Arbeiten Sie bereits mit dem für Sie richtigen Broker zusammen?

Die Frage scheint im ersten Augenblick ein wenig banal zu klingen. Doch wer etwas näher auf die Details schaut, der wird schnell erkennen, dass die Frage durchaus ihre Berechtigung hat, denn sie lenkt unseren Blick auf einen wichtigen Punkt, der immer wieder leicht übersehen wird: die versteckten Kosten bei der Kapitalanlage.

Bei allen Formen der Kapitalanlage fallen Kosten an, einmal die, die man sofort sieht, weil man die Rechnung unmittelbar präsentiert bekommt, dann aber auch die Kosten, die man nicht sofort sieht. Die Kosten für den Kauf und Verkauf einer Aktie gehören zur ersten Kategorie. Ihre Depotbank oder Ihr Broker wird sie Ihnen schon am Tag nach der Orderausführung auf der Abrechnung detailliert ausweisen und den Betrag sofort von ihrem Konto abbuchen.      

Daneben gibt es versteckte Kosten, die erst in einem größeren zeitlichen Abstand auftreten. Sie werden teilweise ebenfalls sofort von Ihrem Konto abgebucht, andere hingegen werden niemals offiziell in Rechnung gestellt, fallen aber dennoch immer an. Beginnen wir mit den Kosten, die Ihnen niemand in Rechnung stellen wird, es sei denn, Sie sind ehrlich gegenüber sich selbst und machen diese Rechnung selber auf.

In der Regel ist es bei den meisten Anlegern so, dass diese vor dem Kauf immer mehr potentielle Anlagemöglichkeiten zur Auswahl haben als Geld zum Investieren zur Verfügung steht. Vor dem Kauf steht also immer die quälende Frage, ob man sein Geld lieber in Aktie A oder in Aktie B investieren soll.

Nicht nur entgangene Gewinne schmerzen

Attraktiv sind beide Aktien, ansonsten hätten sie es nicht bis in die Endauswahl geschafft, und dennoch muss am Ende eine harte Entscheidung getroffen werden. Die Entscheidung gleicht der eines Fußballtrainers, der viele gute und erfolgreiche Spieler zur Verfügung hat und dennoch am Ende immer nur elf von ihnen auf das Spielfeld schicken kann.

So wie sich mancher Trainer nach 90 Minuten ärgert, weil er dem falschen Spieler sein Vertrauen geschenkt hat, so wird auch jeder Anleger früher oder später in die Situation kommen festzustellen, dass er sein Geld besser in Aktie A als in Aktie B hätte investieren sollen. Die Kosten, die aus dieser falschen Entscheidung resultieren, sind die entgangenen Dividenden und Kursgewinne.

Verbucht werden sie zumeist als emotionale Kosten. Man ärgert sich über seine falsche Entscheidung und der mit Aktie A entgangene Gewinn schmerzt manchmal psychologisch viel mehr als die Freude über den Kursgewinn von Aktie B und die Dividenden, die man während der Haltedauer kassiert hat, Entlastung bringt.

Man kann als Anleger zwar dem Fußballtrainer gleich während des Spiels versuchen, durch einen Austausch der Aktien das Ergebnis noch in seinem Sinn positiv zu beeinflussen, doch eine Garantie für einen Erfolg sind Auswechselungen weder im Sport noch bei der Kapitalanlage. Bei letzterer werden jedoch in jedem Fall die Kauf- und Verkaufskosten vom Broker in Rechnung gestellt werden. Womit wir wieder bei den sichtbaren Kosten sind.

Broker sind keine Wohlfahrtsinstitute

Zu den sichtbaren Kosten gehören auch jene, die für den Unterhalt des Depots und die Auszahlung der Dividenden berechnet werden. Die einzelnen Depotbanken und Broker verfolgen hier eine höchst unterschiedliche Geschäftspolitik. Bei manchen Anbietern fallen keine oder nur sehr geringe Depotgebühren an. Andere langen an dieser Stelle kräftig zu und verteuern dadurch die Kapitalanlage und schmälern die persönliche Rendite des Anlegers, denn die Kosten wirken an dieser Stelle wie eine zusätzliche Steuer.

Natürlich wird Ihnen jeder Broker in seiner Werbung erzählen, dass er nur Ihr Bestes will, aber wir wissen bereits aus anderen Überlegungen, dass damit im Zweifelsfall nur unser Geld gemeint sein kann, denn der einzige Grund dafür, dass es diesen Anbieter überhaupt gibt, ist, dass hinter dem Broker eine Person oder eine Organisation steht, die mit den angebotenen Dienstleistungen Geld verdienen will.

Dieses Geld wird entweder primär am Anfang und Ende über höhere Kauf- und Verkaufsgebühren verdient oder während der Haltedauer eines Wertpapiers über laufzeitbezogene Gebühren und Provisionen. Natürlich gibt es auch Mischformen, bei denen die Depotbank sich sowohl bei der einen wie auch bei der anderen Möglichkeit bedient und Ihnen Kosten in Rechnung stellt.

Bei einem Investmentfonds fließt beispielsweise nicht nur beim ursprünglichen Verkauf des Fonds eine Vermittlungsprovision an den Vermittler, sondern auch während der Haltedauer eine sogenannte Bestandsprovision. Sie wird von der Fondsgesellschaft für die Betreuung der Fondsanleger gezahlt, auch wenn der Vermittler eine Direktbank ist, die selbst keinerlei Anlageberatung anbietet und deren Betreuung sich darauf beschränkt, von der Fondsgesellschaft die Bestandsprovision in Empfang zu nehmen.

Kleinvieh macht auch Mist

Auch bei der Auszahlung von Dividenden lässt sich die eine oder andere Depotbank ihre Dienstleistungen sehr teuer von Ihnen bezahlen. Gerade, wenn Dividenden aus dem Ausland gutgeschrieben werden müssen, können diese Gebühren sehr leicht zu echten Renditekillern werden, denn anders als die meisten deutschen Unternehmen zahlen viele ausländische Gesellschaften ihre Dividenden nicht an einem einzigen Tag aus, sondern verteilt über mehrere Ausschüttungstermine im Jahr.

In der Regel wird die Dividende halbjährlich oder quartalsweise gezahlt. Einzelne Gesellschaften schütten aber auch monatlich ihre Dividenden aus. In diesen Fällen fallen die Kosten der Depotbank nicht nur einmal, sondern gleich zweimal, viermal oder zwölfmal an. Aus zwei Euro Gebühren werden dann bis zu 24 Euro Gebühren und die können bezogen auf den Auszahlungsbetrag schnell einen großen Anteil der Dividendenrendite schlucken.

Natürlich könnte man als Anleger jetzt dazu übergehen, die Positionsgrößen größer zu machen. Durch diesen Schritt werden die Kosten relativ zum eingesetzten Kapital in der Tat kleiner. Auf der anderen Seite schränkt dieser Schritt unsere Möglichkeiten zur Diversifikation empfindlich ein.

Ein weiterer wichtiger Punkt, der in der Kostenfrage unbedingt zu beachten ist, ist die durchschnittliche Positionsgröße. Er ist gerade bei Depotbanken, die mit gestaffelten Provisionsmodellen arbeiten, unbedingt zu beachten. Man kann es dem Broker nicht verdenken, dass seine Marketingabteilung in der Werbung immer die Positionsgröße herausgreifen wird, für die das Kostenmodell der Bank besonders günstig erscheint.

Lassen Sie sich nicht von der Werbung blenden

Wenn dann auch noch in einer vergleichenden Werbung die Dienstleistung eines Konkurrenten als besonders teuer erscheint, kommt die Werbebotschaft besonders leicht und gut beim Kunden an. Die Frage ist allerdings immer, ob die beworbene Positionsgröße auch die ist, mit der Sie selbst in der Regel operieren.

Wenn Sie selbst üblicherweise mit einer Positionsgröße von 2.500 Euro agieren, haben Sie herzlich wenig davon, wenn Ihre Depotbank bei Ordergrößen von 5.000 Euro in einem Brokervergleich besonders gut abschneidet. Der umgekehrte Fall gilt natürlich genauso: Sie selbst haben nichts davon, wenn Ihr Broker bei 2.000 Euro besonders günstig ist, sie selbst aber nie weniger als 10.000 Euro in eine einzelne Position investieren und die Depotbank gerade hier vergleichsweise teuer ist.

Weil die Gebühren für den Kauf und den Verkauf von Wertpapieren einen der wichtigsten Kostenfaktoren darstellen, sollten Sie vor der Auswahl eines Brokers ein wenig Mathematik betreiben und sich ausrechnen, welche Kosten auf Sie zukommen werden, wenn Sie bei dem Broker mit den geplanten Positionsgrößen handeln werden. Das schützt vor unliebsamen Überraschungen und schärft das eigene Bewusstsein dafür, wie leicht diese Kosten als echte Renditekiller wirken können.

Von den Gebühren, die bei der Auszahlung von inländischen und ausländischen Dividenden möglicherweise auf Sie zukommen können, war schon die Rede. Diese sind natürlich nur für die Anleger von Interesse, die erstens Aktien handeln und diese zweitens auch so lange halten, dass sie am Ausschüttungstag der Dividende Aktionär des Unternehmens sind.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

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About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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