Der Onlinehandel boomt aber die Aktien der Paketdienste werden gemieden

Obwohl der Onlinehandel einen immer größeren Marktanteil für sich beanspruchen kann, können die weltweit operierenden Paketdienstleister von diesem Boom nicht mehr profitieren. Die Folge: Auch an der Börse meiden die Anleger Firmen wie die Deutsche Post oder Fedex, sodass die Kurse heute um rund 40 Prozent unter den in den Vorjahren erreichten Hochs liegen.

Es gibt gute Gründe für diese Zurückhaltung und viel spricht dafür, dass sich daran kurzfristig nicht viel ändern wird. Zu vielschichtig sind die Probleme der Branche, und damit diese an der Börse von den Anlegern wieder stärker beachtet wird, bedarf es neuer, zusätzlicher Impulse.    

Die Branche leidet unter einem großen Konkurrenzdruck und niedrigen Margen. Zwar konnten die drei größten international tätigen Anbieter, Fedex, UPS und Deutsche Post ihre Umsätze durch organisches Wachstum und Zukäufe steigern, doch die Gewinne zogen nicht im gleichen Maß mit.

Die unzureichende Profitabilität belastet vor allem das Express- und E-Commerce-Segment, in dem rund 60 Prozent der gesamten Umsätze erwirtschaftet werden. In den vergangenen zehn Jahren schwankte die Marge zwischen zwei und 12 Prozent und im Fall der Deutschen Post AG kommt hinzu, dass das Unternehmen eine Marge hat, die gerade mal halb so hoch ist wie die der amerikanischen Konkurrenten.

Die Ansprüche der Kunden wachsen schneller als die Gewinne

Das Geschäft ist hart umkämpft und die Ansprüche der Kunden an Schnelligkeit und Zuverlässigkeit wachsen. Amazon ist zudem ein Kunde, der der Meinung ist, er solle das Geschäft der Auslieferung der Waren lieber selbst in die Hand nehmen. Bislang haben die etablierten Anbieter diese Gefahr mit dem Hinweis auf einen sehr schnell wachsenden Markt gekontert.

Solange der Markt schneller wachse als der Aufbau neuer Kapazitäten, sei für alle Wettbewerber genug da. Das mag grundsätzlich richtig sein, schützt aber nicht vor der Pleite wie die Insolvenz des Konkurrenten New England Motor Freight belegt.

Hinzu kommen individuelle Probleme. So hat Fedex weiterhin Mühe, die Integration des übernommenen niederländischen Anbieters TNT Express abzuschließen und die Deutsche Post AG kämpft darum, überhaupt ihre Dividende zu verdienen.

Angesichts dieser beeindruckenden Problemlage ist den meisten Anlegern klar: Große Kursprünge sind vor diesem Hintergrund auch in den nächsten Monaten nicht zu erwarten.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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