Die Flucht in Unternehmensanleihen ist keine gute Wahl

Was kann, was soll man als risikoaverser Anleger tun, wenn die als sicher geltenden Staatsanleihen nur noch eine minimale oder sogar eine negative Rendite bieten? In den letzten Wochen haben sich Fragen wie diese den Anlegern wieder häufiger gestellt, denn die erhöhten politischen Risiken haben dazu geführt, dass die deutschen Staatsanleihen in der zweiten Hälfte des Juni wieder eine negative Rendite aufwiesen.

Wer Finanzminister Olaf Scholz sein Geld anvertraut, wird von ihm oder seinem Nachfolgern 0,28 Prozent weniger Geld zurückerhalten als er ursprünglich an das Finanzministerium überwiesen hat. Bei Schweizer Staatsanleihen sieht die Rechnung für den Anleger noch bedrückender aus. Hier beträgt der Verlust am Ende der Laufzeit sogar 0,49 Prozent.       

Eine Besserung der Lage ist kurzfristig nicht in Sicht. Werder die politischen Risiken dürften schnell wieder verschwinden noch ist zu erwarten, dass die Zinsen bald wieder ins positive Terrain vorstoßen werden. Viele Anleger, die trotz der misslichen Situation doch noch eine positive Rendite erzielen wollten, sind in den letzten Jahren auf Unternehmensanleihen umgestiegen.

Der Blick alleine auf die Rendite führt in die Irre

Die Idee ist nachvollziehbar, aber sie ist auch ein zweischneidiges Schwert, denn auch wenn die Rendite höher ist als bei den Staatsanleihen, einen angemessenen Preis für das mit der Anlage verbundene Risiko erhält man auch hier nicht. Mehr noch: Viele Unternehmen versuchten in den vergangenen Jahren mehr ihren Aktionären zu gefallen als ihren Gläubigern.

Es wurden Dividenden durch Kredite finanziert und insgesamt recht wenig Wert auf die eigene Kreditwürdigkeit gelegt. Diese Nachlässigkeit könnte schon bald ihre Schattenseite offenbaren, denn der Kreditzyklus neigt sich seinem Ende entgegen. Gleichzeitig hat sich die Bonität vieler Schuldner verschlechtert.

Das ist die explosive Mischung, aus der in der Vergangenheit traditionell gerne Krisen am Anleihenmarkt gemixt wurden. Dass die brisante Mischung auch jetzt wieder zur Explosion kommen wird, ist keineswegs sicher. Sicher ist jedoch, dass das Risiko für die investierten Anleger erheblich gestiegen ist.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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