ganz andere Sprache als die vergleichsweise niedrigen Börsenkurse sprechen die veröffentlichten Produktions- und Absatzzahlen. Sie belegen, dass der Motor noch rund läuft. Doch da an der Börse die Vergangenheit herzlich wenig interessiert, wenn dunkle Wolken über der Zukunft hängen, können die guten Produktions- und Absatzzahlen die Sorgen der Anleger über die Spätfolgen des Dieselskandals nicht verdrängen.

Eine hohe Dividende ist kein Ersatz für eine langfristige Perspektive

Den einen oder anderen Dividendenjäger mag das freuen, denn der Geschäftserfolg führt zu einer höheren Dividende, die sich angesichts der vergleichsweise niedrigen Kurse in einer hohen Dividendenrendite niederschlägt.

Doch so erfreulich eine hohe Dividendenrendite ist, wenn der Verzicht auf mögliche Kursgewinne der Preis ist, der für diesen „Vorteil“ zu zahlen ist, dann kann sich jeder Anleger leicht ausrechnen, ab welchem Punkt der vermeintliche Vorteil endgültig in einen klaren Nachteil umschlägt.

Krisen und Skandale wie die Dieselaffäre gibt es nicht nur hierzulande. Wer aber als Anleger ausschließlich auf einen Markt oder gar eine einzige Branche setzt, beraubt sich der Chance, die negativen Folgen dieser Skandale durch eine breitere Streuung seines Portfolios abzufedern und die Gefahr damit zu minimieren.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

PS.: Bitte teilen Sie diesen Artikel mit Ihren Freunden, damit auch diese die Möglichkeit haben, sich mit der heute besprochenen Problematik intensiv auseinanderzusetzen.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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