Alarmsignal Problemkredite

Seit zwei Quartalen kann in den USA eine Entwicklung beobachtet werden, die weder der Notenbank noch den Anlegern gefallen kann: die Zahl der problembehafteten Kredite steigt. Als Problemkredite oder faule Kredite werden jene Darlehen bezeichnet, die von ihren Schuldnern seit mehr als drei Monaten nicht mehr bedient werden.

In allen Ländern und zu allen Zeiten ist ein Anstieg der faulen Kredite ein Warnsignal erster Güte. Es signalisiert, dass in wirtschaftlichen Fragen längst nicht alles zum Besten steht. Die USA sind an dieser Stelle gewiss keine Ausnahme und auch die Börse wird früher oder später auf die Veränderung der Situation reagieren müssen.      

Betroffen von der Gefahr sind nicht allein die kreditgebenden Banken. Auch Kunden und Mitarbeiter haben Grund, sich Sorgen zu machen, denn ein Unternehmen, das seit drei Monaten seine Kredite nicht mehr vollständig bedienen kann, kann auch sehr schnell in die Verlegenheit kommen, die eigenen Mitarbeiter und Lieferanten nicht mehr bezahlen zu können.

Für die Banken ist das Anwachsen der Problemkredite noch nicht existenzgefährdend. Derzeit sind rund ein Prozent der ausstehenden Kredite als problembehaftet einzuschätzen. Vor drei Jahren lag der Anteil fast doppelt so hoch. Mehr als um die Banken muss man sich deshalb um die US-Wirtschaft im Allgemeinen Sorgen machen.

Bemerkenswert ist, dass der Anteil der Problemkredite bereits nach oben schnellt, während die Wirtschaft offiziell noch wächst. Hinzu kommt, dass die Unternehmen so hoch verschuldet sind wie noch nie in diesem Jahrhundert. Gleiches gilt auch für die Bewertungen am Aktienmarkt. Auch sie haben ein Niveau erreicht, das bei einer sich deutlich abschwächenden Wirtschaft kaum mehr zu rechtfertigen ist.

Die Anleger haben deshalb anders als die Bankmanager durchaus Grund, sich ernsthafte Sorgen zu machen, wenn die Anzahl und der Umfang der Problemkredite nicht bald wieder zurückgehen. Setzt in den kommenden Monaten das rückläufige Wachstum in den USA deutlich mehr Unternehmen zu als bislang, wird mehr oder weniger die gesamte US-Wirtschaft unter Druck gesetzt. Kommt dieser Stein ins Rollen, haben neben den Anlegern auch die US-Bankmanager wieder allen Grund, ernsthaft besorgt zu sein.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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