Wann platzt die Blase des irregeleiteten Vertrauen?

Noch vertrauen die Anleger den Notenbanken und ihrer Geldpolitik. Aktien und Anleihen werden auch weiterhin gekauft, während sich klassische Fluchtmuster wie beispielsweise der Kauf der Edelmetalle Gold und Silber in engen Grenzen halten. Die Frage ist jedoch, wie lange dieser für die aktuelle Geldpolitik günstige Zustand noch anhalten wird. Wann kommt der Punkt, an dem das Vertrauen in die Allmacht der Notenbanken aufgebraucht ist?

Wann dieser Zeitpunkt erreicht sein wird, ist schwer zu prognostizieren. Die Spanne möglicher Antworten reicht von übermorgen bis mehrere Jahrzehnte. Deswegen stehen wir Anleger nicht nur vor der Aufgabe, eine Strategie entwickeln zu müssen, mit der wir auf den Tag X vorbereitet sind.      

Diese Strategie muss zudem auch so gestaltet sein, dass sie an jedem der möglichen Zeitpunkte umgesetzt werden kann und auch dann keine großen Verluste produziert, wenn der Tag X erst in der ferneren Zukunft liegen sollte. Dabei ist es unerheblich, ob es sich bei den zu vermeidenden Verlusten um reale Verluste oder „nur“ um entgangene Gewinne, die man mit anderen Anlageformen hätte haben können, handelt.

Im Moment betonen die Notenbanken, dass die Politik der Rückführung der stark ausgeweiteten Zentralbankbilanzen nur ausgesetzt ist. Damit wird suggeriert, dass eine Rückkehr zur Normalität immer noch möglich sei. Gleichzeitig wird man nicht müde zu betonen, dass man im Fall einer neuen Krise bereitstehe, den Markt und die Wirtschaft mit den bekannten Methoden zu unterstützen.

Beruhigungspillen sind und bleiben Beruhigungspillen

Das klingt im ersten Moment beruhigend. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass das Zinsniveau heute deutlich niedriger ist als 2007 zu Beginn der letzten Krise. Sollen die Zinsen in einer zukünftigen Krise wieder stark abgesenkt werden, führt an stark negativen Zinsen kein Weg vorbei.

Negative Zinssätze von vier oder fünf Prozent würden jedoch eine Enteignung der Sparer hervorrufen, die erstens mit unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung kaum vereinbar sind und wir dürfen auch zweitens davon ausgehen, dass die Anleger ihrer massiven Enteignung nicht tatenlos zusehen werden, so wie Lämmer, die man zur Schlachtbank führt.

In jedem Fall dürften neuerliche Zinssenkungen das anhaltende Gerede der Notenbanker von einer nur ausgesetzten Normalisierung der Geldpolitik als Farce entlarven und damit dazu beitragen, dass das bereits im Schwinden begriffene Vertrauen weiter erodiert.

Auch für die Geldpolitik der Notenbanken gilt: Dinge, die nicht ewig anhalten können, werden auch nicht ewig anhalten und Kredite, die nicht bedient werden können, werden am Ende auch nicht mehr bedient werden.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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