Krise oder nicht? Wie steht es um den Automobilsektor?

Die Kurse der deutschen Automobilproduzenten haben sich von ihren Höchstständen weit entfernt. Das ist nicht verwunderlich, denn die Absatzzahlen sind seit gut zwei Jahren rückläufig. Im Jahr 2017 erreichte die Produktion und mit ihr auch der Absatz ein neues Rekordniveau. Fast 100 Millionen Fahrzeuge konnten abgesetzt werden.

Im Jahr danach gingen die Verkaufszahlen wieder zurück und auch in diesem Jahr werden nochmals schwächere Absatzzahlen erwartet als in 2018. Dass die Kurse von BMW, Daimler, VW und Co. vor diesem Hintergrund keine neuen Rallys starten, liegt auf der Hand.      

Eine rasche Veränderung der Lage ist auch nicht in Sicht, denn der für die Automobilproduzenten mit Abstand wichtigste Markt China neigt auch weiterhin zur Schwäche. Dass sich diese Schwäche kurzfristig in Stärke wandelt, ist nicht zu erwarten.

Mittel- bis langfristig ist der chinesische Markt für die Automobilhersteller aber weiterhin äußerst interessant, denn während in den entwickelten Ländern auf eine Person 0,5 Autos kommen, liegt dieser Wert im Reich der Mitte trotz der beeindruckenden Entwicklung in den vergangenen Jahren immer noch nur bei 0,18.

In anderen Entwicklungsländern liegt die Zahl der Fahrzeuge pro Person noch tiefer als in der Volksrepublik. Dort besitzt nur jeder Zehnte ein eigenes Auto. In China wie in den anderen Entwicklungsländern eröffnet sich der Industrie damit ein großes Potential. Dieses basiert in allen Schwellen- und Entwicklungsländern auf einer stark wachsenden Mittelschicht. Ist die finanzielle Grundlage zum Erwerb eines Fahrzeugs erst gegeben, entwickelt sich das Bedürfnis nach mehr Mobilität fast von selbst.

Gegenwärtig überwiegen bei den Anlegern die Sorgen. Man sollte das immer noch vorhandene Potential jedoch nicht aus den Augen verlieren. Derzeit ist weder für Euphorie noch für eine Weltuntergangsstimmung der rechte Zeitpunkt. Achten müssen die Anleger nur darauf, dass die Unternehmen ihre Hausaufgaben machen und sich gut positionieren für die Zeit nach der Krise. Ansonsten sollte die Devise ‚Abwarten und Teetrinken‘ heißen.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

Leave a comment: