Ein Warnsignal erster Güte

Eine der Spätfolgen der Finanzkrise sind die gestiegenen Unternehmensschulden. Das im Vergleich zu den Jahren vor der Krise stark gesunkene Zinsniveau erleichterte und verbilligte die Finanzierung von Investitionen. Es wurden aber auch Aktienrückkäufe und Dividenden über die Aufnahme neuer Kredite finanziert.

Wie stark von den Unternehmen auf die Karte Fremdkapital gesetzt wurde, zeigt ein Blick auf die Gesamtzahl der aufgenommenen Schulden. Ohne Berücksichtigung des Finanzsektors emittierten die Firmen zwischen 2008 und 2018 pro Jahr Anleihen im Wert von durchschnittlich 1,7 Billionen US-Dollar. In den zehn Jahren vor der Finanzkrise war nur die Hälfte dieser Anleihen aufgelegt worden.

Geradezu explodiert ist die Anzahl der Anleihen aus den Schwellenländern. Zwischen 2007 und 2017 stieg das Kreditvolumen um den Faktor 5,5 auf 1.917 Milliarden US-Dollar. Viele dieser Anleihen werden in den nächsten Jahren fällig werden. Bis 2023 muss rund die Hälfte der in den Industrieländern aufgenommenen Anleihen zurückgezahlt oder umgeschuldet werden. In den Schwellenländern werden sogar über 60 Prozent aller Unternehmensanleihen fällig.

Wenn die Bonität nicht mehr stimmt …

Eine Rückzahlung der Kredite dürfte für viele Unternehmen zu einem Problem werden. Man wird sich also um eine Umschuldung bzw. Verlängerung der Kredite bemühen. Das dürfte für die Anleger kein Problem darstellen, wenn die Bonität der Schuldner auch weiterhin über jeden Zweifel erhaben ist.

Doch ausgerechnet an diesem kritischen Punkt ziehen dunkle Wolken am Horizont auf, denn die Bonität der Unternehmen wird beständig schlechter und die Zahl der sogenannten der „fallen angels“, also der Unternehmen, die von den Ratingagenturen mit einem Non-Investment-Grade bewertet werden, nimmt spürbar zu. Das vertreibt jene Investoren aus dem Markt, die nur in Anleihen mit einem geringen Ausfallrisiko investieren dürfen.

Schlechtere Bonitäten und höhere Ausfallraten waren in der Vergangenheit frühe Warnsignale für eine bevorstehende Rezession. Insofern verwundert es nicht, dass der IWF, die Weltbank und die Bank of England zunehmend besorgter werden. Sie warnen: Während das Zinsniveau aufgrund der Geldpolitik der Notenbanken nicht mehr steigt, sinkt nicht nur die Qualität der Anleihen beständig. Der Schutz der Anleger erodiert ebenfalls in einer durchaus als dramatisch zu bezeichnenden Weise.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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