Kupfer: Die Chinesen erzeugen bereits Nervosität

Man kann nicht sagen, dass die Kupferpreise in diesen Tagen besonders hoch seien und genau das ist das Problem, denn wie bei allen Rohstoffen wird auch beim Kupfer der aktuelle Preis durch das freie Spiel von Angebot und Nachfrage bestimmt. Die Nachfrage schwankt zwar, aber sie ist verhältnismäßig konstant, was man vom Angebot nicht behaupten kann, denn auf dieser Seite der Gleichung droht in Zukunft ein gewaltiger Engpass.

Ein kurzfristiger Engpass ist zwar nicht zu befürchten, doch bei den Rohstoffen sollte die Welt immer langfristig denken, denn von der ersten Erkundung bis zum Beginn der kommerziellen Produktion vergehen im Bergbau leicht zehn Jahre. Bei großen Projekten kann sich die Zeitspanne auch leicht auf fünfzehn bis zwanzig Jahre erhöhen.

Im Wissen um diese langen Zeiträume ist die Versorgung der Welt mit Kupfer längst nicht mehr so gesichert wie es momentan noch erscheinen mag, denn bis 2035 werden weltweit 200 Kupferminen erschöpft sein und ihre Produktion einstellen. Für sie muss somit Ersatz gefunden werden und dies auch relativ schnell, denn bis 2035 verbleiben uns nur noch gut 15 Jahre.

Was die Experten beunruhigt ist nicht nur die Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit. Mit Sorge wird auch das Faktum betrachtet, dass die niedrig hängenden Früchte in der Zwischenzeit größtenteils gepflückt worden sind. Die Kupferminen der Zukunft werden somit in weiter entfernten bzw. schwerer zugänglichen Regionen liegen und es ist auch zu erwarten, dass die Kupfergrade nicht mehr die heutigen Maßstäbe erreichen.

Bekannt ist die Entwicklung aus dem Goldbergbau. Noch vor 50 Jahren wurden Goldlagerstätten mit einem Goldgehalt von weniger als acht Gramm pro Tonne von den Minengesellschaften nicht einmal eines flüchtigen Blickes gewürdigt. Heute ist jede Gesellschaft froh, wenn sie ein Projekt mit sieben oder acht Gramm Gold pro Tonne ihr Eigen nennen kann.

Zwei Lösungswege

Um das Problem zu lösen, stehen uns prinzipiell zwei Wege zur Verfügung. Wir können unseren Kupferverbrauch drastisch einschränken und neben der Suche nach neuen Lagerstätten verstärkt auf das Recycling von Altkupfer setzen. Realistisch ist dieser Weg allerdings nicht. Er wird nur dann beschritten werden, wenn die Lager wirklich erschöpft und trotz hoher Preise kein Kupfer auf dem Markt zu bekommen ist.

Mehr noch: Mit der Elektromobilität drängen derzeit neue Anwendungen auf den Markt, die deutlich mehr Kupfer verbrauchen als jene Techniken, die sie ersetzen sollen. Ein neues Elektroauto benötigt je nach Größe allein zwischen 22 und 30 Kilogramm Kupfer für die Batterie. Es besteht daher nicht nur für die Kupferexperten Grund, nervös zu werden.

Nervös wurde der Markt bereits im letzten Jahr, als China ankündigte, sein Stromnetz modernisieren zu wollen. Die Folge waren Preisanstiege von 20 Prozent an den Metallbörsen. Im Jahr 2017 war auch für Kupferfolien ein satter Preisanstieg zu verzeichnen.

Diese Preisanstiege könnten die ersten Ausläufer eines nahenden Sturmes sein, denn im Jahr 2016 belief sich die weltweite Kupferproduktion auf knapp 20 Millionen Tonnen. Sie könnte infolge der absehbaren Minenschließungen bis zum Jahr 2034 auf unter 12 Millionen Tonnen zurückgehen. Klafft die Schere zwischen Angebot und Nachfrage noch weiter auseinander, ist sogar ein massives Versorgungsdefizit von mehr als 15 Millionen Tonnen Kupfer pro Jahr denkbar.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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