Wenn aus einer Waffe eine Schwäche wird

Was US-Präsident Donald Trump unter ‚America first‘ versteht, bekommt die Welt seit über zweieinhalb Jahren nachhaltig zu spüren. Weitere 18 Monate werden gewiss noch folgen und eine zweite Periode im Amt möglicherweise auch, obwohl die meisten von uns daran derzeit vermutlich nur mit Schrecken denken mögen.

Ein wichtiges Element in der Strategie des Weißen Hauses ist der US-Dollar. Er ist die führende Währung der Welt. Die Preise der wichtigsten Rohstoffe werden in der US-Valuta abgewickelt, die allermeisten Handelsgeschäfte auch. Das gibt den USA einen großen Einfluss, den die Trump-Administration mit immer weniger Zurückhaltung für ihre eigenen Interessen instrumentalisiert.      

Ganz deutlich wird dieses Vorgehen im Fall von Russland und dem Iran. Beide Länder sind mit US-Sanktionen belegt und Russland hat aus Furcht, über seine in US-Dollar gehaltenen Devisenreserven eines Tages nicht mehr frei verfügen zu können, diese bereits nahezu vollständig abgestoßen.

Immer lauter wird über Alternativen nachgedacht

Auch über das SWIFT-System, mit dem die internationalen Zahlungen technisch abgewickelt werden, versuchen die USA Einfluss zu nehmen. Länder, die ihre Rechnungen nicht mehr über das SWIFT-System begleichen können, sind vom Welthandel faktisch ausgeschlossen. Das ruft mittlerweile auch in Europa warnende Stimmen hervor. So forderte beispielsweise Bundesaußenminister Heiko Maas in einem Beitrag für das Handelsblatt die Entwicklung einer europäischen Alternative.

Auch die Europäische Union spricht sich dafür aus, ihre Energierechnung, die sich insgesamt auf über 300 Milliarden Euro beläuft, nicht mehr zu 80 Prozent in US-Dollar zu bezahlen, wenn nur weniger als zwei Prozent der importierten Energie aus den USA selbst stammen.

Da auch in anderen Ländern der Unmut über die Politik der Vereinigten Saaten wächst, könnte sich die von Donald Trump verfolgte Strategie, den US-Dollar als Waffe einzusetzen, zwar kurzfristig als wirkungsvoller Schachzug langfristig aber als ein Schuss, der nach hinten losgeht, erweisen.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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