Negative Zinsen: Gibt es eine untere Grenze?

Die bei den Anlegern als besonders sicher geltenden Staatsanleihen aus Deutschland und der Schweiz notierten seit Mitte Juni wieder im negativen Bereich. Wer sie als Anleger kauft, nimmt bis zum Ende der Laufzeit bewusst Verluste in Kauf. Aktuell ist die Rendite schon leicht negativ, obwohl die Wirtschaft noch halbwegs rund läuft.

Besorgte Anleger fragen sich deshalb, wohin die Reise noch gehen könnte, sollten sich die dunklen Wolken am wirtschaftlichen Horizont am Ende doch noch zu einer handfesten Rezession weiterentwickeln. Bei der Suche nach einer Antwort auf diese wichtige Frage hilft es, einen Blick auf die Rezessionen nach dem Zweiten Weltkrieg zu werfen.      

Seit Mitte der 1950er Jahre waren insgesamt neun Rezessionen zu verzeichnen. Auf jede von ihnen reagierte die US-Notenbank mit Zinssenkungen, die im Durchschnitt 550 Basispunkte umfassten. Auch der ehemalige US-Finanzminister Larry Summers hält es für erforderlich, dass die Federal Reserve Bank die Zinsen in einer Krise um mindestens 500 Prozentpunkte senkt, will sie die Krise effektiv bekämpfen.

Die Munition ist weitgehend verschossen

Da der US-Zinssatz nach der letzten Zinserhöhung den Bereich von 2,25 bis 2,50 Prozent erreicht hat, ist das Potential der US-Notenbank sehr begrenzt, denn statt der benötigten 500 Prozentpunkte stehen für Zinssenkungen gerade einmal 250 Prozentpunkte zur Verfügung. Im Euroraum ist die Lage der Europäischen Zentralbank noch prekärer, denn hier sind nicht einmal positive Zinssätze vorhanden, von denen aus man im Falle einer Krise einen Zinssenkungszyklus starten könnte.

Die Alternative ist im einen wie im anderen Fall die Einführung von massiv negativen Zinssätzen von minus 2,5 Prozent in den USA und minus 5,0 Prozent bei uns im Euroraum. Dass ein solcher Schritt von den Notenbanken ernsthaft erwogen und am Ende auch umgesetzt wird, ist durchaus zu erwarten, wenn man sich die Aussagen der Notenbankpräsidenten vor Augen führt, die immer wieder betonen, dass die Zentralbanken bereitstehen, im Fall des Falles alles in ihrer Macht stehende zu tun.

Dass die Sparer diesem massiven Angriff auf ihre Ersparnisse nicht lange tatenlos zusehen werden, liegt ebenfalls auf der Hand. Eine umgehende Flucht ins Bargeld und die Edelmetalle könnte deshalb unverzüglich mit einem Bargeldverbot und möglicherweise auch mit einem Goldverbot beantwortet werden.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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