Gold und das moderne Papiergeldsystem: Wahre Worte sind nicht schön und schöne Worte sind nicht wahr

Unter normalen Umständen hat Gold eine vertrauensbildende Eigenschaft. Es kann beispielsweise eine stabilisierende Rolle einnehmen und eine entscheidende Verteidigungslinie bei extremen Marktlagen darstellen. In Zeiten struktureller Veränderungen im internationalen Finanzsystem aber auch bei tiefgreifenden geopolitischen Krisen gilt diese Beobachtung noch mehr als in normalen Zeiten.

Das sage nicht ich Ihnen, sondern die ungarische Notenbank. Sie hat in der jüngeren Vergangenheit ihren Goldbesitz nicht nur zum ersten Mal seit 1986 erhöht. Ungarns Goldbestand hat sich – wenn auch von einem niedrigen Niveau aus – im vergangen Jahr glatt verzehnfacht.      

Ein Schritt der Panik oder des leichtfertigen Umgangs der Notenbanker mit dem Vermögen des Landes? Nein, sagen die Entscheidungsträger in Budapest und verweisen darauf, dass das Gold eine der sichersten Anlageformen der Welt sei. Besonders attraktiv erscheint den ungarischen Notenbankern, dass die begrenzte Verfügbarkeit der Edelmetalle sich damit verbindet, dass Gold und Silber kein Kreditrisiko beinhalten.

Auch andere Risiken, die durch die Verpflichtung einer dritten Partei gegeben sein könnten, sind nicht vorhanden. Der Wert des Goldes wurde bereits mit seiner Förderung und Extraktion aus dem Erz geschaffen. Einmal so zutage gefördert und gereinigt, bleibt der Wert anschließend erhalten und kann nicht mehr ausfallen. Man kann diesen Aspekt in einem Finanzsystem, dass nur noch auf Forderungen gegenüber einem Dritten beruht und damit prinzipiell jederzeit ausfallen kann, gar nicht hoch genug gewichten.

Der chinesische Philosoph Laotse wies schon vor mehr als 2.000 Jahren darauf hin, dass wahre Worte nicht schön und schöne Worte nicht wahr sind. Dass gilt auch für die Einschätzung der ungarischen Notenbank. Ihre Worte sind für das angeschlagene Papiergeldsystem alles andere als schön. Aber ihr Wahrheitsgehalt steht außer Frage.

Die Budapester Zentralbank hat ihren Gedanken in den vergangenen Monaten die entsprechenden Taten folgen lassen und den zuvor viel zu kleinen Goldbestand des Landes quasi über Nacht verzehnfacht. Dies sollte auch den noch nicht oder noch nicht sehr stark im Gold investierten Privatanlegern zu denken geben.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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