Sind Aktien immer noch alternativlos?

Keine Zinsen auf dem Sparbuch, fallende Preise für Gold und Silber und negative Renditen bei Anleihen, die Unattraktivität der konkurrierenden Anlageformen ließ den Anlegern in den letzten Jahren kaum eine andere Chance, als ihr Geld in Aktien zu investieren.

Begünstigt durch die steigende Nachfrage der Anleger, stark steigende Gewinne der Unternehmen und die Geldpolitik der Notenbanken schraubte sich der Aktienmarkt auf Niveaus, die noch vor wenigen Jahren niemand für möglich gehalten hätte.      

An die steigenden Kurse und Dividenden kann man sich leicht gewöhnen. Viele Analysten scheinen diesem Reiz bereits erlegen zu sein. Sie schreiben die guten Ergebnisse der vergangenen Jahre munter in Zukunft fort. Für 2019 und 2020 erwartet man eine kleine Delle. Danach soll die Wirtschaft wieder kräftig wachsen.

Trifft diese Erwartung zu, sind weitere Kursgewinne von zehn Prozent durchaus zu vertreten. Werden sogar die erwarteten Gewinnsteigerungen von 15 Prozent Realität, könnte es auch mit den Kursen um den gleichen Prozentsatz bergauf gehen. Damit würde allerdings das Best-case-Szenario Wirklichkeit werden. Vom Worst-case-Szenario einer Rezession spricht derzeit niemand und auch das Durchschnittsszenario als Mittelwert aus beiden Annahmen wird kaum beachtet.

Der blinde Fleck der Anleger am Aktienmarkt

Die hier aufscheinende Einseitigkeit könnte für den Aktienmarkt leicht zu einer Gefahr werden, denn an den Bond-, Devisen und Edelmetallmärkten wird gerade Karte einer aufziehenden Rezession gespielt. Anders als am Aktienmarkt wird die erneute Wende der US-Zinspolitik an den Anleihemärkten nicht als Grund zum Feiern, sondern als Grund zur Flucht in solide Staatsanleihen gewertet und auch das Gold sendet wieder ganz deutliche Lebenszeichen.

Welche Fraktion am Ende Recht behalten wird, ist damit selbstverständlich noch nicht gesagt. Klar ist allerdings auch, dass eine Seite mit ihrer Einschätzung falsch liegen wird. Sollte dies die Seite der Anleger am Aktienmarkt sein, könnten die unweigerlich folgenden Korrekturen besonders schmerzhaft sein, denn durch das rekordverdächtige Kursniveau ist die Fallhöhe für die investierten Anleger hier besonders hoch.

Dass die Aktien auch weiterhin – eine mögliche Rezession hin oder her – eine wichtige Anlageklasse sein werden, dürfte außer Frage stehen. Alternativlos sind die Aktien derzeit allerdings nicht mehr. Auch wenn Ihnen mancher Kommentator oder Werbetexter das Gegenteil erzählen will.

Gerade in den Edelmetallen wächst den Aktien momentan eine ernstzunehmende Konkurrenz heran, denn besonders in wirtschaftlichen Abschwüngen pflegen Gold und Silber ihre Stärken ausgesprochen eindrucksvoll auszuspielen.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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