Eine permanente Party ohne Ende und ohne Kater?

Nach der Finanzkrise war es China, das die Weltwirtschaft als Konjunkturlokomotive aus der Krise gezogen hat. Heute feiern Anleger und Kommentatoren die USA als Inbegriff wiedergewonnener Stärke und einer prosperierenden Wirtschaft. Ist der Kaiser wieder einmal nackt oder sind seine neuen Kleider schöner als alles, was wir zuvor gesehen haben.

Nimmt man die Twitter-Meldungen von Donald Trump und die ungebrochene Rekordjagd der Märkte als Maßstab, war das Paradies nie paradiesischer. Das Vertrauen in das kreditfinanzierte Wachstumsmodell der USA ist ungebrochen. Zweifel scheinen nicht die Spur einer Chance zu haben. Zumindest suggerieren dies die Reaktionen des Marktes auf die immer wieder aufkeimenden Sorgen um einen eskalierenden Handelskrieg mit China.

Nachhaltig die Stimmung der Anleger zu trüben vermögen negative Nachrichten, die immer wieder zu uns durchdringen, nicht. Es scheint, als traue man dem US-Präsidenten alles, nur kein Scheitern in dieser für die Weltwirtschaft zentralen Frage, zu. Eine derart positive Sicht auf die Politik von Donald Trump muss dem nicht vorhandenen Kurzzeitgedächtnis der Anleger geschuldet sein, denn schließlich ist der selbsternannte Dealmaker Donald Trump schon bei der Abschaffung von Obamacare und beim Mauerbau an der mexikanischen Grenze krachend gescheitert.

Aber selbst wenn der US-Präsident in den Verhandlungen mit den Chinesen einen überzeugenden Deal erreichen sollte, beseitigt dies die exorbitant gestiegenen Schulden des Staates, der Unternehmen und der privaten Haushalte nicht. Diese lösen sich weder über Nacht in Luft auf noch lassen sie sich grenzenlos erweitern.

Die Notenbanken werden es schon richten?

Auf was für einer Zeitbombe die Welt und mit ihr die Anleger an den Märkten sitzen, hat das zweite Halbjahr 2018 eindrucksvoll vor Augen geführt. Obwohl die US-Notenbank die Zinsen nur moderat erhöht hat und normale Zinsniveaus immer noch weit entfernt sind, brachen die Märkte regelrecht zusammen, sodass zum Ende des Jahres auch ohne Weltuntergang eine regelrechte Weltuntergangsstimmung herrschte.

Die Aktienmärkte, das Gold und am Ende auch die US-Notenbank reagierten im 4. Quartal 2018 drehbuchartig: Während die Wall Street taumelte, verzeichnete das Gold einen Anstieg um 8,1 Prozent und die US-Notenbank reagierte so besorgt, dass sie die angeblich auf Autopilot laufende Reduzierung ihrer Bilanz schon auf ihrer ersten Sitzung im Januar „vorübergehend aussetzte“.

An eine baldige Fortsetzung der Reduktionen glaubt momentan kaum noch ein Anleger. Viele sehen vielmehr die Chance für eine baldige Zinssenkung deutlich steigen. Mit anderen Worten: Der Patient ist bereits so todkrank, dass selbst die kleinste Reduktion seiner Medizin sofort zum Herzstillstand führen könnte.

Ein Ausweg ist nicht in Sicht, aber das hindert die Anleger nicht daran, auch weiterhin auf die rettende Kraft des Notenbankgeldes zu hoffen.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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