Vergangene Kosten und die Neigung zum Nachkauf

Wer schon viel Geld in eine Aktie oder in ein Investitionsgut gesteckt hat, wird sich nur schwer mit dem Gedanken anfreunden können, dieses komplett abzuschreiben. Viel leichter fällt uns psychologisch noch weiteres Geld nachzuschießen, um entweder den eigenen Einstandspreis zu verbilligen oder die bisherigen Zahlungen nicht vollständig abzuschreiben zu müssen, etwa dann, wenn es um das eigene Auto geht, das mit der Zeit immer reparaturanfälliger wird.

Es gibt an der Börse durchaus Situationen, in denen ein Nachkauf sinnvoll sein kann. Doch das Beispiel Steinhoff mahnt auch hier zur Vorsicht. Sehr leicht wird verlorenem Geld noch weiteres hinterhergeworfen, wenn man sich zu sehr an dem orientiert, was man in der Vergangenheit gemacht hat.      

Sinnvoller ist es, einen Schritt zurückzutreten und die Situation so zu bewerten, als würde man die abgestürzte Aktie noch gar nicht besitzen oder als wäre man nicht der Eigentümer des immer reparaturanfälligeren Wagens. Kommt man am Ende seiner Überlegungen zu dem Schluss, dass der Kauf der Aktie bzw. die neuerliche Reparatur des Autos eine vernünftige Entscheidung ist, spricht nichts dagegen, die Aktie nachzukaufen oder das Auto reparieren zu lassen.

Führen die eigenen Gedanken jedoch zu dem Ergebnis, das man die Aktie nicht kaufen würde, wenn man sie noch nicht im Depot hätte oder ein derart altersschwaches Auto niemals erwerben würde, wenn man es noch nicht in der Garage stehen hätte, tut man gut daran dem in der Vergangenheit verlorenen Geld kein weiteres Geld nachzuschießen. Es ist in diesem Fall besser einmal 1.000 Euro zu verlieren als zusätzlich noch weitere 1.000 oder 2.000 Euro abschreiben zu müssen, weil man sich seinen in der Vergangenheit getroffenen Entscheidungen zu sehr verbunden fühlt.

Denken Sie in diesen Situationen daran, dass das in der Vergangenheit verlorene Geld bereits verloren ist. Dieses bringt man gerade an der Börse auch mit neuen Investitionen nur schwer wieder zurück. Deshalb muss stets gut überlegt werden, in welche Unternehmen man sein mühsam verdientes Geld investieren will.

Vergeben Sie keine Sympathiepunkte

Der Aspekt der Sympathie spielt bei allen unseren Kaufentscheidungen eine große Rolle. Er beeinflusst, bei wem wir kaufen und auch was wir kaufen. Untersuchungen haben gezeigt, dass wir leichter geneigt sind zu kaufen, wenn wir die Person, die uns etwas verkaufen will bzw. ihre Ware attraktiv finden, sie uns ähnelt oder uns sagt, dass sie uns sympathisch findet.

An dieser Stelle greift der Grundsatz, dass sich ein Mensch gegen alles wehren kann nur nicht gegen ein Kompliment. Gute Verkäufer wissen um diesen Zusammenhang und versuchen, ihn in ihrem Interesse zu nutzen. Sie sagen uns dann nette Dinge, die wir gerne hören oder suggerieren uns, dass wir ein Produkt kaufen sollen, weil wir es uns wert seien.

Auch bei Investitionsentscheidungen an der Börse gibt es den Einfluss des Verkäufers, auch wenn dieser etwas anders geartet ist als bei einem Einkauf in einem normalen Geschäft. Der „Verkäufer“ ist in diesem Fall der Vermittler, also derjenige, der uns zum ersten Mal mit einer Aktie in Berührung bringt. Das kann ein Freund sein, der uns von dieser Aktie erzählt, aber auch der Autor eines Börsenbriefes oder der Finanzvorstand des Unternehmens, der auf einer Konferenz die fundamentalen Kennzahlen seiner Firma präsentiert.

Wenn wir diese Person mögen, stehen wir der Idee, unser Geld in dieses Unternehmen zu investieren gleich viel aufgeschlossener gegenüber. Vollkommen ausblenden und ignorieren kann man diese psychologischen Aspekte nicht, aber es ist gut und hilfreich, um sie zu wissen und uns ihre Wirkungsweise immer wieder in Erinnerung zu rufen. Wir haben dann zumindest die Chance, etwas unbefangener und unvoreingenommener an unsere Kauf- bzw. Investitionsentscheidung heranzutreten.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

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About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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