Jede Währung ist nur so viel wert wie das in sie gesetzte Vertrauen

Egal, was Sie an den Märkten verkaufen möchten, eine Aktie, eine Immobilie, Gold oder ein Kilo Kirschen, Sie werden immer nur das für Ihr Angebot erhalten, was ein anderer Ihnen dafür gerade zu zahlen bereit ist. Seine Zahlungsbreitschaft orientiert sich dabei an zwei wesentlichen Größen: seinem Bedarf und seinem Vertrauen.

Ist kein Bedarf an Kirschen vorhanden, drohen diese Ihnen in Ihren Händen zu verschimmeln. Beim Gold besteht diese Gefahr zum Glück nicht. Trotzdem bringen Sie Ihr Gold leichter an den Mann oder die Frau, wenn auf der Gegenseite ein wie auch immer zu bestimmender Bedarf vorhanden ist. Das gleiche gilt für Immobilien und Aktien, die wir gerne verkaufen möchten.      

Der Wunsch, dieses Wirtschaftsgut besitzen zu wollen, ist bei Aktien, Immobilien und Gold das entscheidende Motiv, das uns den Kauf vornehmen lässt. Wir wollen das Gold besitzen, weil es in Form eines schönen Schmuckstücks daherkommt, oder die Aktie, weil wir uns einen ordentlichen Gewinn in Form einer hohen Dividende von ihr versprechen, und die Immobilie kaufen wir, weil wir in ihr leben möchten.

Bei all diesen Kaufentscheidungen spielt unser persönlicher Bedarf die entscheidende Rolle. Vorhanden, wenn auch deutlich schwächer ausgeprägt, ist der Aspekt des Vertrauens. Wir vertrauen natürlich darauf, dass die Kirschen gut schmecken, die Firma sich gut entwickelt und die Immobilie ein passendes Zuhause für uns ist. Doch bestimmend bleibt in den meisten Fällen der Bedarf und dieser Bedarf ist immer ein unmittelbarer.

Es gibt keinen unmittelbaren Bedarf an Geld

Das ist bei all den Transaktionen, bei denen wir Geld kaufen anders. Wer sich entscheidet, ein Gut oder eine Dienstleistung an einen anderen zu verkaufen und dafür Geld als Bezahlung in Empfang zu nehmen, der nimmt dieses Geld, obwohl er dafür keinen unmittelbaren Bedarf verspürt, denn den Geldschein kann man weder essen noch trinken und man kann auch keine Häuser mit ihm bauen.

Erst mittelbar ergibt sich ein Bedarf an Geld, der dadurch entsteht, dass mit diesem Geld andere Waren und Dienstleistungen gekauft werden können. Aber wir verspüren diesen Bedarf erst dann, wenn wir das starke Vertrauen haben, mit dem Geld, das wir als Bezahlung von anderen entgegennehmen, später selbst einkaufen und unsere Verpflichtungen bezahlen zu können.

Fehlt dieses Vertrauen, weil Sie zum Beispiel nur chinesisches Geld in der Tasche haben, während Sie in einem deutschen Supermarkt stehen, ist auch unser Verlangen nach mehr von diesem chinesischen Geld sofort massiv eingeschränkt. Ein einzelner deutscher Euro wäre den meisten von uns in diesem Fall vermutlich zehnmal lieber als ein chinesischer 100-Yuan-Schein, obwohl der Euro nicht einmal auf ein Zehntel des Werts der chinesischen Banknote kommt.

Man kann diesen Aspekt des Vertrauens in die Möglichkeit zukünftiger Käufe durch das benutzte Geld nicht hoch genug bewerten, denn dieses Vertrauen ist die Grundbedingung dafür, dass es überhaupt zu einem Austausch von Waren und Dienstleistungen kommt.

Noch ein Aspekt ist entscheidend: Dieses Vertrauen muss von innen heraus kommen. Es lässt sich weder über Gesetze, noch über Algorithmen und auch nicht mit der Blockchain-Technologie erzwingen.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

Leave a comment: