Als Goldanleger sollten Sie den Goldpreis ignorieren

Grämen Sie sich als Goldanleger nicht, wenn die Edelmetallkurse nicht von der Stelle kommen und möglicherweise sogar sinken. Die Münzen oder die Barren, die Sie in der Vergangenheit gekauft haben, haben auch heute immer noch die gleiche Reinheit und dieselbe Atomstruktur. Ob man dies auch von den Bilanzen der kriselnden Banken behaupten kann, ist fraglich.

Gold und Silber müssen nicht strahlen und von allen heiß begehrt sein, um ihre historisch einmalige Absicherungsfunktion erneut erfüllen zu können. Es reicht, wenn einige wenige vorausschauende Anleger dieses Gold an sich bringen und es langfristig vom Markt nehmen.

Je dezenter und lautloser dies geschieht, umso größer wird die Überraschung der Masse sein, wenn sie eines Tages erkennen muss, dass Forderungen nicht nur im kleinen, sondern auch im großen Stil ausfallen können. Wenn dieser Punkt und die mit ihm verbundene Bewusstseinsveränderung gekommen ist, wird sich jeder wünschen, in der Vergangenheit mehr Gold und Silber gekauft zu haben.

Dann aber wird es zu spät sein. Wer als Anleger die Enge der Eingangstüre vermeiden will, der agiert am besten bevor die Masse sich in Bewegung setzt. Die kommenden Wochen könnten dazu noch einmal eine gute Chance bieten, denn wir treten in die traditionell schwache Zeit des Jahres ein.

Rezession oder Endspiel?

Wirtschaftlich verschlechtert sich die Situation deutlich. Wichtige Daten wie jüngst der Einkaufsmanagerindex kommen ausgesprochen schwach herein. Es sind die Vorboten einer wirtschaftlichen Abschwächung. Nach einer der längsten Boomphasen kann die Ankunft einer Rezession uns nicht wirklich überraschen.

Auch auf den längsten Winter folgen eines Tages der Frühling und der Sommer. Etwas anderes zu erwarten, ist also zumindest weltfremd und in finanzieller Hinsicht sicher auch gefährlich. Dieser Gefahr sollte sich kein Anleger leichtfertig aussetzen.

Lassen Sie sich deshalb vom Optimismus der Politiker nicht allzu sehr beirren. Diese wollen die kommende Europawahl gewinnen. Ihr Anspruch muss es sein, durch jede Krise, mag sie groß oder klein sein, möglichst ungeschoren hindurch zu kommen.

Ob uns nur eine Rezession blüht oder ob es wie im Jahr 2008 wieder zu einer schweren Krise im Finanzsystem kommen wird, ist derzeit kaum vorherzusagen. Bleibt das Vertrauen in die Notenbanken erhalten, sehen wir wohl „nur“ eine Rezession. Schwindet hingegen das Vertrauen in die Notenbank wird das von vielen Kritikern der aktuellen Lage beschworene „Endspiel“ sehr leicht Realität werden können.

Die aktuelle Korrektur nutzen

Dass die Edelmetalle in den letzten Tagen noch einmal in den Rückwärtsgang geschaltet haben, ist vor diesem Hintergrund eher ein Segen denn ein Fluch, denn die günstigen Preise können von allen interessierten Anlegern noch einmal für Zukäufe genutzt werden.

Wer noch kein Gold und Silber besitzt, der sollte ebenso beherzt zugreifen wie die Anleger, deren Edelmetallabsicherung noch nicht den Umfang hat, den sie langfristig haben soll. Beide können von den niedrigen Preisen noch einmal profitieren. Möglicherweise zum letzten Mal.

Gold hat die Angewohnheit in einem wirtschaftlichen Abschwung zu steigen. Da uns dieser nach zehn Jahren Boom und Aufschwung früher oder später blüht, macht es durchaus auch dann Sinn, die Edelmetalle zu kaufen, wenn man noch nicht davon ausgeht, dass uns das „Endspiel“ an den Finanzmärkten jetzt schon bevorsteht.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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