Italien bleibt das Sorgenkind Europas

In der Eurokrise des Jahres 2012 waren Griechenland, Portugal und Spanien die Problemländer der EU. Heute richten sich die besorgten Blicke der Europäer nach Italien. Das Land, das 2012 beim Wachstum des Bruttoinlandsprodukts noch im guten Mittelfeld der Statistik lag, ist inzwischen auf den letzten Rang zurückgefallen.

Ein positives Wachstum wird die italienische Wirtschaft in diesem Jahr vermutlich nicht mehr ausweisen können. Damit drohen auch die ehrgeizigen Wachstumsziele für die Jahre 2020 bis 2023 verfehlt zu werden. Dass die Käufer italienischer Staatsanleihen vor diesem Hintergrund höhere Zinsen fordern, kann niemanden wirklich überraschen.

Schon eher überrascht die Rhetorik der Regierung in Rom. Diese wehrt sich mit Nachdruck gegen die Mahnungen aus Brüssel zu mehr Haushaltsdisziplin. Man könnte ein derartiges Gebaren der italienischen Politiker leichter akzeptieren, wenn diese aus einer Position der ökonomischen Stärke heraus agieren würden. Doch das Gegenteil ist der Fall.

Schon während der Eurokrise litt Italien unter der Höhe seiner Schulden. Diese sind in der Zwischenzeit weiter angewachsen, während sich das Wirtschaftswachstum von 1,9 Prozent, das man damals noch hatte, verflüchtigt hat und das Land auf eine Rezession zusteuert.

Kursverluste bei italienischen Anleihen zu erwarten

Dramatische Schritte wie ein Austritt des Landes aus der Eurozone oder der EU dürften in den nächsten Monaten wohl nicht auf uns zukommen. Doch die Besitzer italienischer Anleihen haben dennoch keinen Grund, vollkommen entspannt in die Zukunft zu blicken. Sie müssen mit empfindlichen Kursverlusten rechnen.

Auch die Italiener selbst haben auch wenig Grund, allzu optimistisch in die Zukunft zu blicken. Egal, ob die Regierung nach den für sie positiven Ergebnis der Europawahl nun auf Neuwahlen zusteuern wird oder nicht und egal, wer diese Wahlen am Ende gewinnen wird: Solange die italienische Gesellschaft sich nicht grundlegend und nachhaltig reformiert, werden Arbeitslosigkeit, Zinsen und die Unzufriedenheit innerhalb der Bevölkerung hoch bleiben.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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