Ist die Partystimmung an der Athener Börse von Dauer?

Dass die Börse in Athen in diesem Jahr zu den besten der Welt zählt, hat sie in erster Linie dem ausgesprochen niedrigen Kursniveau des vergangen Jahres zu verdanken. Wie überall in der Welt sind auch in Athen massive Kurssteigerungen von niedrigen Ausgangsniveaus aus wesentlich leichter zu bewerkstelligen als von hohen Kursniveaus.

Hinzu kommen seit Ende Mai der Ausgang der Europawahl und die Ankündigung von Neuwahlen. Der Markt hat geradezu euphorisch auf diese Entwicklung reagiert und ein Kursfeuerwerk gestartet bei dem vor allem die Werte aus dem Finanzsektor mit Kurszuwächsen von bis zu 27 Prozent hervorragten.      

Das Kalkül hinter dieser vorgezogenen Erleichterungsrallye ist ebenso einfach wie gefährlich. Der Markt erwartet, dass die regierende Syriza Partei von Ministerpräsident Alexis Tsipras bei den anstehenden Neuwahlen eine krachende Niederlage einstecken muss und abgelöst wird. Erwartet wird ein Wahlsieg des bürgerlichen Lagers von Kyriakos Mitsotakis und seiner wieder aus den Tiefen der politischen Versenkung aufgetauchten Partei Nea Dimokratia.

Zugleich wird am Markt darauf gehofft, dass die Nachfolger nicht nur über eine stabile Mehrheit, sondern vielleicht sogar über die absolute Mehrheit im Parlament verfügen werden. Damit würden nicht nur Reformen wesentlich leichter umsetzbar sein, die Marktteilnehmer erwarten von der neuen Führung des Landes auch einen liberaleren und wirtschaftsfreundlicheren Kurs.

Der Zinssatz für die 10-jährigen griechischen Staatsanleihen ist an den Tagen nach der Europawahl auf unter drei Prozent gefallen und notiert damit so niedrig wie seit sieben Jahren nicht mehr. Die Euphorie und die Hoffnungen sind hoch und sie sich auch durchaus berechtigt. Doch ein Zinssatz von nur drei Prozent für ein derart hochverschuldetes Land wie Griechenland ist auch unter einer wirtschaftsfreundlichen Regierung aus dem bürgerlichen Lager ein schlechter Witz.

Hinzu kommt, dass die Politik und mit ihr die Stimmungen in der Bevölkerung ein sehr wechselhaftes Geschäft sind. Mit gravierenden Schwankungen muss deshalb jederzeit gerechnet werden, denn sechs Wochen sind in der Politik eine lange Zeit und durch die Kursanstiege bis Anfang Juni hat sich die Fallhöhe des Marktes wieder deutlich erhöht.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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