Unterschätzen Sie beim Aktienkauf niemals den Anker-Effekt

Ein Denkfehler, der gerade an der Börse und bei Kapitalanlagen sehr verhängnisvoll und teuer werden kann, ist der Bezug auf einen falschen Anker. Stellen Sie sich vor, eine Aktie, die über Wochen und Monate hinweg zu einem Preis von 15,00 Euro gehandelt wurde, kostet plötzlich nur noch 12,00 Euro.

Anleger, die bereit waren, auch zum alten Preis zu kaufen, aber aus welchen Gründen auch immer noch nicht gekauft haben, werden die Aktie unweigerlich als preiswertes Schnäppchen empfinden, denn der Preis hat sich quasi über Nacht um 20 Prozent ermäßigt. Es wird diesen Anlegern schwerfallen, dem Kaufreiz zu widerstehen.      

Die Aktie kann in der Tat ein preiswertes Schnäppchen sein, wenn die Gründe, die zum Absturz ihres Kurses geführt haben, nichts mit der wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmens zu tun haben, sondern allein der allgemeinen Nervosität der Anleger geschuldet sind. In diesem Fall ist die Aktie in der Tat ein Kauf.

Steinhoff als warnendes Beispiel

Ganz anders stellt sich die Lage dar, wenn unmittelbar vor dem Kursrutsch eine Gewinnwarnung herausgegeben wurde oder Unregelmäßigkeiten bei der Bilanzierung der Grund für die heftige Reaktion der Anleger sind. In diesem Fall kann je nach Schwere der im Raum stehenden Vorwürfe sogar ein Preis von 12,00 Euro immer noch viel zu hoch sein.

Anleger, die im Dezember 2017 die Aktie der Steinhoff International Holding AG gekauft haben, nachdem diese von über 3,00 Euro auf zunächst 1,25 Euro zurückgefallen war, werden diese Warnung bestätigen können, denn bis zum Frühjahr 2018 ermäßigte sich der Kurs der Aktie von 1,25 Euro nochmals auf 0,10 Euro.

Das extreme Beispiel der wegen Bilanzmanipulationen ins Gerede gekommenen Aktie zeigt, dass der Preis zwar immer ein wichtiges Kriterium ist, aber niemals für einen Anleger das einzige Kriterium sein sollte, an dem er sich bei seinen Kauf- oder Verkaufsentscheidungen orientiert.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

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About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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